Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 381
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Stiftskirche St. Peter und Alexander: Wolf Beheim

In der Stiftskirche St. Peter und Alexander ist an der Nordseite des fünften südlichen Langhauspfeilers das Renaissance-Epitaph aus rotem Sandstein für den am 3.2.1539 in Aschaffenburg verstorbenen Wolf Beheim (Wolf von Mörle genannt Beheim, auch Böheim oder Böhm) angebracht. Wolf Beheim war Hofmarschall in kurmainzischen Diensten unter Albrecht von Brandenburg. Er hatte das kurmainzische Schloß Wörth am Main im Landkreis Miltenberg seit ca. 1530 als Pfandbesitz und ließ das heruntergekommene Schloß wiederherrichten. Der niederadeligen Familie gehörte auch die abgegangene Wasserburg Uerzell, die im heutigen gleichnamigen Stadtteil von Steinau an der Straße im Main-Kinzig-Kreis lag.

 

Die plastisch herausgearbeitete Ritterfigur zeigt den Verstorbenen in voller Rüstung. Nur den Helm hat er neben seinen linken Fuß gestellt. Die Rechte hat er am rechts getragenen Dolche, die Linke stützt das Schwert auf dem Boden auf. Zu Füßen der Figur befindet sich ein linksgewendeter Löwe. Die Figur ist ganz leicht S-förmig gebogen und etwas nach links aus der Frontalen herausgedreht. Die Inschrift läuft an den vier Seiten des rechteckigen Feldes um, nur unterbrochen von den vier Wappenschilden der Ahnenprobe, und lautet: A(nno) d(omini) 1539 (a)uf de(n) achte(n) tag nach Chr(i)sto(...) ist der (e)del u(nd) er(n)fest wolf behe(i)m maschal(l in) got(t) verschiden de(m) got(t) g(enad)."

Im Aufsatz über dem Hauptfeld ist das Vollwappen der von Mörle gen. Beheim zu sehen; es ist geteilt und halbgespalten von Rot, Silber und Schwarz (jeweilige Schraffuren vorhanden) und in der Mitte belegt mit einer rotbebutzten goldenen Rose, auf dem Helm mit rechts rot-silbernen und links schwarz-silbernen Decken ein Paar rot-silbern geteilter Büffelhörner (nach Wolfert, Tafel 60 Seite 49, 70).

 

In der Ahnenprobe wiederholt sich der Schild der von Mörle gen. Beheim heraldisch oben rechts wie beschrieben, nur ohne Andeutung einer Schraffur, für den Großvater väterlicherseits (Abb. links oben). Gegenüber befindet sich das Wappen für die Mutter und den Großvater mütterlicherseits; es handelt sich um die von Hutten, in Rot zwei goldene Schrägbalken (Abb. rechts oben). Zwischen den beiden Familien gab es neben dieser Heirat einen weiteren Zusammenhang: Die im Besitz der von Hutten befindliche Steckelburg wurde, als die vorhandenen Mittel zum Unterhalt nicht mehr ausreichten, zeitweise in eine Ganerbenburg umgewandelt. Die Ritter Mörle zu Uerzell traten im Jahr 1542 in die Ganerbengemeinschaft der Steckelburg ein, die insgesamt 32 Ritter als Teilhaber umfaßte. Jeder leistete nach dem Einkaufen seinen jährlichen Beitrag zum Unterhalt. Ende des 15. Jh. löste sich die Ganerbschaft auf, und 1495 machten die von Hutten wieder alleinige Besitzrechte geltend. Wolf von Mörle gen. Beheim war der Sohn von Walter von Mörle gen. Beheim (Böhm) und Margareta von Hutten. Ersterer war der Sohn von Walter von Mörle gen. Beheim (Böhm) und Margarethe von Fischborn; letztere war die Tochter von Ludwig von Hutten, Ritter und hanauischer Amtmann auf Stolzenburg (-1474).

 

Heraldisch rechts unten ist das Wappen für die Großmutter väterlicherseits; es ist das der von Fischborn, in Silber ein gekrümmter schwarzer Fisch (Wolfert Tafel 51 Seite 49, Abb. unten links). Die hier fehlende Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Fisch balkenweise vor einem grünen Baum. Gegenüber befindet sich das Wappen der von Trohe, in Schwarz ein dreiblättriges silbernes Kleeblatt (Wolfert Tafel 62 Seite 49, 143, ebenso im Westfälischen Wappenbuch, Abb. unten rechts). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Flug, beiderseits belegt mit drei dreipaßförmig zusammengestellten silbernen Blättern bzw. einem Kleeblatt ohne Stiel. Die von Trohe waren eine Ritterfamilie aus dem Busecker Tal und verwalteten dort als Ganerben Reichslehen. Die Zuordnung erfolgt nach Wolfert, und damit mittelbar nach Schäfer, und nach Hanna. Hier stimmen Epitaph und Stammtafel nicht ganz überein: Nach der Stammtafel der von Hutten hatte Ludwig von Hutten, Großvater mütterlicherseits des Verstorbenen, eine Anna von Fischborn geheiratet, sein Bruder Andreas von Hutten jedoch Margarethe von Trohe. So wird das auch bei Biedermann dargestellt, wobei diese Quelle alles andere als verläßlich ist.

Literatur, Links und Quellen:
Liste der Baudenkmäler in Aschaffenburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Aschaffenburg
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 49
Stiftskirche Aschaffenburg, Schnell-Kunstführer Nr. 230, 8. Auflage 2003, Verlag Schnell & Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4193-5
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von der Kath. Kirchenstiftung St. Peter und Alexander, 23.1.2007
Stiftspfarrei St. Peter und Alexander:
http://www.stiftsbasilika.de/
Stiftsbasilika:
http://www.stiftsbasilika.de/basilika/ - http://www.stiftsbasilika.de/basilika/kirchenraum
Pfarreiengemeinschaft St. Martin:
http://www.st-martin-aschaffenburg.de/index.html
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901-1903.
Georg Wilhelm Hanna: Die Ritteradligen von Hutten, ihre soziale Stellung in Kirche und Staat bis zum Ende des Alten Reiches, Dissertation, Bamberg 2006, online:
https://opus4.kobv.de/opus4-bamberg/files/96/Hutten.pdf
Biedermann: Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Baunach
http://books.google.de/books?id=ayZRAAAAcAAJ - https://books.google.de/books?id=_NBDAAAAcAAJ - Tafel 87-88

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