Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 397
Meersburg - Kleinod am Bodensee und Residenz der Fürstbischöfe von Konstanz

Reithof und Staatsdomäne Meersburg

Beim ehemaligen Reithof handelt es sich um eine rechteckige Vierflügelanlage zwischen den Wirtschaftsgebäuden des Neuen Schlosses und dem ehemaligen Priesterseminar. Die Anlage bildet zusammen mit den genannten Bauten die beeindruckende barocke Seefassade (Abb. unten) der Meersburger Oberstadt und ist Teil des spätbarocken Residenzensembles, das hiermit den Bereich der einst mauerumgürteten Altstadt verläßt und sich parallel zum See auf dem Höhenzug nach Osten ausdehnte. In der Mitte jedes Flügels betont ein Risalit die zentrale Achse. Durch den West- und den Ost-Risalit verläuft ein Torweg, der als West-Ost-Achse die unterschiedlichen Bauten des Residenzkomplexes miteinander verbindet. Die Anlage ist regelmäßig bis auf eine Ausnahme: Die Nordwestecke ist außen schräg abgeschnitten, um der dort verlaufenden Seminarstraße eine passierbare Breite zu lassen.

Der Reithof, ein Werk Franz Anton Bagnatos, entstand um 1760 unter Fürstbischof Franz Konrad von Rodt auf dem Terrain des ehemaligen Hofgartens, der auf dem Pozzi-Plan von 1740 noch als barocke Gartenanlage zu erkennen ist. Die Funktionen des Neubaus waren vielfältig; zum einen befand sich im einstigen Mittelpavillon an der Seeseite die Reithalle für Hofgesellschaft. Zum andern wurde der gegenüberliegende Nordtrakt als Zeughaus genutzt; dort wurden die Geschütze und Waffen des fürstbischöflichen Militärs aufbewahrt. Der Rest der Gebäude diente als Marstall - Kutschenremise und Ställe - für die fürstbischöflichen Pferde und Gefährte. Der Mittelrisalit der Seeseite ist allerdings nicht mehr ursprünglich, sondern ein neobarockes Gebäude aus dem Jahr 1907. In der Mitte der 1960er Jahre erfolgten ferner ein teilweiser Abriß einiger Trakte und ihr Wiederaufbau nach historischen Plänen. Die Abb. unten zeigt den Innenhof mit Blick nach Westsüdwest.

Nach der Säkularisation und dem Ende der geistlichen Fürstentümer wandelte sich die Funktion des Gebäudes entsprechend dem Eigentumsübergang an die Markgrafen von Baden, die das aufgelöste Hochstift Konstanz 1802 in Besitz nahmen. Die ehemalige Residenz wurde ausgeschlachtet, das Mobiliar woanders verwendet oder verkauft. Karl Theodor Freiherr von Dalberg (reg. 1800-1802) regierte als letzter Konstanzer Fürstbischof. Die Markgrafen bekamen ein Reinvermögen von 194000 fl. und Schulden von 628000 fl. Der letzte Fürstbischof blieb bis 1817 Bischof von Konstanz und Primas der deutschen Kirche und bekam vom neuen Landesherrn eine jährliche Pension von 20000 fl. Auch die ehemaligen Mitglieder des entmachteten Domkapitels bekamen jeweils pro Jahr 2300 fl. Pension. Das Haus Baden machte den Marstall 1907 zu einer Weinbaudomäne ("Großherzoglich Badische Domänenkellerei"), wobei auch der seeseitige Mittelpavillon erneuert wurde und deshalb im Dreiecksgiebel zwischen neobarocken Zierformen das Wappen des bis 1918 bestehenden Großherzogtums Baden trägt, in Gold ein roter Schrägbalken, darüber etwas nach oben abgesetzt die großherzogliche Krone.

Bereits Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg (reg. 1704-1740) hatte im ehemaligen Stadtgraben einen Weinkeller errichten lassen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Domäne Staatsweingut, teilt sich aber die Räumlichkeiten mit dem Droste-Hülshoff-Gymnasium, welches das benachbarte ehemalige Priesterseminar als Hauptgebäude nutzt. Das Unternehmen, das seine Weine u. a. in den Lagen Meersburger Chorherrnhalde, Meersburger Rieschen, Meersburger Jungfernstieg, Meersburger Bengel und Meersburger Lerchenberg anbaut, gehört dem Land Baden-Württemberg und wird als Wirtschaftsbetrieb vom Finanzministerium verwaltet.

Literatur, Links und Quellen:
Informationsbroschüre Meersburg: http://www.total-lokal.de/pdf/88701_50_12_10_01.pdf
Fürstbistum Konstanz im Historischen Lexikon der Schweiz:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8561.php
Barocke Gesamtanlage:
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Werke/h-r/Meersburg.html
Hinweistafeln am Objekt.
Staatsweingut Meersburg:
http://www.staatsweingut-meersburg.de/ - http://www.staatsweingut-meersburg.de/das-weingut/weinbergslagen.html
Staatsweingut Meersburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsweingut_Meersburg
Michael Losse: Burgen, Schlösser, Adelssitze und Befestigungen am Bodensee und am Hochrhein, Band 1.2, 176 S., Imhof-Verlag, Petersberg, 1. Auflage 2011, ISBN-10: 3865681913, ISBN-13: 978-3865681911, S. 94.

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