Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 221
Ellingen - Stadt des fränkischen Barocks und des Deutschen Ordens

Ellingen (Teil 3)
Wappen an der Reithalle des Deutschordens-Schlosses in Ellingen

Die Ellinger Reithalle liegt nördlich des Schlosses in Verlängerung des Westflügels desselben, aber quer zu diesem, so daß sie die Ökonomiegebäude quasi in zwei Abschnitte teilt.

Die Reithalle (Reitschule, hier Blick auf die östliche Schmalseite) ist eines der letzten Baukonzepte von Baumeister und Stuckateur Franz Joseph Roth unter Landkomtur von Satzenhofen, ehe er als Baumeister gefeuert wurde. Die Ausführung erfolgte ab 1749 unter beider Nachfolger, unter dem neuen Landkomtur von Eyb und unter dem neuen Baumeister Matthias Binder aus Burghausen, aber nach Roths Plänen. Entsprechend ist auch das Wappen hoch oben im Ost-Giebel das des tatsächlich ausführenden Bauherren von Eyb.

Das Wappen ist das des Landkomturs Friedrich Carl Freiherr von Eyb (reg. 1749-1764). Die von Eyb führen im silbernen Schild drei (2:1) rote Jakobsmuscheln, wobei hier die farbliche Fassung des Sandsteinwappens entweder vollständig verloren ist oder nie gegeben war. Die Helmzier wäre ein wachsender Pfau mit goldenem Halsband, der hier vollständig zerstört ist und dringend auf eine Restaurierung wartet. Die Helmdecken wären rot-silbern. Als Landkomtur hat Friedrich Carl Freiherr von Eyb sein Wappen mit dem Deutschordenskreuz geviert und zusätzlich noch mit einem zweiten Schild mit dem Deutschordenskreuz unterlegt.

Die von Eyb sind eines der ältesten Adelsgeschlechter Frankens. Sie sind ab ca. der Mitte des 12. Jh. nachgewiesen. Erster urkundlich erwähnter Eyb ist "Tiederich de Iwe" 1165. Einst hatten sie ihren Stammsitz in der Nähe von Ansbach. Von da aus verbreitete sich die Familie praktisch in ganz Süddeutschland und spaltete sich in mehrere Linien auf. Mitglieder der katholischen Familienzweige hatten viele geistliche Ämter in den Hochstiften Eichstätt und Bamberg inne. Die Familie stellte während der Renaissance auch einen Bamberger Fürstbischof (Martin von Eyb 1580-1583) sowie mit Gabriel von Eyb (1496-1535) und Johannes Martin von Eyb (1697-1704) zwei Fürstbischöfe von Eichstätt. Albrecht von Eyb war Domherr in Bamberg, Eichstätt und Würzburg und gilt als bedeutender Frühhumanist. Insgesamt sind vier Ritterhauptleute in den Kantonen Altmühl und Odenwald bekannt (Veit Erasmus von Eyb 1586, Georg Friedrich von Eyb 1615, Hans Christoph von Eyb 1647, Albrecht Ludwig von Eyb 1694). Weiterhin erlangte Christoph Friedrich von Eyb als württembergischer Rat, Oberst und Oberhofmarschall Bedeutung (gest. 1691), sowie Heinrich von Eyb als Obrist und Generalfeldzeugmeister in Würzburg (gest. 1741). Die von Eyb waren Erbkämmerer der Markgrafschaft Ansbach und Erbschenken des Bistums Eichstätt. 1694 wurden sie zu Reichsfreiherren ernannt. Der Dettelsauer Zweig wurde 1694 in den Grafenstand erhoben, starb aber aus. Heute blühen die Freiherren von Eyb in zwei fränkischen Linien, eine zu Dörzbach und die andere zu Wiedersbach.

Zu beiden Seiten des kleinen erkerartigen Vorbaues (beheizbares "Cabinet vor die Herrschaften", eine Änderung gegenüber Roths Plänen) der Reithalle sind Pferdeköpfe in steigbügelverzierten Kartuschen dargestellt.

Literatur:
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
http://www.heraldique-europeenne.org/Armoriaux/Teutonique/index.html
http://www.people.freenet.de/heckmann.werder/Wappen.htm
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Harald Bodenschatz und Johannes Geisenhof, Deutschordensresidenz Ellingen: Visionen, Pläne und Bauten einer barocken Schloßlandschaft, Schriftenreihe "Stadterneuerung" der Stadt Ellingen, Heft 3, Verlag Buchdruckerei W. Lühker GmbH, Weißenburg in Bayern, Ellingen/Weißenburg 1990, ISBN 3-921-354-22-6
Residenz Ellingen, amtlicher Führer, bearbeitet von Christoph Graf Pfeil, Hrsg. Bayerische Schlösserverwaltung, 8. Auflage, München 2005, ISBN 3-932982-59-2
http://www.barockverein.de, http://www.barockverein.de/Denkmaehler/index.htm

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