Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 389
Trierer Steipe

Deutschordenswappen im Innenhof der Steipe

In Trier gibt es neben dem an der Deutschordenskommende noch ein Wappen des Hochmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (aus dem Pfälzer Zweig der Wittelsbacher), nämlich im Innenhof der Steipe am Hauptmarkt in die Wand eingemauert. Der Innenhof ist nach einem Umbau Bestandteil der Innenräume des in der Steipe eingerichteten Cafés. Es ist aus Sandstein gehauen und besitzt noch Reste einer Farbfassung. Es befindet sich dort erst seit dem 19. Jh., Hotelier Josef Becker ließ es als Wandschmuck einmauern. Das Wappen in der Steipe ist im Grunde genau wie das an der Landkommende aufgebaut, mit zwei Abweichungen:

Damit ist das Wappen in der Steipe zeitlich früher als das an der Deutschordenskommende, nämlich zwischen 1716 und 1729, einzuordnen.

Lebenslauf von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, Fürstbischof von Trier und Mainz (Hochmeister 1694–1732)

Das Wappen im Detail, Zuordnung
Sein Wappen ist aufgeteilt in Hauptschild, Mittelschild, Hochmeisterkreuz und Herzschild und nochmals einen winzigen Schild auf diesem, hat also rein formal 5 (!) Ebenen übereinander. Der Hauptschild enthät das Familienwappen, also amtsunabhängige Komponenten, die auch während seiner Lebenszeit nicht verändert wurden. Der Mittelschild enthält Amtswappen, die im Laufe seiner Karriere Änderungen erfuhren. Zwischen Mittelschild und Herzschild liegt das Hochmeisterkreuz, der Herzschild mit dem schwarzen Adler in Gold gehört zu ihm. Das winzige Herzschildchen ganz obenauf ist wieder ein kirchenamtsabhängiges Detail.

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Dieser Mittelschild hat sich im Laufe des Lebens entsprechend verändert, er wurde immer den jeweiligen Ämtern angepaßt. Frühe Hochmeisterwappen zeigen im Mittelschild Worms, Ellwangen und Breslau, welches beide unteren Felder einnimmt. Als Fürstbischof von Trier rückt Breslau in ein einziges Feld (Nr. 4), das Prümer Lamm belegt Feld 3. Ein kleiner Herzschild (Ebene 5) noch auf dem Hochmeister-Herzschild zeigt das Trierer rote Kreuz in Silber. 1729 wurde dieses gegen das Mainzer silberne Rad in Rot ausgetauscht, dem Ämterwechsel entsprechend.

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler. Das aufgelegte kleinste Schildchen zeigt in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, Zeichen des Erzstiftes und Fürstbistums Trier.

Zur Territorialgeschichte der einzelnen Komponenten des Wappens existiert ein eigener Artikel (ehem. Pfarrhaus Ellwangen).

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Trierer Erzbischöfe und Kurfürsten:

Balduin von Luxemburg (1307-1354)
Boemund II. von Saarbrücken (1354-1361)
Kuno II. von Falkenstein (1362-1388)
Werner von Falkenstein (1388-1418)
Otto von Ziegenhain (1418-1430)
Raban von Helmstatt (1430-1438)
Jakob I. von Sierk (1439-1456)
Johann II. von Baden (1456-1503)
Jakob II. von Baden (1503-1511)
Richard von Greiffenclau zu Vollraths (1511-1531)
Johann III. von Metzenhausen (1531-1540)
Johann IV. Ludwig von Hagen (1540-1547)
Johann V. von Isenburg (1547-1556)
Johann VI. von der Leyen (1556-1567)
Jakob III. von Eltz (1567-1581)
Johann VII. von Schönenberg (1581-1599)
Lothar von Metternich (1599-1623)
Philipp Christoph von Sötern (1623-1652)
Karl Kaspar von der Leyen (1652-1676)
Johann Hugo von Orsbeck (1676-1711)
Karl Joseph von Lothringen (1711-1715)
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1716-1729)
Franz Georg von Schönborn (1729-1756)
Johann Philipp von Walderdorff (1756-1768)
Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1768-1801)

Link:
Cafe, Konditorei, Restaurant zur Steipe: http://www.zur-steipe.de

Literatur:
Hans-Georg Böhm: Hochmeisterwappen des Deutschen Ordens 1198-1618, Frankonia Buch 1990, Fränkische Nachrichten Druck- und Verlags-GmbH, Tauberbischofsheim, ISBN 3-924780-15-3
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
http://www.baesweiler.de/tb/bilder/0306_deuren_2.jpg
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Siebmachers Wappenbuch
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschand, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.1, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Stadt Trier, Altstadt, bearbeitet von Patrick Ostermann, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 2001, ISBN 3-88462-171-8
http://www.heraldique-europeenne.org/Armoriaux/Teutonique/index.html
http://www.people.freenet.de/heckmann.werder/Wappen.htm

Wappen der Wittelsbacher (1): Pfalz
Die Wappen der Fürstbischöfe und Bischöfe von Trier - Teil (1) - Teil (2)
Die Wappen der Fürstbischöfe von Worms - Teil (1) - Teil (2)

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© Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2007
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Veröffentlichung des Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Erlaubnis von Frau Raab vom 25.07.07