Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 331
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Ehemalige Hofschneiderei

Die ehemalige kurfürstliche Hofschneiderei (Webergasse 3) befindet sich am westlichen Rand der Altstadt hoch über der Suicardusstraße und dem Mainufer, in der Webergasse unweit der Einmündung der Pfarrgasse, von massiven Umfassungsmauern umgeben. Das Haupthaus ist ein in West-Ost-Richtung stehender, zweigeschossiger Massivbau aus der Renaissance mit zwei Volutengiebeln an den beiden Schmalseiten. Dieses Haupthaus wurde im Jahr 1592 unter dem Mainzer Fürstbischof Wolfgang von Dalberg errichtet. Der Name "kurfürstliche Schneiderei" ist seit 1606 belegt. Alternative, später entstandene Namen für das Gebäude sind "ehemaliges Vizedomamt" und "ehemals mainzische Oberkellerei", ersterer, weil hier 1730-1766 der Vizedomamts-Direktor Franz Joseph Will wohnte, letzterer, weil hier 1730-1766 der Keller im Bachgau wohnte. In der Mitte des 17. Jh. wurde am westlichen Ende des Renaissancebaus ein nach Norden gerichteter, ebenfalls zweigeschossiger Anbau als Seitenflügel errichtet, mit einem kurzen Vorbau, der wieder zur Webergasse hin gerichtet ist. Nach dem Ende des geistlichen Kurfürstentums kam das Anwesen an das Fürstentum Aschaffenburg bzw. an das Großherzogtum Frankfurt, 1814 schließlich an das Königreich Bayern, welches das ihm zugefallene Gebäude ab 1817 als Sitz der Postverwaltung und ab 1854 als Sitz des Forstamtes nutzte, daher auch der Name "Altes Forstamt". Ab 1970 saß hier die Grunderwerbsteuerstelle des Finanzamtes. Im Jahr 2001 verkaufte der Freistaat das Anwesen an die Stadt Aschaffenburg, die es an einen privaten Unternehmer verkaufte.

Der auf das Jahr 1592 datierte Wappenstein des Mainzer Fürstbischofs Wolfgang von Dalberg (regierte 1582-1601) ist über dem steinumrahmten Eingangsportal angebracht. Sein Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, achtspeichiges Rad, Erzstift Mainz, Feld 2 und 3: unter einem mit drei Spitzen abgeteilten, goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien, Stammwappen der Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg. Dazu werden drei Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf einem roten Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde, Helm 2 (rechts): auf einem roten, hermelingestulpten Hut (Kurhut) ein aufrecht stehendes, silbernes, achtspeichiges Rad, Helmdecken rot-silbern, Erzstift Mainz, Helm 3 (links): auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken ein Flug, dessen goldener oberer Teil mit drei Spitzen abgeteilt ist, und der ansonsten in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien zeigt, Stammkleinod der Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg. Ein Vortragekreuz steht senkrecht hinter dem mittleren Helm; das gestürzte Schwert und der Krummstab hinter dem Schild schräggekreuzt.

Literatur, Links und Quellen:
Liste der Baudenkmäler in Aschaffenburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Aschaffenburg
Kurfürstliche Schneiderei:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurfürstliche_Schneiderei
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Alois Grimm: Aschaffenburger Häuserbuch, Band II: Altstadt zwischen Dalbergstraße und Schloß, hrsg. vom Geschichts- und Kunstverein e.V., Aschaffenburg 1991, ISBN 3-87965-053-5
Wolfgang von Dalberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_von_Dalberg
Ludwig Lenhart: Wolfgang von Dalberg, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 490 - online:
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016319/images/index.html?seite=504
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 101

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