Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 377
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Stiftskirche St. Peter und Alexander: Casper von der Schulenburg

In der Stiftskirche St. Peter und Alexander befindet sich an der Nordseite des vierten südlichen Langhauspfeilers das aus rotem Sandstein gefertigte Epitaph des 1527 verstorbenen Casper (Kaspar) von der Schulenburg. Die Familie hat ihre Ursprünge in Brandenburg, später Brandenburg und Preußen, und hat auch Zweige in Niedersachsen. Die Familie stellte ursprünglich Burgmannen der landesherrlichen Burg Salzwedel. Sie sind Stammesgenossen der von Walstawe, mit denen sie noch im 14. Jh. gemeinsamen Besitz hatten. Nicht viel vor 1200 erwarben sie die Schulenburg bei Salzwedel. Es gibt zwei Hauptlinien, die schwarze und die weiße Linie. Sie hatten das Erbküchenmeisteramt inne. Diese Verwurzelung in nördlicheren Breiten und Versippung mit den in Brandenburg und Niedersachsen ansässigen Familien wird auch in der Ahnenprobe deutlich. Nach Aschaffenburg kam der Verstorbene im Gefolge des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg. Er bekam1524 im Erzstift Magdeburg ein Lehen, starb aber schon drei Jahre später.

 

Der Aufbau des Epitaphs ist klassisch mit Casper von der Schulenburg in voller Plattenrüstung und barhäuptig in einer Blendnische, die Hände vor der Brust zum Gebet gefaltet. Aus den Händen hängt ein Rosenkranz herab. Den federgeschmückten Helm hat er neben seinen rechten Fuß gelegt. Zu seinen Füßen kauert ein kleiner Löwe mit bleckender Zunge. Interessant ist die Architektur der Blendnische. Die Form als solche mit dem spitzbogigen Abschluß in flachem Relief ist eher traditionell, aber die Kandelabersäulen zu beiden Seiten, die Delphine über den Kapitellen und das Zierwerk in den oberen Zwickeln verweisen in die Renaissance. Die umlaufende, nur in den Ecken durch die Ahnenwappen unterbrochene Inschrift beginnt am unteren Rand und lautet: "AN(NO) DO(MI)N(I) MDXVII FREITAG VOR MARI(A)E LICHTMES(S) IST VORSCHEIDEN (= verschieden) DER E(H)RBAR VND VHEST CASPER VON DER SCHVLENBORGK M(EINES ?) G(NÄDIGEN ?) H(ERRN ?) VON MENCZ (= Mainz) ETC DIENER DEM GOT(T) GENAD".

Über dem Haupt des Verstorbenen ist ein großes Familienwappen der von der Schulenburg als Vollwappen mit kleineren Abweichungen im Vergleich zu der üblichen Abbildung dargestellt; es ist geviert: Feld 1 und 4: in Gold ein schreitender, von Silber und Rot quadrierter Ochse, dessen Kopf zwischen den Hörnern in anderen Darstellungen noch mit von Rot und Silber geteilten Fähnchen an roten Schäften besteckt ist, die hier aber fehlen, Feld 2 und 3:. in Silber 3 (2:1) rote Raubvogelfänge (sog. Greifenklauen). Normalerweise werden die Inhalte in umgekehrter Reihenfolge verwendet, was zudem auch korrekter wäre, denn die Greifenklauen sind das Stammwappen. Auf gekröntem Helm mit rot silbernen (auch: rechts rot-goldenen und links rot-silbernen, was hier dann entsprechend der vertauschten Felder auch ausgetauscht sein sollte) Decken ein wachsender, grün bekränzter wilder Mann (hier nur sein Kopf), oben mit drei roten Federn besteckt, die hier wie Stangen aussehen, normalerweise in jeder Hand einen roten Raubvogelfuß (sog. Greifenklaue) mit den Krallen nach oben haltend, hier vereinfacht der Kopf zwischen den Greifenklauen. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 26 Tafel: 30, bei Max von Spießen im Wappenbuch des Westfälischen Adels, bei Wolfert Tafel 53 Seite 48, 49, im Münchener Kalender 1915 und in der Niedersächsischen Wappenrolle 2-973.

Die Ahnenprobe besteht aus vier in den Ecken der rechteckigen Platte angebrachten und einwärts geneigten Wappenschilden. Heraldisch oben rechts wiederholt sich das Stammwappen der von der Schulenburg mit den drei Greifenklauen. Gegenüber ist das Wappen der von dem Berge, in Silber drei rote Zickzackbalken. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein Paar silberner, mit je drei roten Sparren belegter Büffelhörner. Das Wappen wird beschrieben bei Wolfert Tafel 8 Seite 49.

