Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 32
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Dom zu Würzburg, Julius Echter von Mespelbrunn, Epitaph

Das Epitaph für den Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (lebte 18.3.1545-13.9.1617, amtierte 4.12.1573-1617), einen der größten Bauherren Unterfrankens, dessen Wappen uns in der Region auf Schritt und Tritt begleitet, finden wir im Würzburger Kiliansdom an einem der nördlichen Hauptschiffspfeiler. Es steht links neben dem seines Nachfolgers Aschhausen. Die bärtige Bischofsfigur aus rotem Marmor hebt sich von einer oben muschelförmig abgeschlossenen Nische aus weißem Marmor effektvoll ab. Die Nische wird von je einer Spalte mit je vier Ahnenwappen begleitet und außen von einer Säule gerahmt. Die Inschrift ist im Sockelbereich zu finden.

 

Im gesprengten Segmentbogengiebel, auf dessen Seitenteilen zwei Engel ruhen, befindet sich das fürstbischöfliche Amtswappen. Der Schild ist geviert:

Zum Wappen gehören drei Helme:

Zum Verständnis der Ahnenprobe, die in zwei Spalten rechts und links der zentralen Figur acht Vollwappen in hoher darstellerischer Qualität für die acht adeligen Urgroßeltern des Fürstbischofs präsentiert, werden hier die Mitglieder der verschiedenen Generationen aufgelistet:

Eltern (vermählt 1542 in Hanau):

Großeltern:

Urgroßeltern:

 

Das Wappen heraldisch ganz rechts oben (Abb. oben links) gehört zu den Echter von Mespelbrunn, in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Helmzier zwei wie der Schild bez. Büffelhörner, Helmdecken blau-silbern. Durch dieses Wappen werden der Vater des Probanden, Peter Echter von Mespelbrunn (1520-21.1.1576), Amtmann zu Prozelten, kurmainzischer Geheimer Rat, Reichstagsgesandter, der Großvater väterlicherseits, Philipp Echter von Mespelbrunn jun. (-28.8.1535), und wiederum dessen Vater, Peter Echter von Mespelbrunn (-1511) und wiederum dessen Vater, Hammann Echter von Mespelbrunn, repräsentiert. Das Wappen heraldisch ganz links oben (Abb. oben rechts) gehört zu den von Adelsheim, in Silber ein silbern-schwarz geteiltes, gewundenes Widderhorn (Steinbockshorn). Helmzier ein schwarz oder silbern-schwarz geteilt gewandeter Frauenrumpf mit goldenem abstehenden Haarzopf und goldener Krone zwischen zwei silbern-schwarz geteilten wie im Schild bez. Hörnern. Helmdecken schwarz-silbern. Durch dieses Wappen werden die Mutter des Probanden, Gertrud (Gertraud) von Adelsheim (1525-1583), sowie der Großvater mütterlicherseits, Johann (Hans) von Adelsheim (1487-1551), und wiederum dessen Vater, Wendel von Adelsheim (-1518), kurpfälzischer Rat, Statthalter zu Heidelberg, repräsentiert.

 

Das Wappen heraldisch rechts in der oberen Mitte (Abb. oben links) gehört zu den von Habern, in Silber zwei aufrechte, voneinander abgekehrte rote Äxte, Helmzier desgleichen, Helmdecken rot-silbern. Durch dieses Wappen werden die Großmutter väterlicherseits, Cordula von Habern (1487-23.2.1523), und deren Vater, Johann von Habern, repräsentiert. Das Wappen heraldisch links in der oberen Mitte (Abb. oben rechts) gehört zu den Rüdt von Collenberg, in Rot Kopf und Hals eines silbernen Rüden mit Stachelhalsband, Helmzier ein wachsender wie der Schild bez. Rüdenrumpf, Helmdecken silbern-rot. Durch dieses Wappen werden die Großmutter mütterlicherseits, Margarethe (Margaretha) Rüdt von Collenberg (-1560), sowie deren Vater, Thomas Rüdt von Collenberg, kurmainzischer Kämmerer und Hofmeister, dargestellt.

 

Das Wappen heraldisch rechts in der unteren Mitte (Abb. oben links) gehört zu den von Thüngen, in Silber ein goldener Balken, darin drei nach rechts ausgebogene rote Pfähle, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender Männerrumpf, rot gewandet, auf dem bärtigen Haupte ein roter Spitzhut mit silbernem Aufschlag, an dessen Spitze ein Hahnenfederbusch steckt. Hier steht das Wappen für die Urgroßmutter Margaretha von Thüngen, Tochter von Willibald von Thüngen und Cunigunde von Schwaigern, Ehefrau des Urgroßvaters in direkter Stammlinie, Peter Echter von Mespelbrunn (-1511). Das Wappen heraldisch links in der unteren Mitte (Abb. oben rechts) gehört zu den von Schrotzberg, in Silber über einem roten Sparren eine quergelegte rote Schafschurschere, Helmzier eine rot gewandete, gekrönte wachsende Jungfrau (in der Lit. auch als Jüngling beschrieben) mit langen Haaren, in jeder der erhobenen Hände eine Schafschurschere haltend, Helmdecken rot-silbern. Hier ist die Helmzier etwas beschädigt, deshalb sind nicht alle in der Lit. beschriebenen Details vorhanden. Hier steht das Wappen für die Urgroßmutter Amalia von Schrotzberg (-1503), Tochter von Eberhard von Schrotzberg und Anna von Adelsheim. Sie war die erste Ehefrau (Heirat 1485) des Wendel von Adelsheim (-1518), und ist somit von den beiden Urgroßmüttern mütterlicherseits am nächsten am mütterlichen Namensstamm dran. Wendel von Adelsheim hatte nach ihrem Tod übrigens noch einmal geheiratet, diesmal Ursula von Rechberg zu Hohenrechberg.

