Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 261
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Dom zu Würzburg, Johann von Egloffstein

An einem Pfeiler des südlichen Seitenschiffs befindet sich im Kiliansdom das Grabdenkmal für den Würzburger Fürstbischof Johann I. von Egloffstein (reg. 1400-22.11.1411). Der Bischof steht in vollem Ornat auf einem Löwen zu seinen Füßen, die Rechte hält das auf dem Boden aufgestützte Schwert, die Linke den Krummstab. Ein spitzer Baldachin mit krabbenbesetzten Kanten bildet den oberen Abschluß. Die optisch unten links beginnende Inschrift lautet: "ANNO D(OMI)NI MCCCCXI IP(S)O DIE S(ANCTI) C(A)ECILI(A)E O(BIIT) REVERE(N)DUS P(ATE)R D(OMI)N(U)S IOH(ANN)ES DE EGLOF(F)STEIN EP(ISCOPU)S HUI(US) ECC(LESIAE....)". Dieser Fürstbischof war der Gründer der ersten Würzburger Universität im Jahre 1402. Sie bestand aber nur bis zu seinem Tode 1411.

   

Auf diesem Grabdenkmal sind insgesamt fünf Wappenschilde zu sehen, drei oben und zwei unten. Die beiden äußeren oberen Schilde zeigen die typischen Symbole der Würzburger Fürstbischöfe, optisch links ist der "Fränkische Rechen" zu sehen = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, gegenüber neben der Krümme des Bischofsstabes das "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft für das Hochstift Würzburg. Hier hat das Fähnchen noch nicht die später typische Form mit den je zwei rechteckigen Einkerbungen auf jeder der senkrechten Seiten, sondern ist am Flugsaum viermal tief dreieckig eingeschnitten, während der stangenseitige Teil eine realitätsnahe Befestigung mit drei Schlaufen zeigt, zwischen denen das Tuch jeweils bogenförmig verläuft. Zwischen diesen beiden Schilden befindet sich das Schild mit dem Familienwappen Egloffstein, in Silber ein abgeschnittener schwarzer Bärenkopf (hier farblich falsch gefaßt). Der gleiche Schild wiederholt sich heraldisch unten rechts für den Vater des Bischofs, Otto von Egloffstein zu Stolzenrod, Burgmann auf dem Rothenberg (vgl. falsche Verknüpfung bei Biedermann). Die Mutter des Bischofs war Osanna von Hirschberg (n. Biedermann f.: Hirschhorn). Heraldisch unten links steht ein Kombinations-Schild für die komprimierte 4er-Ahnenprobe des Bischofs, der Schild ist geviert, Feld 1: in Silber ein schwarzer Bärenkopf (von Egloffstein), Feld 2: in Silber ein roter Hirsch (von Hirschberg), Feld 3: eine silbern-rote Spaltung mit Spitze in verwechselten Farben (von Massbach), Feld 4: in Rot eine silberne Sichel (von Streitberg).

Literatur, Links und Quellen:
St. Kilians-Dom: http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Beschreibung dieses Epitaphs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 256-256**.
Johann von Egloffstein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_I._von_Egloffstein
Alfred Wendehorst: Das Bistum Würzburg Teil 2 - Die Bischofsreihe von 1254 bis 1455, Germania Sacra NF4, Berlin 1969, ISBN 978-3-11-001291-0, S. 127-142,
http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0003-16DE-2 und http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0003-16DE-2/NF%204%20Wendehorst%20W%c3%bcrzb.%20Bfsreihe%20bis%201455.pdf
Franz Xaver von Wegele, Johann I. von Egloffstein, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 442-445,
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Johann_I._(Bischof_von_Würzburg)
Alfred Wendehorst, Johann I. von Egloffstein, in: Neue Deutsche Biographie, Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 544,
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz37650.html
Genealogie Egloffstein, Biedermann: Geschlechtsregister der Reichsfrei unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Gebürg
http://books.google.de/books?id=49JDAAAAcAAJ

Dom, Otto II. von Wolfskeel - Dom, Albrecht II. von Hohenlohe - Dom, Johann von Brunn - Dom, Gottfried Schenk von Limpurg - Dom, Johann von Grumbach - Dom, Rudolf von Scherenberg - Dom, Lorenz von Bibra

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