Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 396
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Stift St. Peter und Alexander, Umgang: Margarethe Hartlieb

Ein weiteres im äußeren Umgang vor der Westfassade der Stiftskirche St. Peter und Alexander zu findendes Epitaph wurde für die am 17.7.1481 geborene und am 27.2.1527 verstorbene Margarethe Hartlieb genannt Walsporn errichtet. Ihre Eltern waren Jakob von Hartlieb genannt Walsporn und Elisabeth Weinheimer. Sie war die Ehefrau des Hermann von Neuhof genannt Ley und stammte aus einer in Landau in der Pfalz, in Worms und später in Memmingen ansässigen Familie, die 1499 bzw. 1541 eine Nobilitierung erfuhren. Die Eltern ihres Ehemannes, der übrigens 1494 von Kaiser Maximilian einen Adelsbrief mit Wappenbesserung erhielt, waren Johann von Neuhof genannt Ley und Katharina von Nevers. Margarethes Epitaph wurde hier in Aschaffenburg aufgestellt, weil ihr aus Worms stammender Bruder, Johannes Hartlieb genannt Walsporn (-1537), der auch einen Hof in Groß-Umstadt an der Stelle des späteren Curti-Schlosses besaß, hier Stiftskanoniker, Kapitular und Stiftskustos war. Das Epitaph ist stark beschädigt, gilt aber als künstlerisch wertvolle Arbeit aus dem Backoffen-Umfeld. Die Inschrift lautet: "AN(NO) MDXXVII (A)VF DEN XXVII TAG DES HORNVNGS STARB FRAV MARGET HARTLIEBIN EIN(E) E(HE)LICH(E) GEMAHEL(IN) JUNCKER HERMANS VOM NEWEN HOF GENAN(N)T VON DER LEYEN DER GOT(T) GENADT."

 

In den beiden unteren Ecken der rechteckigen Rotsandsteinplatte befinden sich zwei Wappenschilde, heraldisch rechts (Abb. rechts oben) der für die Familie von Neuhof genannt Ley, in Blau (oder Schwarz) eine schrägrechtsbalkenweise gelegte, silberne Kette aus drei ganzen und zwei halben Gliedern; das hier nicht dargestellte Kleinod wäre zu blau-silbernen (schwarz-silbernen) Decken ein blauer, silbern gestulpter Turnierhut, oben mit neun abwechselnd blau-silbernen (schwarz-silbernen) Straußenfedern besteckt (Wolfert Tafel 85 Seite 67). In der Literatur finden sich abweichende und uneinheitliche Darstellungen, besonders hinsichtlich der Tinkturen: Die Kette wird sonst meist senkrecht stehend dargestellt (Siebmacher Band: Ost Seite: 376-377 Tafel: 140-141, Westfälisches Wappenbuch); als Feldfarbe ist auch Schwarz möglich und überliefert; die Kette kann auch nur einen ganzen und zwei halbe Ringe haben, und alternativ wird die Helmzier angegeben als ein silberner, schwarz aufgeschlagener Turnierhut, mit fünf silbernen Straußenfedern besteckt (Westfälisches Wappenbuch, zum blau-silbernen Schild) oder ein silberner, schwarz aufgeschlagener Turnierhut, mit sieben abwechselnd silbernen und schwarzen Straußenfedern besteckt, die mittlere mit der Kette belegt (Westfälisches Wappenbuch, zum schwarz-silbernen Schild).

Anläßlich der durch den Kaiser erfolgten Adelserhebung mit Wappenbesserung im Jahr 1494 zu Prag lassen sich folgende Angaben finden: Vorher waren es in Schwarz drei ganze und zwei halbe, goldene Ringe, und als Kleinod wurden zu schwarz-silbernen Decken auf einem Hut sieben Federn geführt, die rechten drei geteilt und halb silbern, halb schwarz, die mittlere ganz silbern mit drei Ringen, die linken wiederum unten halb schwarz ("sein erblich Wapen, mit Namen, ein gantz schwartzen Schildt, in demselben drey gelbe undt Goldtfarbe Ringe, zwey, unten undt oben offen, auf dem Schildt ein Helm gezieret, mit einer weissen und schwartzen Helmdecken, auf demselben Helme ein Philipps Hütlein mit 7 Pflauhmen, mit der Farb halb abgetheilt, nemlich die fordersten drey halb weiß und schwartz, die hintersten drey unten halb schwartz, undt die mittelste oben gantz weiß, mit dreyen Ringen..."). Bei der Wappenbesserung wurde die silberne Farbe der Decken in eine goldene geändert, außerdem kam ein schwarz-goldener Wulst hinzu ("...so er bisher gebraucht undt geführt hat, confirmirt und bestettiget, und ihme den bestimbten Helm und die weissen Farben an den Helmdecken in Gelb oder Goldfarb verkehrt, undt den Helm mit einem umbgewunden Pusch und fliegenden Binden, von schwartzer undt gelber oder Goldfarbe gezieret, als den dieselbige Wapfen und Kleinothien").

Heraldisch links unten (Abb. rechts unten) ist das Wappen der von Hartlieb genannt Wallsporn, in Schwarz ein goldener Schragen (Andreaskreuz), in der Mitte belegt mit einem schwarzen Kesselrinken (Kesselhenkel, Kesselgehäng), der einen roten Stern einschließt. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-goldenen Decken ein goldener Schragen (Andreaskreuz), in der Mitte belegt mit einem schwarzen Kesselrinken, der einen roten Stern einschließt, zwischen zwei schwarzen, je mit zwei goldenen Schrägbalken belegten Büffelhörnern, rechts schräglinks, links schrägrechts (Wolfert Tafel 23 Seite 67, 98-100, 114, siehe auch Siebmacher Band: Bad Seite: 54 Tafel: 33, Band: Bay Seite: 82 Tafel: 94).

Literatur, Links und Quellen:
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 67
Stiftskirche Aschaffenburg, Schnell-Kunstführer Nr. 230, 8. Auflage 2003, Verlag Schnell & Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4193-5
Stiftspfarrei St. Peter und Alexander:
http://www.stiftsbasilika.de/
Stiftsbasilika:
http://www.stiftsbasilika.de/basilika/ - http://www.stiftsbasilika.de/basilika/kirchenraum
Pfarreiengemeinschaft St. Martin:
http://www.st-martin-aschaffenburg.de/index.html
August Amrhein: Die Prälaten und Canoniker des ehemaligen Collegiatstifts St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, 1882
Mader: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Unterfranken, Stadt Aschaffenburg, S. 72 ff.
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Adelsbrief Neuhof:
http://genealogie.dorpshistorie.nl/neuhofvanderley.html#p538 - http://www.ourfamtree.org/browse.php/Hermann-von-Neuhoff-genannt-Ley/p269384
Genealogie:
http://genealogie.dorpshistorie.nl/neuhofvanderley.html - http://www.ourfamtree.org/browse.php/Hermann-von-Neuhoff-genannt-Ley/p269384
Neuhof (Neuhoff):
https://de.wikipedia.org/wiki/Neuhoff_(Adelsgeschlecht)

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