 

Jetzt kommen zuletzt die beiden Urgroßmütter, die am weitesten von den jeweiligen Namensstämmen entfernt sind, zuerst die väterlicherseits, zuletzt die mütterlicherseits. Das Wappen heraldisch ganz rechts unten (Abb. oben links) gehört zu den Frauenberg zum Hag (Haag), in Rot ein springendes silbernes Roß mit Zaumzeug und Zügeln, hier aus Courtoisie einwärts gewendet. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken das Schildbild wachsend. Das Wappen steht für die Urgroßmutter des Fürstbischofs, Maria von Frauenberg. Sie war die Ehefrau des Johann von Habern. Das Wappen heraldisch ganz rechts unten (Abb. oben rechts) gehört zu den Horneck von Hornberg, in Gold über einem roten Dreiberg im Schildfuß ein rotes Hifthorn mit silbernen Beschlägen, Helmzier zwei silbern-schwarz gevierte Büffelhörner, Helmdecken schwarz-silbern. Das Wappen steht für die in der Reihenfolge und Logik der Ahnenprobe genealogisch niederrangigste Urgroßmutter des Fürstbischofs, Margaretha Horneckin von Hornberg. Sie war die Ehefrau von Thomas Rüdt von Collenberg.

Übrigens begegnen uns genau die gleichen acht Wappen, allerdings nicht als Vollwappen, sondern nur als Schilde, über dem Eingang des von des Fürstbischofs Eltern erbauten Schlosses Mespelbrunn. Ein weiteres Mal begegnen uns die acht Schilde an einer Wappendarstellung auf der Festung Marienberg in Würzburg.

Dom, Julius Echter von Mespelbrunn, Messingbeschlag der Grabplatte

Der Messing-Beschlag, der einst die eigentliche Grabplatte zierte, wurde an die Wand eines Seitenschiffs übertragen. Die zentrale Bischofsfigur hat vor sich das Amtswappen. Die Inschrift lautet: "ANNO DOMINI MDCXVII DIE XIII SEPTEMB(RIS) OBIIT REVERENDISSIMVS IN CHRISTO PATER AC DOMINVS D(OMI)N(V)S IVLIVS ECHTER DE MESPELBRVN EP(ISCOPV)S WIRCEBVRGENSIS ET FRANCIAE ORIENT(ALIS) DVX CVIVS ANIMA DEO VIVAT AMEN" - Im Jahre des Herrn 1617 am 13. Tag des Septembers ist in Gott verschieden der hochehrwürdige Vater und Herr Julius Echter von Mespelbrunn, Bischof von Würzburg und Herzog von Ostfranken, dessen Seele in Gott leben möge, Amen.

 

Die vier Ecken enthalten runde Medaillons mit den Wappenschilden einer 4er-Ahnenprobe. Von den oben vorgestellten Familien sind hier die Echter von Mespelbrunn, die von Adelsheim, die von Habern und die Rüdt von Collenberg vertreten.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:

Johann I. von Egloffstein 1400-1411
Johann II. von Brunn 1411-1440
Sigismund von Sachsen 1440-1443
Gottfried IV. Schenk von Limpurg 1443-1455
Johann III. von Grumbach 1455-1466
Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach 1673-1675

Literatur, Links und Quellen:
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/
Bistum Würzburg bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_W%C3%BCrzburg
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Der Dom zu Würzburg, Schnell Kunstführer Nr. 232, 11. Auflage 1997, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, ISBN 3-7954-4194-3.
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariates, Presse- und Informationsstelle, Domerschulstraße 2, 97070 Würzburg, vom 24.01.2007.
Alfred Wendehorst, das Bistum Würzburg: Teil 3, die Bischofsreihe von 1455 -1617. Reihe Germania sacra. 1978. ISBN 3-11-007475-3, online: http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0003-16E3-3 bzw. als pdf: http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0003-16E...617.pdf?sequence=1
Julius Echter von Mespelbrunn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Echter_von_Mespelbrunn
Franz Xaver von Wegele,  Julius (Bischof von Würzburg), in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 671-684. Online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Julius_%28Bischof_von_W%C3%BCrzburg%29
Götz Freiherr von Pölnitz, Julius Echter von Mespelbrunn, in: Neue Deutsche Biographie, Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 655 f. Online:
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz37980.html
Genealogie Echter von Mespelbrunn: Biedermann, Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
Genealogie von Adelsheim, Biedermann, Geschlechts-Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken Löblichen Orts Ottenwald (Odenwald)
http://books.google.de/books?id=g9JDAAAAcAAJ
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Beschreibung dieses Epitaphs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 537-540

Dom, Konrad von Thüngen - Dom, Konrad von Bibra - Dom, Melchior Zobel von Giebelstadt - Dom, Friedrich von Wirsberg - Dom, Joh. Gottfr. von Aschhausen - Dom, Philipp Adolf von Ehrenberg - Dom, Christoph Franz von Hutten - Dom, Franz Ludwig von Erthal - Dom, Karl Georg von Fechenbach

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
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