Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 355
Meersburg - Kleinod am Bodensee und Residenz der Fürstbischöfe von Konstanz

Das Gredhaus in Meersburg

Das in der Unterstadt gelegene Meersburger Gredhaus (Seepromenade 16) wurde 1505-1509 erbaut. Es war ein zentraler, direkt am Seeufer gelegener städtischer Stapel- und Lagerplatz für Handelswaren aller Art, besonders für Korn und Wein, womit ein reger Handelsaustausch mit der Schweiz bestand. Von den treppenförmigen Gerüsten (Stufe, lat. gradus), auf denen die Auslagen präsentiert wurden, leitet sich der Name Gred oder Gredhaus ab. Den Vorgängerbau hatte Bischof Hugo von Hohenlandenberg im Jahre 1498 an die Stadt verkauft unter der Bedingung, es als Kaufhaus zu nutzen. Bald war ein Neubau notwendig. Die Nähe zu den Schiffsanlegestellen war von Bedeutung, insbesondere weil der Kornhandel mit der Schweiz bis ins späte 18. Jh. bedeutsam war. Im 19. Jh. war das Haus das Meersburger Zollhaus. 1899 wurde das Gredhaus modernisiert und bekam seine lagerhausuntypisch großen Fenster. Heute haben in dem Haus die Bodensee-Schiffsbetriebe ihren Sitz.

An der Ostseite ist das Wappen des Konstanzer Fürstbischofs Hugo von Hohenlandenberg (lebte 1460-1532, reg. 1496-1529, 1531-1532) angebracht. Er studierte ab 1470 in Basel, 1487-88 in Erfurt. Er hatte etliche Pfründen, darunter ein Kanonikat, Kanonikate in Konstanz, in Friesach in Kärnten, in Chur und in Basel, dazu Propsteien in Trient und in Erfurt. Am 17.10.1496 wurde er zum Konstanzer Bischof gewählt als Nachfolger von Thomas Berlower. Am 18.12.1496 erhielt er die Bischofsweihe. Die Regalien bekam er 1497. Er war derjenige, der 1526 restlos die "Nase voll hatte" von den aufsässigen und reformatorischen Konstanzer Bürgern und aus der Stadt Konstanz auszog und seinen ständigen Sitz in das gegenüberliegende Meersburg verlegte, um seine Ruhe vor den Bürgern zu haben. Schon seit 1506 hatte er sich zunehmend hier aufgehalten. Konfliktherde waren die Verteilung von weltlicher Macht und Gerichtsbarkeit zwischen Bistum und Rat der Konstanzer Bürger. Ein weiterer Konfliktherd waren die Bemühungen um Eingliederung der Reichenau, der sich die Bürger widersetzten. Es schwelte also schon jahrelang zwischen den beiden Antipoden innerhalb von Konstanz. Aber der akute Anlaß war folgender: 1526 forderte der Rat der Stadt Konstanz die Teilnahme des Klerus an den Arbeiten zur Befestigung der Stadt. Nicht so sehr wegen der durchaus geteilt zu beurteilenden körperlichen Fähigkeiten der Geistlichkeit, sondern als Symbol ihrer Unterwerfung und Einbürgerung. Das war denn doch des Guten zu viel, und dem Bischof folgten viele Kleriker nach Meersburg, um sich ihren Pflichten gegenüber der Stadt Konstanz zu entziehen. Hugo von Hohenlandenberg baute die Burg Meersburg zur permanenten Bischofsresidenz aus. Konstanz gab sich nach gescheiterten Verhandlungen der Reformation und dem Bildersturm hin. Das Verhältnis zu den Habsburgern war ambivalent, einerseits unterstützten sie ihn gegen Konstanz, andererseits war der Preis dafür, daß er 1527 den Reichsvizekanzler Balthasar Merklin als Koadjutor mit Recht auf die Amtsnachfolge zur Seite gestellt bekam, quasi ein habsburgischer Wachhund. Hugo von Hohenlandenberg trat am 5.1.1529 als Bischof offiziell zurück, bestieg aber am 13.11.1531 wieder den bischöflichen Stuhl, nachdem Balthasar Merklin am 28.5.1531 verstorben war, und führte die Amtsgeschäfte noch bis zu seinem Ende. Er starb am 7.1.1532.

Der Bauherr stammte aus einer ritteradligen, ursprünglich ostschweizerischen Familie, die ihre Wurzeln im Zürcher Tösstal hat. Durch geschickte Verheiratung ihrer Mitglieder und durch Erträge aus Ämtern und aus habsburgischen Pfändern baute sich die Familie ein Herrschaftsgebiet im Zürcher Oberland auf, das durch den zunächst pfandweisen Erwerb der Herrschaft Greifensee von den Grafen von Habsburg-Rapperswil im Jahr 1300 einen wirtschaftlich wichtigen Zuwachs erhielt. In diese Zeit fällt die Spaltung der Familie in vier Zweige, den der von Landenberg-Greifensee (Hauptzweig, 1369 Verkauf der Herrschaft wegen wirtschaftlicher Engpässe), den der Breitenlandenberg (Burg in der Gem. Turbenthal), den der Hohenlandenberg (Burg in der Gem. Wila) und zeitweise den von Alt-Landenberg (Burg in der Gem. Bauma, St. Gallener Lehen, Linie 1315 erloschen). Nach 1400 verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie bzw. ihrer Besitzungen vom Zürcher Oberland in den heutigen Kanton Thurgau und an den Bodensee, aber auch ins Elsaß und nach Südbaden. Der Zweig Hohenlandenberg, dem der Konstanzer Fürstbischof und Bauherr der Gredhauses entstammte, erwarb und bezog u. a. die Burg Wellenberg (Gem. Felben-Wellhausen), die Neuburg (Gem. Mammern) am Bodensee. Die Eltern des Fürstbischofs waren Hans Jakob von Hohenlandenberg und der Barbara von Hegi, und auf Schloß Hegi wurde er geboren. Der Zweig Landenberg-Greifensee bezog Burg Sonnenberg (Gem. Stettfurt) und Herblingen. Der Zweig Breitenlandenberg besaß die Herrschaften Güttingen und Hagenwil, Schloß und Herrschaft Altenklingen bei Wigoltingen sowie die Schlösser Hardt und Salenstein am Untersee. Aktuell gibt es noch zwei Linien, eine in Südbaden und eine an der Mosel.

