Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 367
Reutlingen - Reichsstadt

Lapidarium des Heimatmuseums in Reutlingen

Der Wappenstein, der heute ein unbeachtetes Dasein an einer Mauer im Garten des Heimatmuseums fristet, ist auf 1557 datiert. Beachtenswert sind an diesem Portalaufsatz die beiden expressiven Delphine (vgl. untere Abb.), die hier den volutenförmigen Übergang zu beiden Seiten vermitteln. Das heutige Heimatmuseum ist der ehemalige Pfleghof des Klosters Königsbronn (Kreis Heidenheim). Im Garten - Lapidarium und öffentlicher Park zugleich - werden schöne alte Gewände und Steine aufbewahrt.

Das Portal stammt von dem Zwiefaltener Klosterhof in Reutlingen, dessen Reste in den 70er Jahren des 20. Jh. einem Parkhaus weichen mußten. Nur das Portal wurde hierher gerettet. An der Mitra und der in Resten erhaltenen Krümme des Abtsstabes kann man erkennen, daß es sich um einen Abt handelt, nämlich den Abt Nikolaus Buchner vom Kloster Zwiefalten. Das Zwiefaltener Klosterwappen (Schrägbalken und Sterne) ist heraldisch rechts und gewendet, der wachsende Widder auf dem Dreiberg ist das persönliche Familienwappen des Abtes Nikolaus Buchner. Er resignierte zwar 1545, wurde aber 1556 wiedergewählt, so daß das Baujahr 1557 in seine zweite Amtszeit fällt.

Hier in der Gesamtansicht des oberen Portalteiles erkennt man auch das Steinmetzzeichen: Es ist das gleiche wie am Spital, das von Hans Motz (siehe auch seine Initialen HM) aus Schwäbisch Gmünd. Er war 1555-1577 in Reutlingen tätig. Er ist der führende Bildhauer der Renaissance in Reutlingen. Sein Meisterwerk, das 1562-1563 errichtete Rathaus ging leider beim Stadtbrand verloren und existiert nicht mehr.

Das Wappen des Zwiefaltener Klosters diente dem des Landkreis Reutlingen (einstiger Einflußbereich der Grafen von Achalm) als Vorbild: In Grün zwei goldene Schrägrechtsbalken, begleitet von 7 (2:3:2) goldenen Sternen. Die Grafen von Achalm sind zu früh ausgestorben, um am sich entwickelnden Wappenwesen teilzuhaben. Ihnen wurde aber posthum durch das Zwiefaltener Wappen eines zuteil, mit dem das Kloster die beiden letzten männlichen Angehörigen des Geschlechts, die Grafen Liutold von Achalm und Kuno von Wülflingen, die das Kloster Zwiefalten 1089 gegründet hatten, ehrte. Das beschriebene Wappen ist erstmals im "Stuttgarter Wappenbuch" aus dem 15. Jh. überliefert und steht seitdem für die Grafen von Achalm und für das Kloster Zwiefalten.

Literatur und Quellen:
Liebenswürdige und sehr kompetente Auskunft des Heimatmuseums Reutlingen (Frau Wanke) vom 1.2.2007
Allgemein: http://www.reutlingen.de
Sehenswürdigkeiten: http://www.stadtplan.stadt-reutlingen.de/start.html

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