Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 318
Mainz - Erzbischöfe, Kurfürsten, Adelspaläste

Das Schloß in Mainz - Teil (8)
Heraldischer Bauschmuck des Anselm Franz von Ingelheim (1679-1695)

Von Anselm Franz von Ingelheim gibt es am kurfürstlichen Schloß kein einziges vollständiges Amtswappen, nur kleine Kartuschen. Alle kommen im Sockelbereich des Nordflügels vor, sowohl hofseitig als auch am westlichen Kopfende als auch an der Nordseite; nur der östliche Abschluß zum Rhein hin weist kein Wappen von ihm auf. Er legte die Fundamente für diesen Flügel, kam aber nicht mehr zum Weiterbauen. Doch so wurde garantiert, daß sich auch der unter seinen Nachfolgern vollendete Erweiterungsbau des kurfürstlichen Schlosses an das von den bestehenden Bauten vorgegebene Gestaltungsschema hält.

Abb.: Markierung des Vorkommens der Wappenkartusche des Fürstbischofs Anselm Franz von Ingelheim an der hofseitigen (südlichen) Fassade des Nordflügels.

 

Beide Abb. oben: Sockel des Nordflügels, hofseitig. Das einer Kartusche aufgelegte Ingelheim-Wappen zeigt in Schwarz ein rot-golden geschachtes Kreuz. Eigentlich ist das Kreuz generell durchgehend, nicht schwebend; letzterer Eindruck ist hier künstlerisch bedingt. Die Helmzier wäre ein wie der Schild bezeichneter offener Flug. Die Helmdecken wären schwarz-golden/schwarz-rot. Aber das entfällt hier bei der eher ornamentalen Verwendung. Die vier nachfolgenden Abbildungen stammen alle von der Nordseite des Nordflügels. Die Dreierkombinationen, außen zweimal das Wappen Ingelheim, in der Mitte das Mainzer Rad, gehören zu den großen Gliederungspilastern.

 

Die von Ingelheim sind ein uraltes Adelsgeschlecht aus der Rheinpfalz. Sie waren Erbkämmerer von Nassau. Die erste Erwähnung ist 1140, aber die eigentliche Stammreihe kann ab 1192 (Johann von Ingelheim) nachvollzogen werden. Es gab zwei Linien, die eine, die Beusser von Ingelheim, starb 1580 aus. Die andere Linie wurde bedeutsam für Franken. Erst nach der Reformation kam die Familie nach Franken, faßte durch die Heirat mit der Erbtochter der von Echter zu Mespelbrunn Fuß im Maingebiet, stellte dann aber zwischen 1623 und 1784 neun Domherren am St. Kilians-Dom zu Würzburg und einen Fürstbischof.

Anselm Franz von Ingelheim (16.9.1634-30.3.1695) war der Sohn von Georg Hans von Ingelheim und Anna Elisabeth Sturmfeder von Oppenweiler. Er darf nicht mit dem namensgleichen Würzburger Fürstbischof verwechselt werden - dieser andere Anselm Franz von Ingelheim (12.11.1683-9.2.1749) war der Sohn von Franz Adolph Dietrich Graf von Ingelheim gen. Echter von und zu Mespelbrunn (25.12.1659-15.9.1742) und Maria Ursula Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (-30.1.1730). Die Verwandtschaft der gleichnamigen Fürstbischöfe ist sehr weit - Der Urgroßvater des Mainzer Anselm Franz von Ingelheim ist der Urururgroßvater des Würzburger Anselm Franz von Ingelheim.

Mit kaiserlicher Erlaubnis durften die von Ingelheim sich ab 1698 - also nach unserem Mainzer Fürstbischof - namentlich und wappenmäßig mit den Echter von Mespelbrunn, deren Erbtochter in die Familie Ingelheim eingeheiratet hatte, vereinen. Der zukünftige Name der Familie lautete "Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn". Unter diesem Namen besteht die Familie noch heute. 1703 erfolgte die Erhebung in den Freiherrenstand, 1737 die in den Reichsgrafenstand (mit Franz Adolf Dietrich von Ingelheim). Bedeutende Vertreter der Familie sind der hier erwähnte Anselm Franz von Ingelheim, Erzbischof von Mainz 1679-1695, sowie der gleichnamige, aber spätere Fürstbischof von Würzburg 1746-1749, und Graf Franz Adolph Dietrich von Ingelheim gen. Echter von Mespelbrunn, Präsident des Wetzlarer Reichskammergerichtes.

Literatur:
Baedeker: Mainz, Karl Baedeker-Verlag, 2004. ISBN 3-87954-074-8
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Siebmachers Wappenbuch.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
http://www.ccmainz.de/cms/index.php?id=51
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Stadt Mainz, Band 2.2: Altstadt, bearb. von Ewald Wegner, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1988, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 3. Auflage 1997, ISBN 3-88462-139-4, S. 164-169

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