Im unteren Teil ist das Epitaph schlecht erhalten; Feuchtigkeit hat hier Inschrift und Wappenschilde abblättern lassen. Heraldisch rechts unten ist das Wappen der von Quitzow zu sehen, rot-silbern geteilt mit zwei sechsstrahligen Sternen in verwechselten Farben. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein roter laufender Fuchs zwischen zwei Pfauenstößen. Das Wappen wird so beschrieben bei Wolfert Tafel 29 Seite 49. Im Siebmacher Band: Me Seite: 17 Tafel: 15 und Band: Pr Seite: 311 Tafel: 365, ebenso im alten Siebmacher von 1605 wird hingegen eine Schrägteilung angegeben, dem das Relief hier nicht entspricht. Ob Rot oben ist oder Silber, variiert zudem je nach Quelle, so ist im alten Siebmacher von 1605 Silber oben, sonst Rot.

Heraldisch links unten schließlich ist das Wappen der von Oberg zu sehen, in Gold zwei schwarze Rauten nebeneinander. Für das Kleinod finden sich ganz unterschiedliche Angaben. Wolfert gibt auf Tafel 24 Seite 49 auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken einen mit zwei schwarzen Rauten nebeneinander belegten Pfauenstoß an. Im Münchner Kalender 1934 wird für die in Niedersachsen, Oberg, Peine, Rinteln, Oebisfelde beheimatete Familie auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken eine goldene, oben mit Pfauenfedern besteckte Säule, von zwei schwarzen Rauten beseitet, angegeben. Weitere Nachweise des Wappens finden sich im Siebmacher Band: Han Seite: 21 Tafel: 23 sowie im Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig von Dr. H. Grote. Vermutlich beruht die Darstellung bei Wolfert auf einer Wiedergabe, bei der die Rauten die Säule unter dem Pfauenstoß vollständig verdecken.

Wolfert gibt an, daß die Reihenfolge der Ahnenschilde nicht der genealogischen Logik folgt, die richtige Reihenfolge wäre Schulenburg - Oberg - Berge - Quitzow. Der Vater von Casper von der Schulenburg war der kurbrandenburgische Rat und Landeshauptmann der Altmark, Fritz IV. Graf von der Schulenburg. Dieser hatte vermutlich zweimal geheiratet, zunächst Kunigunde von Bartensleben und dann Anna von dem Berge, wobei die Genealogie hier nicht ganz geklärt und verifiziert ist. Kaspar wird nämlich bei Stoyan als Sohn der ersten Ehefrau aufgeführt, was der Ahnenprobe widerspricht. Die Großeltern väterlicherseits sind jedenfalls der Ritter Busso I. von der Schulenburg und Elisabeth von Oberg. Das bestätigt Wolferts Aussage dahingehend, daß heraldisch rechts unten in jedem Falle das Rautenwappen der von Oberg stehen müßte, nicht das Sternewappen. Diese vielen inhaltlichen Unstimmigkeiten auf der Platte haben wohl nicht zuletzt darin ihre Ursache, daß diese Familien für die Aschaffenburger Künstler Neuland waren. Ein genealogisches Anschlußstück ist der Grabstein des 1540 verstorbenen Fritz von dem Berge zu Lindhorst in der Mauritiuskirche in Hittfeld (links unterhalb der Kanzel), wo unter den vier Ahnenwappen die für die Familien von Quitzow (heraldisch oben rechts, mit Schrägteilung!), von dem Berge (heraldisch unten rechts) und von der Schulenburg (heraldisch unten links, dort mit korrekter Helmzier) vorkommen. Auch dort folgt die Anbringung der Einzelwappen nicht der genealogischen Logik.

Literatur, Links und Quellen:
Liste der Baudenkmäler in Aschaffenburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Aschaffenburg
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 48-49
Stiftskirche Aschaffenburg, Schnell-Kunstführer Nr. 230, 8. Auflage 2003, Verlag Schnell & Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4193-5
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von der Kath. Kirchenstiftung St. Peter und Alexander, 23.1.2007
Stiftspfarrei St. Peter und Alexander:
http://www.stiftsbasilika.de/
Stiftsbasilika:
http://www.stiftsbasilika.de/basilika/ - http://www.stiftsbasilika.de/basilika/kirchenraum
Pfarreiengemeinschaft St. Martin:
http://www.st-martin-aschaffenburg.de/index.html
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901-1903.
Otto Hupp, Münchener Kalender 1915 und 1934
Niedersächsische Wappenrolle Gesamtausgabe 1910-2012, ISBN 978-3-00-041404-6
https://de.wikipedia.org/wiki/Schulenburg_(Adelsgeschlecht)
https://de.wikipedia.org/wiki/Quitzow_(Adelsgeschlecht)
https://de.wikipedia.org/wiki/Oberg_(Adelsgeschlecht)
Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig von Dr. H. Grote
Schmidt: Geschichte des Geschlechts v .d. Schulenburg
D. W. v. d. Schulenburg: Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg, Wolfsburg, 1984
Otto Neubecker: Der Grabstein des Fritz von dem Berge zu Lindhorst, in: Lüneburger Blätter, Bd. 18, 1967, S. 55-70, insbes. S. 62
Fritz von dem Berge:
http://www.kirchengemeinde-hittfeld.de/chronik/mauritiuskirche.html

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