Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 300
Mainz - Erzbischöfe, Kurfürsten, Adelspaläste

Der Alte Dalberger Hof in Mainz

Der Alte Dalberger Hof
Der alte Dalberger Hof am Ballplatz 1 ist nicht zu verwechseln mit dem jüngeren Dalberger Hof in der Klarastraße aus dem Barock. Beim alten Dalberger Hof, auch Königsteiner Hof genannt, handelt es sich im wesentlichen um ein Anwesen aus der Renaissance und dem Barock. Es ist einer der größten Mainzer Adelshöfe und läßt aufgrund seiner guten Erhaltung noch gut das Gesamtkonzept erkennen. Im Norden grenzt der Fechenbacher Hof an. Das Haupthaus ist auf den Ballplatz ausgerichtet. Nach hinten schließen zwei Seitenflügel an, die einen langgestreckten, trapezförmigen Hof umschließen. An der freien Rückseite des Hofes erfolgt der Übergang zum Gartenbereich im Westen. Der Südflügel wird durch die Gartenmauer fortgesetzt, bis sie an den Stefansberg anstößt. Der Nordflügel knickt nach Norden ab, um dort auf ältere Bausubstanz des viergeschossigen Wohnturmes zu treffen, und von da aus verläuft er wieder nach Westen.

Im Kern handelt es sich um ein sehr altes Gebäude. Die Keimzelle des Anwesens ist der Hof zum Roten Haus mit einem gotischen Wohnturm aus der Mitte des 14. Jh. Dieser Hof wurde errichtet von den Herren von Königstein-Eppstein, nachdem sie das Anwesen mitsamt Wohnturm 1462 von Fürstbischof Adolf II. von Nassau geschenkt bekommen hatten, daher auch der Name des Hofes. Auch eine gotische Kapelle ist in die Anlage integriert. Unter den Herren von Königstein-Eppstein wurden Umbauten durchgeführt. Nachdem die Freiherren von Dalberg den Hof 1597 erworben hatten, ließen sie 1598 einen Neubau errichten, der in seiner großzügigen Planung die älteren Bauten einbezog. Wegen des Wohnturmes schlägt der Nordflügel im Grundriß einen Haken. Dieser neue Adelshof war zum Ballplatz hin noch zweistöckig und hatte dort ein übergiebeltes Zwerchhaus. Im 17. und 18. Jh. wurde das Anwesen ausgebaut. Das Hauptgebäude stammt im wesentlichen vom Anfang des 17. Jh. und ist im Stil der Renaissance gehalten. Im 18. Jh. wurde es um ein Mezzaningeschoß aufgestockt. Das prächtig geschmückte barocke Portal trägt das Datum 1710. Ein Augenschmaus ist der zweistöckige, vierkantige Eck-Erker, der vom Typus her häufiger in Mainz anzutreffen ist. Er sitzt auf maskengeschmückten Konsolen auf. Im ersten Obergeschoß besteht er aus Steinen; bei der Aufstockung kam ein Fachwerkgeschoß hinzu.

Bis 1718 wurde der Hof von der Familie der Freiherren von Dalberg bewohnt. Danach verlegten sie ihren Hauptsitz in den Neubau an der Klarastraße, ein wesentlich repräsentativeres und größeres Palais. Mitte des 18. Jh. wurde der Alte Dalberger Hof im Geschmack der Zeit umgebaut. Heute beherbergt der Alte Dalberger Hof das Institut Beatae Mariae Virginis, das Maria Ward Gymnasium der Englischen Fräulein, die seit 1752 in Mainz ansässig waren. Sie bezogen diesen Hof 1846 (vollständiger Erwerb 1881). Die reine Mädchen-Schule wird von Maria Ward Schwestern geleitet.

Hauptportal des Alten Dalberger Hofes
Über der Tordurchfahrt, deren Gestaltung von Borrominis Portal des Collegio di Propaganda Fide in Rom inspiriert ist, befindet sich ein riesiger Wappenstein mit einem rekonstruierten Allianzwappen, gehalten von zwei gerüsteten Kriegern als Schildhaltern. Über dem Portal steht eine Madonna mit Stifterinschrift, die von der einstigen Burse vom Schenkenberg stammt und zum 200jährigen Jubiläum der Universität 1677 nach dem Muster des Universitätssiegels geschaffen wurde.

