Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 384
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Stift St. Peter und Alexander, Kreuzgang: Theoderich Küchenmeister
von Gamburg und Elisabeth von Döring

An der Südseite des Kreuzganges ist direkt rechts neben dem Zugangsportal das Epitaph angebracht für den am 7.10.1493 verstorbenen Theoderich Küchenmeister von Gamburg, der im Stift Scholaster war, sowie für seine am 10.5.1488 verstorbene Mutter, Elisabeth Küchenmeister von Gamburg geb. von Döring. Der Scholaster ist in einer für Kleriker typischen Weise dargestellt mit einem Meßkelch in beiden Händen. Daneben ist seine Mutter mit Witwenhaube und vor der Brust zum Gebet zusammengelegten Händen dargestellt. Es dürfte Seltenheitswert haben, daß auf einem priesterlichen Epitaph auch eine Frau dargestellt wird wie bei einem Ehebegräbnis. Um Mißverständnisse zu vermeiden, wurde später am unteren Rand noch die Zuordnung eingeschlagen: SVHN (Sohn) - MVETER (Mutter). In den vier Ecken der Platte befinden sich vier Wappenschilde der Ahnenprobe. Die Inschrift läuft auf dem stark abgeschrägten Rand um und ist von außen zu lesen wie bei einer Tumbendeckplatte.

 

Theoderich wurde am 27.8.1454 Stiftskanoniker und am 31.8.1467 Scholaster am Stift. Heraldisch rechts oben befindet sich das Wappen der Küchenmeister von Gamburg (von Neuburg, Wächtersbach und Gamberg), in Rot zwei silberne Balken (Abb. unten links). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein Paar roter, mit je zwei silbernen Balken belegter Büffelhörner. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert, Tafel 6 Seite 69, und im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 105 Tafel: 66, nach Caspar Sturms Wappenbuch. Theoderichs Vater war Johann Küchenmeister von Gamburg und Wächtersbach, hanauischer Burgmann zu Schwarzenfels. Dessen Vater wiederum war Henn Küchenmeister bei Kloster-Grumbach.

Das Wappen heraldisch oben links ist das der Mutter und des Großvaters mütterlicherseits, das hier eine besondere Bedeutung dadurch erhält, daß dieses Epitaph nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für seine Mutter ist. Die von Döring führten einen von Schwarz und Silber durch vier Fäden in verwechselten Farben schräggeteilten Schild (Abb. unten rechts), oben links begleitet von einem silbernen, sechszackigen Stern. Die nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein Paar silberner, je mit zwei schwarzen Balken belegter Büffelhörner. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert Tafel 14 Seite 69; im Siebmacher Band: NaA Seite: 21 Tafel: 30 sind die Abstände zwischen den Schrägteilungen erheblich weiter, so daß man dort den Schild blasonieren kann als fünfmal von Schwarz und Silber schräggeteilt, im linken Obereck ein silberner Stern.

 

Der dritte Schild, heraldisch unten rechts angebracht, zeigt einen Bären (Abb. unten links). Im Gegensatz zu den anderen drei Wappen wird dieses nicht durch die Stammtafeln von Humbracht bestätigt, wo eine Frau von Hohenzoll angegeben wird. Zu diesem Namen ist kein Wappen zu finden. Wolfert trifft die Zuordnung zur Familie von Bernstadt als wahrscheinlichste Möglichkeit (ohne Beleg). Diese führten in Gold einen schräggestellten schwarzen Bären, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender, schwarzer, rotbewehrter und -gezungter Bär (Wolfert Tafel 48 Seite 69, Band: WüA Seite: 80 Tafel: 47).

Der vierte und letzte Schild der Ahnenprobe ist wiederum sicher das Wappen der von Lauerbach, welches rot-silbern geteilt ist (Abb. unten rechts). Der Name wird bei Humbracht bestätigt. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein rot-silbern geteilter Flug. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert Tafel 1, Seite 69, 99.

 

Ein naher Verwandter des Theoderich Küchenmeister von Gamburg, nämlich sein Neffe, ist übrigens zu zweifelhafter literarischer Berühmtheit gelangt: Dr. iur. utr. Johann Küchenmeister von Gamburg (-5.7.1522), kurmainzischer Rat und Gesandter sowie Amtmann zu Neubrunn und Gamburg, wurde im Dezember 1515 von Götz von Berlichingen bei Süßen überfallen und entführt. Der Mainzer Gesandte hatte eine Anklageschrift gegen Götz wegen eines vorangegangenen Überfalls in der Tasche, und so wurde nicht nur diese, sondern der Gesandte gleich mit kassiert und festgesetzt. Doch es wurde verraten, wo der Gefangene versteckt war, und es kam zur Befreiung. Götz war natürlich stinksauer, weil er so um sein erwartetes Lösegeld gebracht worden war. Götz zog nach Krautheim, um mit dem Verräter, der dort in der Burg seinem Amtssitz hatte, "ein Hühnchen zu rupfen". Dabei fiel 1516 der weltberühmte Spruch des Götz von Berlichingen, von ihm selbst in der Form "Da schriehe ich wider zu ime hinauff, er soldt mich hinden leckhenn" überliefert, was erst bei Goethe in seinem Schauspiel über Götz von Berlichingen im 3. Aufzug zu "Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!" abgewandelt wurde. Nun, die nächste Gelegenheit kam bald: 1516 entführte Götz von Berlichingen den Grafen Philipp II. von Waldeck, und das Lösegeld für den Grafen reichte, auch wenn es wegen anderer Umstände wie Reichsacht etc. hinter den anfänglichen Erwartungen zurückblieb, zum Erwerb der Burg Hornberg am Neckar.

Literatur, Links und Quellen:
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 69
Stiftskirche Aschaffenburg, Schnell-Kunstführer Nr. 230, 8. Auflage 2003, Verlag Schnell & Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4193-5
Stiftspfarrei St. Peter und Alexander:
http://www.stiftsbasilika.de/
Stiftsbasilika:
http://www.stiftsbasilika.de/basilika/ - http://www.stiftsbasilika.de/basilika/kirchenraum
Pfarreiengemeinschaft St. Martin:
http://www.st-martin-aschaffenburg.de/index.html
Stammtafeln von Humbracht
Geflucht hat Götz von Berlichingen bestimmt, Artikel in der Mainpost vom 23.4.2009, online:
http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Geflucht-hat-Goetz-von-Berlichingen-bestimmt;art742,5085854
Götz von Berlichingen und die Gamburg im Bauernkrieg:
http://www.kloster-bronnbach.de/showpage.php?SiteID=2&edet=766
Schwäbischer Gruß:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwäbischer_Gruß
Götz von Berlichingen: Mein Gottfriden von Berlichingen zw Hornberg vhedt vnd handlungen, Text der Rossacher Handschrift (vor 1567), in: Helgard Ulmschneider (Hrg.): Götz von Berlichingen Mein Fehd und Handlungen, Thorbecke, Sigmaringen, 1981, ISBN 3-7995-7614-2, S. 59,
https://de.wikisource.org/wiki/Mein_Fehd_und_Handlungen
August Amrhein: Die Prälaten und Canoniker des ehemaligen Collegiatstifts St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, S. 241

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