Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 393
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Stift St. Peter und Alexander, Umgang: Anna Katharina von Vorburg

Im in Richtung auf den Stiftsplatz zu vorgebauten äußeren Umgang vor der Westfassade der Stiftskirche St. Peter und Alexander befindet sich im nördlichen Abschnitt das Epitaph für Anna Katharina von Vorburg (-23.8.1635) aus rotem Sandstein. Das Frauenepitaph überrascht in dem rein männlich besetzten Stift, aber die Verstorbene amtierte nicht hier, sondern war Äbtissin des Zisterzienserinnen-Klosters Mariabronn. Ebenfalls wird mit diesem Epitaph an ihre in Köln verstorbene Schwester erinnert, Cäcilia Praxedis von Vorburg (-20.6.1636); auch diese war geistlichen Standes und Nonne im Benediktiner-Kloster Rupertsberg bei Bingen. Allein der geistliche Stand hätte noch keinen Grund ergeben, hier ein Epitaph zu bekommen. Dieser Grund ist jedoch ihr gemeinsamer Bruder, Wolfgang Sigismund von Vorburg (-1.9.1645), der am Aschaffenburger Stift seit dem 14.4.1620 Kanoniker, seit dem 16.6.1620 Kapitular und seit dem 19.2.1636 Dekan und außerdem geistlicher Rat und Kommissar war: Er hat seinen beiden Schwestern dieses Epitaph spendiert und errichten lassen. Aller genannten Personen Eltern waren Johann Konrad von Vorburg, kurmainzischer Rats und Statthalter in Miltenberg, und dessen Frau Anna Ifflinger von Graneck zu Delsberg.

 

Die Platte ist zweiteilig aufgeteilt. Unten wird die Sockelzone fast gänzlich vom außen gerundeten Inschriftenfeld eingenommen, flankiert von zwei Engelskopfornamenten und Voluten seitlich sowie unten begleitet von einem weiteren Engelskopf. Das Hauptfeld wird vom Inschriftenfeld durch ein horizontales Gesims abgesetzt; ein weiteres Gesims bildet den oberen Abschluß, der aber in der Mitte halbkreisförmig nach oben ausgebogen ist, um genügend Raum zu schaffen für das von einem hochovalen Laubkranz umschlossene Vollwappen in der Mitte. Seitlich sind vier Ahnenwappen angebracht, jedoch in auf die Schilde beschränkter Form. Das zentrale, linksgewendete Wappen der von Vorburg hat in Blau fünf goldene Schrägbalken, auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsender, blauer, golden bewehrter Hirsch. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert Tafel 14 Seite 67. In anderen Darstellungen sind es meist nur drei Schrägbalken, so auch im Siebmacher Band: BayA3 Seite: 125 Tafel: 83, dort blau in Gold angegeben.

Die Inschrift lautet: "ANNA CATARINA A(B) VORBVRG ABBATISSA MARIAEBRON(N) ORD(INIS) CISTERCIENSIS HIC QVIESCIT OBIIT ASCHAFFENBVRGI PIE ET PATIENTER DIE 23 AVGVSTI ANNO 1635 SOROR EIVS CAECILIA PRAXEDIS A(B) VORBVRG MONIALIS RVPER(T)SBERGENSIS PROPE BINGAM ORD(INIS) D BENEDICTI OBIIT PIE COLONIAE DIE 20 IVNII ANNO 1636 FRATER MOERENS WOLFGANGVS SIGISMVNDVS A(B) VORBVRG DECANVS ET COMMISSARIVS ASCHAFFENBVRGENSIS HOC POSVIT."

 

In der Ahnenprobe wiederholt sich heraldisch oben rechts das Vorburg-Wappen, auch hier die Schrägbalken in der außergewöhnlichen Anzahl 5. Gegenüber befindet sich heraldisch links oben das Wappen der Ifflinger von Graneck zu Delsberg, in Rot ein ausgerissener goldener Lindenbaum mit fünf (1:2:2) Lindenblättern. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken hinter einem Flechtzaun hervorwachsend ein goldener Lindenzweig mit drei (1:2) Lindenblättern. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert Tafel 64 Seite 68, ferner im Siebmacher Band: Bad Seite: 20 Tafel: 13, Wü Seite: 9 Tafel: 10, Erg Seite: 37, wobei die Anzahl der Lindenblätter im Schild auch sieben sein kann.

 

Heraldisch unten rechts ist das Wappen der Großmutter väterlicherseits, das der Familie von Speckbach ("SPECHBACH"), in Blau drei (2:1) goldene Schildchen. Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre zu blau-goldenen Decken ein nach vorn gekrümmtes goldenes Widderhorn (Wolfert Tafel 27 Seite 67). Gegenüber befindet sich das letzte Wappen der Ahnenprobe, das der Großmutter mütterlicherseits aus der elsässischen Familie der von Andlau ("ANTLAW"), in Gold ein durchgehendes rotes Kreuz. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein wachsender gekrönter Mannesrumpf (Königsrumpf) in goldenem, hermelinverbrämtem Mantel. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert Tafel 21 Seite 68, weiterhin im Siebmacher Band: Els Seite: 2 Tafel: 3, Band: NÖ1 Seite: 9 Tafel: 5, Band: PrGfN Seite: 29 Tafel: 22 und Band: Bad Seite: 4 Tafel: 4.

Literatur, Links und Quellen:
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 70
Stiftskirche Aschaffenburg, Schnell-Kunstführer Nr. 230, 8. Auflage 2003, Verlag Schnell & Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4193-5
Stiftspfarrei St. Peter und Alexander:
http://www.stiftsbasilika.de/
Stiftsbasilika:
http://www.stiftsbasilika.de/basilika/ - http://www.stiftsbasilika.de/basilika/kirchenraum
Pfarreiengemeinschaft St. Martin:
http://www.st-martin-aschaffenburg.de/index.html
August Amrhein: Die Prälaten und Canoniker des ehemaligen Collegiatstifts St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, S. 95, 126, 271.
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