 

Das heraldisch rechte Wappen ist das der Freiherren von Dalberg, genauer das der Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg. Geviert. Feld 1 und 4: Unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien (Kämmerer von Worms). Feld 2 und 3: In Gold ein schwarzes Ankerkreuz (Dalberg). Die dazugehörigen, hier nicht dargestellten Helmzieren wären: Helm 1 (rechts): ein wie Feld 1 und 4 bez. Flug, Helm 2 (links): ein goldener Flug, belegt mit jeweils einem schwarzen Ankerkreuz. Die dazugehörigen Helmdecken wären schwarz-golden und blau-golden.

Das heraldisch linke Wappen mit dem Lilienkreuz (Glevenkreuz) ist das Ward-Wappen, welches an der Wand der Tordurchfahrt wiederholt wird. Diese Kombination ist natürlich ahistorisch und bezieht den neuen Besitzer ein. Ein korrektes Ehewappen an dieser Stelle würde genauso wie jenes im Geländer des Treppenhauses heraldisch links das Wappen der Ehefrau des Erbauers zeigen (zeitlich könnte Greiffenclau-Vollrads dorthin passen).

Treppenhausgeländer
In der Tordurchfahrt liegt ohne weitere räumliche Abtrennung linkerhand das Treppenhaus, welches ins erste Obergeschoß führt. Ein schmiedeeisernes Geländer folgt der geschwungenen, dreiläufigen Treppe schrägaufwärts und überquert als Brüstung im ersten Obergeschoß den unteren Treppenlauf. Mehrfach sind die aus Schmiedeeisen gefertigten Allianzwappen von Dalberg (Beschreibung siehe oben) und von Eltz (geteilt, oben in Rot ein aus der Teilung wachsender, goldener Löwe, unten ledig und silbern) zu sehen. Die beiden nachfolgenden Aufnahmen zeigen das Geländer (schräggestellte Kartuschen) und die Brüstung (gerade gestellte Kartuschen) aus Kontrastgründen jeweils von der Außenseite, weshalb die Wappendarstellung seitenverkehrt wirkt. Von dem, der die Treppe hochgeht bzw. im 1. Stock am Geländer entlang geht, sind sie natürlich in korrekter Anordnung wahrzunehmen. Im Treppenhaus ist übrigens noch die originale Rokoko-Stuckdecke erhalten, eine Seltenheit in Mainz. Geländer und Stuck entstammen der Umgestaltungsphase in der Mitte des 18. Jh.

Eine passende Verbindung zwischen beiden Familien ist die zwischen Franz Heinrich Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (8.12.1716-9.12.1776) und Marie Sophie Anna Gräfin von und zu Eltz (5.10.1722-30.11.1763). Ersterer war der Sohn von Wolf Eberhard Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (30.5.1679-12.12.1737) und Maria Anna von Greiffenclau-Vollrads (9.11.1695-8.10.1768). Er war 1755 Burggraf zu Friedberg, kurmainzischer und kurtrierischer Geheimer Rat, Statthalter zu Worms, Oberamtmann zu Oppenheim und kaiserlicher Kammerherr. Die Eltern seiner Frau waren Karl Anton Ernst Damian Heinrich Graf von und zu Eltz (1671-1736) und Helene Catharina Wambold von Umstadt (1680-30.11.1763). Das Paar hatte 12 Kinder, davon erreichten aber nur vier Jungen und zwei Mädchen das Erwachsenenalter. Im Alten Dalberger Hof geboren wurde der Sohn Johann Friedrich Hugo Nepomuk Eckbert Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (17.5.1760-26.7.1812), ein Musikschriftsteller und Komponist, der 1768-1798 Domherr zu Trier, ab 1769 Domherr zu Speyer und ab 1770 Domherr zu Worms war. Ein weiterer Sohn des Paares, der aber in Herrnsheim geboren wurde, war Karl Anton Theodor Maria Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (1744-10.2.1817), der letzte Mainzer Kurfürst 1802-1803, Großherzog von Frankfurt und Fürstprimas des Rheinbundes.

