Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 230
Wechterswinkel (zu Bastheim, Landkreis Rhön-Grabfeld, Unterfranken)

Kloster Wechterswinkel, ehem. Unterpropstei

Kloster Wechterswinkel, heute zu Bastheim eingemeindet, hat eine zweigeteilte Geschichte. Während der ersten Phase bestand hier ein um 1134 von Bischof Embricho von Leiningen und König Konrad III. gegründetes Kloster der Zisterzienserinnen. Von Wechterswinkel aus entstanden Ableger in Ichtershausen in Thüringen, Schmerlenbach und Johanniszell unter Wildberg. Aus der Blütezeit stammt die romanische Klosterkirche, die 1179 geweiht wurde. Im 19. Jh. wurde der Bau jedoch verändert, u. a. um 15 m gekürzt. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Kloster zu einer Art Auffangstation zur Versorgung unverheirateter Töchter des umliegenden Adels. Zum einen wurde das Kloster durch die entsprechenden Mitgiften wohlhabend, zum anderen war es irgendwann nicht mehr besonders gut um die Einhaltung der Zisterzienserregeln bestellt. Südlich der Kirche befindet sich das große Rechteck des 1472 erbauten Konventbaus. Im 16. Jh. kam es zum völligen Verfall und Personalschwund, und mehrere Wiederbelebungs- und Wiederbesiedlungsversuche scheiterten: Das Kloster war am Ende. Dieses Frauenkloster wurde 1589 von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn aufgehoben und in eine Propstei umgewandelt und von einem Domkapitular verwaltet. Das ehemalige Klostergut wurde zu einer Stiftung zugunsten von Pfarreien, Schulen und vor allem der Würzburger Universität. Ein Teil des Konventsbaus wurde zu einem dreischiffigen Speicher umgebaut. Eine neue Propstei wurde 1793 errichtet; sie besteht aus einem 9 m breiten und 40 m langen Hauptgebäude mit zwei Massiv- und einem Mansardenstockwerk und zwei vorgelagerten, einstöckigen, L-förmigen Gebäuden (Scheunengebäude und Stallungen), die zusammen einen viereckigen Hof umschließen.

In der Klosterstraße befindet sich am nördlichen Kopfende des rechts von Kirche und Klostergeviert und links von der Propstei begrenzten Zwischenraumes dieses zweistöckige Wohngebäude (Abb. oben), in dessen Obergeschoß ein historischer Wappenstein eingelassen ist. Es handelt sich um die ehemalige Unterpropstei aus dem 3. Viertel des 17. Jh. (Klosterstraße 8-10). Die Inschrift nennt "IOHANN HARTMANN VON ROSENBACH DHOMBDECHANDT ZV WVRTZBVRG ZV HAVG DASELBSTEN VNDT WECHTERS(BACH)". Es gab in der Familie mehrere des Namens Johann Hartmann, und zwei davon waren Domdechanten. Aufgrund der Ahnenprobe kommt jedoch nur der spätere Würzburger Fürstbischof Johann Hartmann von Rosenbach (15.12.1609-19.4.1675) in Frage, nicht der andere Johann Hartmann von Rosenbach (30.11.1665-18.12.1713), und dadurch wird die Entstehung des undatierten Steines eingegrenzt auf den Zeitraum zwischen seiner Berufung zum Domdechant 1649 bzw. dem Erhalt der Propstei des Stiftes Haug 1650 einerseits und seiner Wahl zum Fürstbischof von Würzburg am 13.3.1673 andererseits.

