Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 386
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Stift St. Peter und Alexander, Kreuzgang: Albert Geipel von Schöllkrippen

Im Kreuzgang des Stifts St. Peter und Alexander befindet sich an der Westseite das aus rotem Sandstein gefertigte Epitaph für den am 1.10.1524 verstorbenen Kanoniker Albert Geipel von Schöllkrippen. Im von einem Spitzbogenrahmen umzeichneten Zentralfeld steht der Gekreuzigte mit erhobenen Händen vor dem Kreuz, davor kniend in Anbetung der Verstorbene, mit einem gewissen Bedeutungsmaßstab erheblich kleiner proportioniert. Die Darstellung ist schlicht und wirkt ein wenig naiv. In der künstlerischen Ausführung wäre ebenfalls noch Luft nach oben gewesen. Die in Auflösungserscheinungen begriffene spätgotische Formensprache hat noch nicht so richtig den Weg zu Neuem gefunden. Vier jeweils als Vollwappen ausgeführte Ahnenwappen sind in den Ecken der Platte angebracht.

Die Inschrift im unteren Teil der Platte unter dem Zentralrelief und zwischen den beiden unteren Ahnenwappen lautet: "INSIGNIS ET VENERABILIS VIR DOMINVS ALBERTVS GEIPPEL DE SCHOLKREPPEN QVONDAM HVIVS SACR(A)E (A)EDIS CANON(I)CVS DIEM CLAVSIT EXTREMVM ANNO 24 SVPRA QVINGENTESIMVM OCTOBRIS DIE PRIMA". Der Verstorbene wurde am 19.11.1512 Stiftskanoniker und am 1.7.1519 Stiftskapitular in Aschaffenburg.

Heraldisch rechts oben befindet sich das Wappen der Geipel von Schöllkrippen (Abb. unten links), in Rot ein golden beschlagener, silberner Pfeilköcher mit abfliegendem silbernem Riemen zu beiden Seiten, aus dem Köcher zwei silberne, golden geschäftete Pfeile herausragend. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken zwei schräggekreuzte, gestürzte, silberne, golden geschäftete Pfeile zwischen zwei rot-silbern übereck geteilten Büffelhörnern. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert Tafel 80 Seite 69, 74, 210. Im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 48 Tafel: 31 wird das Wappen der unterfränkischen, zu Schöllkrippen und Hünerstein angesessenen Familie abweichend wie folgt beschrieben: In Rot ein Beutel aus natürlichem Pelz (Rauchwerk), die Öffnung mit goldener Einfassung und beiderseits mit Riemen, von denen der rechte in eine Schließe endet, aus der Öffnung ragen drei goldene Pfeile mit den Spitzen hervor. Auf dem Helm mit rot-blauen Decken zwei schräggekreuzte, gestürzte, silberne, golden geschäftete Pfeile zwischen zwei blau-rot geteilten Büffelhörnern. Es gab übrigens später noch einen weiteren Kanoniker aus der Familie am Aschaffenburger Stift: Conrad Geipel von Schöllkrippen. Weitere Wappensteine mit dem Familienwappen sind in Kleinwallstadt und am Kloster Himmelthal zu finden, wo eine Äbtissin namens Anna aus dieser Familie wirkte.

 

Gegenüber, also heraldisch links oben, befindet sich das Wappen der von Vilbel (Abb. oben rechts), in silbern-rot geviertem Schild eine goldene, blau bebutzte Rose, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein Flug, rechts rot-silbern, links silbern-rot geviert, jeweils in der Mitte mit einer goldenen, blau bebutzten Rose belegt, eine dritte Rose zwischen den Flügeln. So wird das Wappen beschrieben bei Wolfert Tafel 60 Seite 70, dort im Gegensatz zum hiesigen Relief mit grünen Kelchblättern an allen Rosen, ebenso im Münchener Kalender 1934 von Otto Hupp, dort ohne die dritte Rose im Kleinod, ferner die Rosen ohne Kelchblätter. Abweichend wird das Wappen dargestellt im Siebmacher Band: NaA Seite: 39 Tafel: 65; dort ist der Schild rot-silbern geviert, also genau anders herum wie in den beiden vorgenannten Quellen, ferner der Flug ohne Rosen, was dem Relief nun gar nicht entspricht. Die schon im 12. Jh. nachzuweisende Familie kam aus Vilbel, der namengebenden Wasserburg an der Nidda. Ein wichtigerer Vertreter der in der Wetterau beheimateten Familie war Heinrich von Vilbel, der 1493 Burgmann zu Friedberg war, 1512 Amtmann in Eppstein und 1522 Amtmann in Friedberg wurde und 1534 als einer der letzten des 1540 erloschenen Geschlechts verstarb. Die Familie erlosch dann schließlich mit Wendelin von Vilbel, Dekan des Ritterstiftes St. Ferrutius in Bleidenstadt.

 

Heraldisch unten rechts ist das Wappen der Fock(e) von Wallstadt zu sehen (Abb. oben links), silbern-schwarz gespalten und zweimal geteilt, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein natürlicher Falke mit goldenem, bis auf den Helm herabhängenden Band oder Seil um den Hals zwischen zwei Büffelhörnern, rechts schwarz, links silbern, so nach Wolfert Tafel 20 Seite 69, 142, 211, 212, 140, 211. Neben diesem Wappen gibt es noch eine andere Form mit einer Spaltung und zwei Schrägteilungen. Gegenüber, heraldisch links unten befindet sich das Wappen für die Schelle von Amorbach (Abb. oben rechts), in Blau drei (2:1) aufgerichtete silberne Klöppel, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein blauer Flug, beiderseits belegt mit drei (2:1) aufgerichteten silbernen Klöppeln, so nach Wolfert Tafel 70 Seite 29, 70. Die niederadelige Familie nannte sich nach Wald-Amorbach, wo sie westlich des Ortes ein mit einem Wassergraben gesichertes Wohnhaus hatten, dessen letzte Reste 1846 beseitigt wurden.

Literatur, Links und Quellen:
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 69-70
Stiftskirche Aschaffenburg, Schnell-Kunstführer Nr. 230, 8. Auflage 2003, Verlag Schnell & Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4193-5
Stiftspfarrei St. Peter und Alexander:
http://www.stiftsbasilika.de/
Stiftsbasilika:
http://www.stiftsbasilika.de/basilika/ - http://www.stiftsbasilika.de/basilika/kirchenraum
Pfarreiengemeinschaft St. Martin:
http://www.st-martin-aschaffenburg.de/index.html
Otto Hupp, Münchener Kalender 1934
Siebmachers Wappenbücher wie beschrieben
Burg Vilbel:
http://burgenarchiv.de/Burgen/Burg_Vilbel_in_Hessen
August Amrhein: Die Prälaten und Canoniker des ehemaligen Collegiatstifts St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, S. 223

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