Weiterhin sind im Geländer kunstvoll verschlungene Monogramme des Bauherrn und seiner Ehefrau integriert. Im Photo unten zu sehen ist das Monogramm an der untersten Biegung des Geländers; "M" und "F" sind gut zu erkennen. Das Monogramm ist prinzipiell symmetrisch aufgebaut, aber hier wegen der Treppenschräge asymmetrisch verzerrt.

Innere Tordurchfahrt des Alten Dalberger Hofes
Dieses Wappen hat nichts mit den von Dalberg zu tun. Es ist auch fehlerhaft restauriert worden: Alles, was glänzen soll, wurde golden gestrichen. Dabei ist das Mainzer Rad in Feld 1 und 4 silbern, der Wormser Schlüssel in Feld 2 muß silbern sein, der Hintergrund des roten Drachens derer von Breidbach in Feld 3 muß silbern sein, am Hermelinstulp des Kurhutes hat Gold auch nichts verloren - aber eine zweite Farbdose zu öffnen war hier wohl zuviel verlangt. Auch dieser Stein stammt von der einstigen Burse vom Schenkenberg.

Das Wappen des Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763-1774) ist geviert:

1752 kamen die ersten "Englischen Fräulein" (Fräulein M. Aloysia Hauck und Schwester Magdalena Schwarz) aus Fulda in Mainz an und zogen in das Haus der Schulgründerin bei der Liebfrauenkirche. 1758 vermachte Peter Schick sein Haus der Schule. Der Kurfürst von Ostein reagierte auf eine Beschwerde der Welschnonnen, die eine Konkurrenzschule unterhielten, mit Ausweisung der Maria-Ward-Schwestern. Erst 1763/64 konnten sie unter dem neuen Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763-1774) zurückkehren. Ihm verdanken sie also, daß sie wieder in Mainz tätig sein können - von daher ist die sekundäre Anbringung dieses Wappens von der Burse wenigstens nicht gänzlich ohne Bezug.

Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763-1774)
geb. 1707 in Koblenz
5.7.1763 Wahl zum Mainzer Erzbischof und Kurfürsten, wurde einer der wichtigsten Reformer auf dem Bischofsthron
13.11.1763 Bischofsweihe
1768 Bischof von Worms
1771 Eröffnung einer Lehrerakademie, Schulreform
1773 Aufhebung des Jesuitenordens, Vertreibung der Jesuiten aus Mainz, Durchbruch aufklärerischen Gedankenguts, Neuorganisation der Universität in Mainz
gest. 11.06.1774 in Mainz

Ward-Wappen in der Torwegspassage
Im Torweg findet sich noch einmal das Ward-Wappen mit dem Lilienkreuz (Glevenkreuz), das Feld ist blau, das Kreuz golden, und die Gleven sind silbern gefaßt.

Literatur:
Baedeker: Mainz, Karl Baedeker-Verlag, 2004. ISBN 3-87954-074-8
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Maria-Ward-Schule:
http://www.mws-mainz.de/WB/ - Schulgeschichte: http://www.mws-mainz.de/WB/pages/geschichte-gebaeude/maria-ward-schule-mainz.php
Älterer Dalberger Hof:
http://de.wikipedia.org/wiki/Älterer_Dalberger_Hof
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Stadt Mainz, Band 2.2: Altstadt, bearb. von Ewald Wegner, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1988, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 3. Auflage 1997, ISBN 3-88462-139-4, S. 142-146
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Franz Heinrich von Dalberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Heinrich_von_Dalberg - http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/6212
Älterer Dalberger Hof:
http://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/mainz/kulturdenkmaeler/dalberger-hof.html
Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Emmerich_Joseph_von_Breidbach_zu_Bürresheim
Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim:
http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/emmerich-joseph-von-breidbach-zu-buerresheim-vorkaempfer-der-katholischen-aufklaerung-12203588.html
Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim:
http://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/texte/biographien/breidbach-buerresheim-emmerich-j-von.html
Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim:
http://www.deutsche-biographie.de/sfz13172.html

Die Wappen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Die Wappen der Fürstbischöfe von Worms - Teil (1) - Teil (2)

Ortsregister Photos von Wappen - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2007, 2015
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de