Johann Hartmann von Rosenbach (15.12.1609-19.4.1675) empfing 1627 im Alter von 18 Jahren die niederen Weihen. 1637 wurde er Domkapitular, 1643 Domkustos und 1649 Dekan. Neben den bereits erwähnten Propsteien hatte er auch noch eine Stellung als Kapitular auf der Comburg und seit 1643 die Oberpfarrei Herbolzheim. Seine Amtszeit als Fürstbischof war hingegen sehr kurz. Als Johann Hartmann von Rosenbach (15.12.1609-19.4.1675) Fürstbischof geworden war, ließ er seine Stiftspfründen zwei nahen Verwandten zukommen. In der Position des Domdechanten rückte sein Neffe 2. Grades Franz Christoph von Rosenbach (-23.3.1687) nach. Dieser bekam auch die Propstei am Stift Haug, die Custodie am Ritterstift Comburg und die Propstei am Stift Neumünster. Der zweite Begünstigte war ein weiterer Neffe 2. Grades, Johann Conrad von Rosenbach, dieser Würzburger Domcapitular bekam die Propstei Wechterswinkel, außerdem wurde er in mehreren Dörfern in den Genuß der niederen Jagd gesetzt. 1652 war er außerdem Landrichter zu Würzburg.

Im Zentrum des Wappenreliefs steht das Vollwappen der Herren von Rosenbach, von Silber und Schwarz geteilt, oben aus der Teilung hervorkommend ein schwarzer, rotgezungter, golden gekrönter Löwe, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken zwischen zwei silbern-schwarz geteilten Büffelhörnern ein wachsender, schwarzer, rotgezungter, golden gekrönter Löwe. Das Wappen wird beschrieben im Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 37, Seite 29, 142, 224, 139 und im Siebmacher Band: BayA3 Seite: 47 Tafel: 29. Darstellerisch ist zu bemängeln, daß der Gitterhelm nach links gedreht ist, die Schildfigur und das Kleinod aber völlig im nach rechts weisenden Profil dargestellt sind. Die darstellerische Fundamentalforderung, daß Helm und Kleinod in die gleiche Richtung schauen sollten, wird hier vernachlässigt.

Zu beiden Seiten des zentralen Reliefs befindet sich in zwei Spalten die Ahnenprobe des Domherren aus insgesamt acht ovalen, von einem Zierrahmen eingefaßten Kartuschen. Die heraldisch rechte Spalte (Schwertseite) beginnt oben mit dem gewendeten Wappenschild der von Rosenbach (von Silber und Schwarz geteilt, oben aus der Teilung hervorkommend ein schwarzer, rotgezungter, golden gekrönter Löwe). Der Schild steht für den Vater, Johann Dietrich von Rosenbach (23.3.1581-8.1.1656), Kurmainzischer Rat, Oberamtmann zu Amöneburg, Königstein, Regiments-Burgmann zu Friedberg, vermählt am 27.5.1606 mit Susanna Regina von Knöringen, sowie für den Großvater väterlicherseits, Dieterich von Rosenbach (1528-12.3.1590), welcher die Hauptlinie fortführte und Obrist und Regimentsburgmann zu Friedberg war und der sich am 21.5.1561 mit Walburga von Karsbach, Tochter von Philipp von Karsbach und Catharina von Eberstein vermählt hatte, und wiederum für dessen Vater, Conrad von Rosenbach (-1558), Ganerbe zu Lindheim, der alle Geschlechtslehen in einer Hand vereinte und mit Anna von Buches zu Staden verheiratet war, der Tochter von Philipp von Buches zu Staden und Dorothea von Ehrenberg.

Darunter folgt als zweites der Schild der von Karsbach (ein roter Schild, belegt mit einem goldenen Pfahl) für die Großmutter väterlicherseits, Walburga von Karsbach, und ihren Vater, Philipp von Karsbach. Der dritte Schild in der Folge zeigt das Wappen der von Buches zu Staden (in Silber ein schwarzes, vierarmiges Ankerkreuz) für die erste Urgroßmutter väterlicherseits, Anna von Buches zu Staden. Darunter schließt der Schild der von Eberstein (in Blau eine dreieckige, an den Enden mit Lilien besteckte silberne Spange) die Reihe ab, er steht für die andere Urgroßmutter väterlicherseits, Catharina von Eberstein.

