Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 350
Insel Reichenau (Bodensee)

Wappen im Innenhof des Klosters Mittelzell

Das Wappen des Fürstbischofs Jakob Fugger (1604-1626) enthält folgende Komponenten:

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Oberwappen:

Wegen der Fülle der Wappenbilder ist der Herzschild mit dem eigentlich wichtigsten Wappen, dem des Hochstiftes, winzig geraten. Zwei weitere Elemente finden sich regelmäßig in Wappen der Konstanzer Fürstbischöfe:

Reichsabtei Reichenau: Gründung 724. Ab 1540 war die Reichenau Priorat des Bistums Konstanz, als der Abt der gefürsteten Reichsabtei zu Gunsten des Konstanzer Bischofs auf die Abtswürde verzichtete. Aufhebung 1803. Wappensymbol: In Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, also genau das selbe Zeichen wie das Fürstbistum Konstanz, aber rangmäßig unter diesem, und entsprechend ist auch die Zuordnung in den zusammengesetzten Wappen zu treffen.

Augustiner-Chorherrenstift Öhningen: zwei aus Wolken hervorkommende natürliche Hände, einen aufwärts gerichteten silbernen Schlüssel mit beidseitigem Bart emporhaltend. Verschiedene Farbfassungen sind zu finden. Das Augustiner-Chorherren-Stift Öhningen ist 1166 erstmals faßbar (die "Gründungsurkunde" von 965 gilt als Fälschung), die heutigen Gebäude wurden 1604-1626 errichtet, Auflösung 1803 (kam an Baden). Unter Bischof Johann von Lupfen (1532-1537) wurde das Stift wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten inkorporiert (1534 päpstliche Zustimmung, 1536 kaiserliche Billigung). Dadurch fungierte der amtierende Konstanzer Bischof direkt als Propst. Lupfens Nachfolger Johann von Weeze führt schon das neue Wappen mit der eingebogenen Spitze mit den Symbolen für die Propstei Öhningen. Es steht rangmäßig unter dem Symbol des Hochstiftes und dem der Reichenau, und entsprechend ist das Symbol auf dem geringwertigsten Platz in der eingepfropften Spitze zu finden.

Zum Wappen der Fugger von der Lilie: Das ursprüngliche Stammwappen der schwäbischen Kaufmannsfamilie von Fugger ist ein gold-blau gespaltener Schild, vorne und hinten belegt mit einer Lilie in verwechselten Farben. Dieses Stammwappen taucht hier sowohl in der linken Spalthälfte von Feld 1 und in der rechten Spalthälfte von Feld 4 auf. Die Helmzier - hier auf der optisch linken Seite vollständig abgebrochen - wäre eine blau-golden gespaltene Lilie zwischen einem goldenen und einem blauen Büffelhorn, Helmdecken blau-golden. Die Fugger erhielten am 9.6.1473 ihr Lilienwappen dafür, daß sie Kaiser Friedrich III. von Habsburg und dessen Sohn Maximilian I. in Augsburg ihren äußerst gehobenen Lebensstil finanzierten und für Heiratsverhandlungen in Trier ausstatteten. Anfang des 16. Jh. erfolgte die Erhebung der Fugger in den Grafenstand als kaiserliches Entgegenkommen für weitere Finanzierungen. Feld 2 (in Silber eine schwarzgewandete Mohrenjungfrau mit Mitra in der ausgestreckten Rechten) und 3 (in Rot 3 silberne Jagdhörner mit goldenen Beschlägen übereinander) enthalten weitere Komponenten des vermehrten Fugger-Wappens. Dazu gehörte eine zweite Helmzier, die Mohrenjungfrau wachsend, Helmdecken schwarz-silbern, hier optisch rechts im Bild zu rekonstruieren. Die Mohrenjungfrau gehörte zum Besitz Kirchberg, der im 16. Jh. erworben wurde. Die drei Hörner stehen für den Besitz Weißenhorn, ebenfalls zur Absicherung des Familienvermögens durch Grundbesitz im 16. Jh. erworben. Weitere Besitzungen der Familie Fugger waren die Schlösser in Oberndorf, Niederalfingen und Duttenstein, ferner der Herrschaftssitz Gablingen, Schloß und Ort Glött bei Dillingen und Babenhausen.

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Burkhard II. von Randegg (1462-1466)
Hermann III. von Breitenlandenberg (1466-1474)
Ludwig von Freiberg (1474-1481, Bistumsstreit, Kandidat des Papstes)
Otto IV. von Sonnenberg (1474-1491, Bistumsstreit, Kandidat des Domkapitels und des Kaisers)
Thomas Berlower (1491-1496)
Hugo von Hohenlandenberg (1496-1532, 1526 Auszug aus Konstanz, Verlegung der Residenz nach Meersburg, Rücktritt 1529)
Johann von Lupfen (1532-1537)
Johann von Weeze (1537-1548)
Christoph Metzler (1549-1561)
Mark Sittich von Hohenems (1561-1589)
Andreas von Österreich (1589-1600)
Jakob Fugger (1604-1626)
Sixt Werner von Praßberg und Altensummerau (1626-ca. 1628)
Johann Constanz Graf von Waldburg-Wolfegg (1628-1644)
Johann Franz I. von Praßberg und Altensummerau (1645-1689)
Marquard Rudolf von Rodt (1689-1704)
Johann Franz II. von Stauffenberg (geb. 1658, reg. 1704-1740, Baubeginn des Meersburger Neuen Schlosses, auch Fürstbischof von Augsburg)
Hugo Damian von Schönborn (1740-1743, auch Fürstbischof von Speyer, Fortführung des Baues des Meersburger Neuen Schlosses)
Kasimir Anton von Sickingen (1743-1750, Fortführung des Baues des Meersburger Neuen Schlosses)
Kardinal Franz Konrad von Rodt (1750-1775, Vollender des Meersburger Neuen Schlosses)
Maximilian Christof von Rodt (1775-1800)
Karl Theodor von Dalberg (1800-1817, weitere Bischofsthrone in Worms, Regensburg und Mainz, Fürst von Aschaffenburg, Großherzog von Frankfurt)
Ignaz Heinrich von Wessenberg (Sonderstellung: 1817 Bistumsverweser bis zur Auflösung des Bistums 1821, nicht Bischof)

Literatur:
Götz von Pölnitz: Die Fugger, 6. Auflage 1999
Günter Ogger, Kauf Dir einen Kaiser. Die Geschichte der Fugger, München 1995
Karl-Heinz Dobsky: Die Fugger. Ein Kaufmannsgeschlecht im Zeichen der Macht. Thales Verlag 1991
Die Fugger, Karfunkel Nr. 68, Feb.-März 2007, S.6-15, Karfunkel-Verlag Wald-Michelbach.

Die Wappen der Fürstbischöfe und Bischöfe von Konstanz

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