Die Datierung des Steines lautet 1505, auch wenn sie sich primär "I II O II" liest, aber ihren Sinn ergibt, wenn man die beiden eng nebeneinanderstehenden senkrechten Striche jeweils als Teile der römischen Ziffer "V" erkennt. Das Wappen des Fürstbischofs optisch links enthält noch nicht Reichenau und Öhningen. Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: Hochstift Konstanz, in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, Feld 2: in Rot drei silberne Ringe, 2:1 gestellt, Stammwappen der Freiherren von Landenberg, Feld 3: golden-schwarz geviert. Sein Wappenschild ist zusammengestellt mit dem Wappen der Stadt Meersburg: In Gold auf einem blauen Wellenschildfuß eine rote Burg mit hohem, schlanken, vierzinnigen Mittelturm und offenem Tor. Die alten Stadtsiegel und Sekrete von 1303, 1328 und 1647 zeigen übereinstimmend schon das einmalige und charakteristische Burgbild. Beide Wappen werden hier unter der Bischofsmitra vereinigt. Der Krummstab ist leicht schräg hinter den fürstbischöflichen Schild gestellt. Das Wappen befindet sich nicht am ursprünglichen Ort, sondern es befand sich erst im Hinterhof, wanderte aber beim Umbau im Jahr 1899 an die Außenfront zum 1850 erweiterten und ausgebauten Hafen hin.

Zur Übersicht: Die Bischöfe von Konstanz
Burkhard II. von Randegg (1462-1466)
Hermann III. von Breitenlandenberg (1466-1474)
Ludwig von Freiberg (1474-1481, Bistumsstreit, Kandidat des Papstes)
Otto IV. von Sonnenberg (1474-1491, Bistumsstreit, Kandidat des Domkapitels und des Kaisers)
Thomas Berlower (1491-1496)
Hugo von Hohenlandenberg (1496-1532, 1526 Auszug aus Konstanz, Verlegung der Residenz nach Meersburg, Rücktritt 1529)
Johann von Lupfen (1532-1537)
Johann von Weeze (1537-1548)
Christoph Metzler (1549-1561)
Mark Sittich von Hohenems (1561-1589)
Andreas von Österreich (1589-1600)
Jakob Fugger (1604-1626)
Sixt Werner von Praßberg und Altensummerau (1626-ca. 1628)
Johann Constanz Graf von Waldburg-Wolfegg (1628-1644)
Johann Franz I. von Praßberg und Altensummerau (1645-1689)
Marquard Rudolf von Rodt (1689-1704)
Johann Franz II. Schenk von Stauffenberg (geb. 1658, reg. 1704-1740, Baubeginn des Meersburger Neuen Schlosses, auch Fürstbischof von Augsburg)
Hugo Damian von Schönborn (1740-1743, auch Fürstbischof von Speyer, Fortführung des Baues des Meersburger Neuen Schlosses)
Kasimir Anton von Sickingen (1743-1750, Fortführung des Baues des Meersburger Neuen Schlosses)
Kardinal Franz Konrad von Rodt (1750-1775, Vollender des Meersburger Neuen Schlosses)
Maximilian Christof von Rodt (1775-1799)
Karl Theodor von Dalberg (1799-1817, weitere Bischofsthrone in Worms, Regensburg und Mainz, Fürst von Aschaffenburg, Großherzog von Frankfurt)
Ignaz Heinrich von Wessenberg (Sonderstellung: 1817 Bistumsverweser bis zur Auflösung des Bistums 1821, nicht Bischof)

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbes. Band Bistümer
Peter Niederhäuser: Schloß und Gredhaus Meersburg, in: Peter Niederhäuser (Hg.): Ein feiner Fürst in einer rauhen Zeit - der Konstanzer Bischof Hugo von Hohenlandenberg, 2011,  200 S., 115 Abb., ISBN 978-3-0340-1081-8
Veronika Feller-Vest: Artikel "Hugo von Hohenlandenberg" im Historischen Lexikon der Schweiz:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D12703.php
Martin Leonhard: Artikel "von Landenberg" im Historischen Lexikon der Schweiz:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D20289.php
Gredhaus:
https://mobil.meersburg.de/de/Tourismus/Sehenswertes/Ausflugsziel?view=publish&item=tripDestination&id=32
Hugo von Hohenlandenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_von_Hohenlandenberg
Hugo von Hohenlandenberg:
https://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/bodensee/staedte/meersburg/hugo_landenberg.htm

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