Auf der heraldisch linken Seite folgen die Ahnen mütterlicherseits, zuoberst der Schild der von Knöringen (in Schwarz ein silberner Ring) für die Mutter Susanna Regina von Knöringen, den Großvater mütterlicherseits, Christian Ulrich von Knöringen (geb. 1566), Sohn von Johann Eitel von Knöringen zu Knöringen, Kreßberg und Lustenau (-1588). Als nächstes folgt der Schild der von der Tann (in Rot eine gebogene silberne Forelle) für die Großmutter mütterlicherseits, Agnes von der Tann, und für ihren Vater Melchior von der Tann, würzburgischer Rat und Amtmann zu Bischofsheim. Der vorletzte Schild dieser Spalte zeigt noch einmal das Wappenbild der von Knöringen (s.o.) für die erste Urgroßmutter, Anna Regina von Knöringen, Tochter von Christoph von Knöringen zu Knöringen. Der vierte und letzte Schild, dieser Spalte und der gesamten Ahnenprobe, ist schließlich das Wappen der Schutzbar gen. Milchling (in Silber drei dreipaßförmig zusammengestellte, gestielte, runde schwarze Blätter bzw. Kugeln), für die letzte Urgroßmutter der mütterlichen Seite, Agnes Schutzbar gen. Milchling.

Genealogie der von Rosenbach (nach Biedermann und Kindler von Knobloch, Vorfahren fett hervorgehoben, geistliche Karrieren dunkelrot markiert):

Wie der obige Auszug aus der Genealogie zeigt, hatte die Familie eine hohe Affinität zu den Hochstiften Mainz und Würzburg, deren Dienstleute die Familienmitglieder waren, außerdem zu Bamberg und Fulda, und so sind diese vielfach in entsprechenden geistlichen Ämtern zu finden, daneben dienten viele männliche Mitglieder im Johanniterorden, und weibliche Mitglieder sind oft in den umliegenden Klöstern als Nonnen eingetreten.

Übersicht über die Vorfahren des Johann Hartmann von Rosenbach d. Ä.:

Eltern:
  • Johann Dietrich von Rosenbach (23.3.1581-8.1.1656)
  • Susanna Regina von Knöringen

Großeltern:

  • Dietrich von Rosenbach (1528-12.3.1590)
  • Walburga von Karsbach
  • Christian von Knöringen
  • Agnes von der Tann
  Urgroßeltern:
  • Conrad von Rosenbach (-1558)
  • Anna von Buches zu Staden
  • Philipp von Karsbach
  • Catharina von Eberstein
  • Johann Eitel von Knöringen zu Knöringen
  • Anna Regina von Knöringen
  • Melchior von der Tann
  • Agnes Schutzbar gen. Milchling

Literatur, Links und Quellen:
Breuer, Tilmann u. a. Bearb.: Georg Dehio, Franken, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern I, München und Berlin 1999, S. 1087
Ahnenprobe des Bischofs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 628-632.
Genealogie Rosenbach: Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Baunach
http://books.google.de/books?id=ayZRAAAAcAAJ
von Rosenbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rosenbach_(Adelsgeschlecht)
Stammbaum von Rosenbach: Julius Kindler von Knobloch, Oberbadisches Geschlechterbuch (Band 3): M - R, hrsg. von der Badischen Historischen Kommission, Heidelberg, 1919 Seite: 620
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1919bd3/0624/image?sid=84dbd391f2e35d0e14fed2b8986c08fb
Genealogie: Damian Hartard, Die Hoheit des Teutschen Reichs-Adels, Band 1, online:
http://books.google.de/books?id=f-A-AAAAcAAJ&.........q=rosenbach%20karsbach&f=false
Winfried Romberg, die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 7, die Würzburger Bischöfe von 1617 bis 1684, Germania Sacra Dritte Folge 4, de Gruyter Verlag, Berlin, New York, ISBN 978-3-11-025183-8, S. 433-437, 450-451,
http://books.google.de/books?id=FrkcdGVnHrEC
Erich Schneider, Klöster in Bayern: Wechterswinkel, hrsg. Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst / Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg, online:
http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/kloster/kloester_detailansicht_basisdaten.php?id=KS0425&templ=relaunch_vorlage_detail_geschichte und www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/kloster/pdf/KS0425.pdf
Genealogie der von Knöringen: Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts an der Altmühl
http://books.google.de/books?id=KSZRAAAAcAAJ
Baudenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bastheim#Wechterswinkel

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