Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 229
Ellingen - Stadt des fränkischen Barocks und des Deutschen Ordens

Ellingen (Teil 11)
Mühltor des Deutschordens-Schlosses in Ellingen

Diesen Tor befindet sich nördlich der Schloßanlage, als Abschluß der eigentlichen Schloßanlage und Übergang zu den nördlich gelegenen Ökonomiegebäuden und der nördlichen Schloßlandschaft. Hier war ein Wassergraben, der früher mit einer Zugbrücke überspannt wurde, die an diesem Tor aufgehängt war. Wenn man dem Weg geradewegs nach Norden folgt, kommt man zum Tor zum Rosenbach. Das Mühltor wurde früher als jenes gebaut, nämlich 1755-1756, aber es fällt auch unter die Ausbauphase unter Landkomtur Friedrich Carl Freiherr von Eyb (reg. 1749-1764). Es folgt dem Idealplan von 1750 für den weiteren Ausbau der Residenz. Das Wappen und der übrige plastische Schmuck wurden von Matthias Kaspar Maucher hergestellt.

Wie auch am Tor zum Rosental ist das Wappen im unteren Bereich mit einem auffallenden kriegerischen Formenkanon hinterlegt. Kanonenrohre, Fahnen mit Deutschordenskreuz, Säbel, Liktorenbündel aus Ruten mit einer darin steckenden Axt - diese martialische Dekoration hinter dem Wappenschild lag zum einen am Stil der Zeit, andererseits verdeutlicht diese Symbolsprache den kriegerischen Auftrag des Deutschen Ordens.

Das Wappen ist das den Landkomturs Friedrich Carl Freiherr von Eyb (reg. 1749-1764). Die von Eyb sind eines der ältesten Adelsgeschlechter Frankens. Einst hatten sie ihren Stammsitz in der Nähe von Ansbach. Die von Eyb waren Erbkämmerer der Markgrafschaft Ansbach und Erbschenken des Bistums Eichstätt. 1694 wurden sie zu Reichsfreiherren ernannt. Sie führen im silbernen Schild drei (2:1) rote Jakobsmuscheln, wobei hier die farbliche Fassung des Sandsteinwappens entweder vollständig verloren ist oder nie gegeben war. Die Helmzier wäre ein wachsender Pfau mit goldenem Halsband, der hier vollständig zerstört ist und dringend auf eine Restaurierung wartet. Die Helmdecken wären rot-silbern. Als Landkomtur hat Friedrich Carl Freiherr von Eyb sein Wappen mit dem Deutschordenskreuz geviert und zusätzlich noch mit einem zweiten Schild mit dem Deutschordenskreuz unterlegt. Auf der Außenseite des Tores ist ein ganz ähnliches Wappen zu sehen.

Wie im vorherigen Kapitel schon angedeutet, war Landkomtur Friedrich Carl Freiherr von Eyb (reg. 1749-1764) nicht nur der bedeutendste Visionär der Ellinger Schloßlandschaft, sondern auch auch einer der zwielichtigsten Charaktere auf dem Posten des Landkomturs, einer der wenigen, die ihre Amtszeit nicht mit ihrem Tode beendeten, sondern als Gejagter durch Flucht. Sein Repräsentationsbedürfnis ging einher mit dem Streben nach Unabhängigkeit, seine Bestrebungen nach weitestgehender Loslösung vom Hoch- und Deutschmeister in Mergentheim wurden dort nicht besonders geschätzt. Er ging sogar so weit, eine eigenständige Territorialherrschaft in Ellingen anzustreben. Dazu kamen die immensen Kosten für seine ehrgeizigen städtebaulichen Konzepte und Bauten, ganz zu schweigen von denen für persönliche Repräsentation. Eigenmächtigkeit und Zweckenfremdung (oder nennen wir es doch gleich Veruntreuung) von Geldern waren es, die schließlich zu seinem Sturz führten. Nach höchst undurchsichtigen Finanzaktionen wurde er mit diversen Ordensstrafen belegt und setzte sich 1764 eiligst in die Schweiz ab, bestens versorgt mit Geld und Wertgegenständen der Ballei Franken. Friedrich Carl Freiherr von Eyb war ein barocker Fürst durch und durch, der aufgrund seines schwachen Charakters am Glanz und den Verlockungen der Macht, Unabhängigkeit und Repräsentation scheiterte. Auch war er ein großer städtebaulicher Visionär. Ein treuer Diener seines Ordens war er mit Sicherheit nicht.

Literatur:
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
http://www.heraldique-europeenne.org/Armoriaux/Teutonique/index.html
http://www.people.freenet.de/heckmann.werder/Wappen.htm
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Harald Bodenschatz und Johannes Geisenhof, Deutschordensresidenz Ellingen: Visionen, Pläne und Bauten einer barocken Schloßlandschaft, Schriftenreihe "Stadterneuerung" der Stadt Ellingen, Heft 3, Verlag Buchdruckerei W. Lühker GmbH, Weißenburg in Bayern, Ellingen/Weißenburg 1990, ISBN 3-921-354-22-6
Residenz Ellingen, amtlicher Führer, bearbeitet von Christoph Graf Pfeil, Hrsg. Bayerische Schlösserverwaltung, 8. Auflage, München 2005, ISBN 3-932982-59-2
http://www.barockverein.de, http://www.barockverein.de/Denkmaehler/index.htm

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