Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 238
Trier: Im Schatten der glanzvollen Kurfürsten

Kurie von der Leyen, Domfreihof 5 in Trier

Die Kurie "von der Leyen" befindet sich gegenüber des Trierer Domes und ist eine ehemalige Domherrenkurie. Heute ist hier die Wohnung des Domvikars. Das heutige Aussehen erhielt die Kurie durch Karl Kaspar von der Leyen, Erzbischof und Kurfürst, als er sie in der zweiten Hälfte des 17. Jh. umbaute. Die Fertigstellung erfolgte gleichzeitig mit der Dompropstei 1656. Eigentlich ist es eine der ältesten Kurien, denn schon im 10. Jh. stand hier ein Vorgängerbau, und 1393 wurde die Kurie "antiquitus appellata de Eich" erwähnt.

Von der historischen Bausubstanz ist nach Kriegsschäden, Aufbau in den 50ern und einer Generalsanierung und Entkernung von 1980 wenig übriggeblieben. Die historischen Gewände und Dekorationselemente stammen zum Großteil von anderen Stellen und wurden für die Sanierung dieser Kurie adaptiert, so daß hier der schöne Schein trügt.

Das schöne Barockportal mit dem Wappen des Bauherren Karl Kaspar von der Leyen ist beispielsweise nicht original, sondern wurde bei der Sanierung in die ursprünglich portallose Domplatz-Front eingebaut. Es stammt aus einem kriegszerstörten Haus in der Krahnenstraße. Das Wappen von der Leyen ist nachträglich "eingebaut" worden.

Wappen von der Leyen: In Blau ein silberner Pfahl. Helmzier wäre ein silberner Brackenrumpf mit goldenem Halsband zwischen mit silbernen Lindenblättern bestreutem blauen Flug. Helmdecken wären blau-silbern. Auch bei dieser Kurie tragen die architravierten Ohrengewände sämtlich das Wappen von der Leyen. Es handelt sich aber um Kopien.

Auch die Barockportale in der Umfassungsmauer mit ihren Sprenggiebeln sind nicht original, das nach Norden gerichtete ist rekonstruiert und um das Petrusrelief auf dem Kurtrierer Kreuz (Domkapitelwappen) von einem der Barocktore der Römerbrücke bereichert. Deshalb lautet auch die Inschrift: PONS EGO VI BELLI PRISCA REVULSUS RESTITUOR SEDII SEDE VACANTE NOVUS A GRATIOSO CAPITULO AEDIS METROPOLITANAE TREVIRENSIS. Das in den beiden unteren Zeilen enthaltene Chronogramm ergibt die Jahreszahl 1716. Bauherr dieses Brückentores war das Domkapitel, weil die Baumaßnahme gerade in die Lücke zwischen den Regierungszeiten von Karl Joseph von Lothringen und Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg fiel.

Das andere Portal mit der Pieta stammt vom Augustinerinnenkloster St. Agnes (kriegszerstört) und wurde in die östliche Umfassungsmauer transloziert (heutiger Zugang zur Dominformation). Insgesamt ein geschichtsträchtiges Anwesen, in dem aber fast nichts mehr authentisch ist.

Literatur:
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschand, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.1, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Stadt Trier, Altstadt, bearbeitet von Patrick Ostermann, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 2001, ISBN 3-88462-171-8
Siebmachers Wappenbuch

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