Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 220
Ellingen - Stadt des fränkischen Barocks und des Deutschen Ordens

Ellingen (Teil 2)
Wappen am Westflügel im Innenhof des Deutschordens-Schlosses in Ellingen

Das hier vorgestellte Wappen befindet sich im Innenhof der Ellinger Residenz über dem Eingang zum Westflügel. Es erinnert an einen großen Barockfürsten und Bauherrn: Carl Heinrich Freiherr von Hornstein (1717-1743). Der Bau des Ellinger Schlosses wurde zwar bereits unter seinem Vorgänger Philipp Benedikt Forstmeister von Gelnhausen begonnen, doch begann jener erst einmal mit dem Neubau des Spitals außerhalb der Residenz und widmete sich dann dem Umbau des Ostflügels. Aber erst mit Carl Heinrich Freiherr von Hornstein gab es einen leidenschaftlichen Bauherrn, der mit all seiner Energie und Tatkraft die Umgestaltung der älteren Anlage in ein prächtiges Barockschloß vorantrieb und die bauliche Inszenierung seiner Herrschaft zum Ausdruck barocken Lebensgefühls als Herrscher werden ließ. Von seinem Vorgänger unterschieden ihn vor allem:

Unter seiner Herrschaft entstanden wesentliche Teile der barocken Residenz:

Diese beispiellose Repräsentation und vor allem die damit verbundenen immensen Ausgaben blieben in der Zentrale des Deutschen Ordens in Mergentheim nicht unbemerkt. Der rasante Aufstieg zur Macht, die zunehmend im eigenen Namen ausgeübt wurde, der entfaltete Prunk, der vor dem Hintergrund der Ordensideale erklärungsbedürftig war, sorgten für Spannungen zwischen Mergentheim und Ellingen. Dazu kam der sog. Federkrieg wischen Ellingen und den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach.

Das Wappen von Carl Heinrich Freiherr von Hornstein, Landkomtur der Ballei Franken, früher Komtur zu Ellingen und Würzburg, Deutschordensritter, dazu Geheimrat des Clemens August von Bayern, Erzbischof und Kurfürst von Köln. Das Wappen zeigt einen gevierten Schild, Feld 1 und 4 in Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz (Deutschordenskreuz), Felder 2 und 3: In Blau über einer goldenen Krone eine halbkreisförmig gebogene silberne Hirschstange. Dieser Schild ist zusätzlich von einem zweiten Schild mit dem schwarzen Deutschordenskreuz in Silber unterlegt. Interessant ist die Gestaltung der Helmzier, die hier aus einer dünnen geschmiedeten metallenen gebogenen Hirschstange besteht, also ein Vollwappen in Komposit-Technik.

Die von Hornstein sind ein uraltes schwäbisches Adelsgeschlecht aus der Gegend um Sigmaringen mit den Stammhäusern Hornstein und Hertenstein. Das Stammwappen der ältesten Line derer von Hornstein ist eigentlich in Blau über einem goldenen Dreiberg im Schildfuß eine halbkreisförmig gebogene silberne Hirschstange. Erst später wurde der Dreiberg zu einer Krone aufgewertet. Begründer beider Linien waren Heinrich von Hornstein1247 und Manegold von Hertenstein 1243. Sie gehörten zur schwäbischen Reichsritterschaft. Nachdem die Hornsteiner Linie erlosch, nannten sich die von Hertenstein bis ca. 1550 "von Hornstein" mit dem Zusatz "von Hertenstein", der später wegfiel. 1636 bzw. 1688 bekamen die Familien den Freiherrenbrief. Es erfolgte eine Aufspaltung in zwei Linien, eine benannt nach Göffingen bzw. Wackerstein, die andere nach Grüningen. Das wurde die bayerische Linie derer von Hornstein, die sich heraldisch von dem anderen Zweig durch ein neues Wappen abgrenzten. 1857 starb die Linie von Göffingen aus. Die jetztigen von Hornstein sind eine dritte Linie, die von Hornstein-Bussmannshausen.

Liste der Landkomture der Ballei Franken:
Dietrich von Grüningen - 1248 (?)
Gebhard von Hirschberg - 1252-1268
Volkmar von Bernshauen - 1268-1272
Heinrich von Messingen - 1273-1280
Ulrich von Schauenstein - 1280 (?), 1285 (?)
Konrad von Feuchtwangen - 1282, 1283
Konrad von Babenberg - 1289
Gottfried Graf von Hohenlohe - 1290, 1293
Marquart von Messingen - 1296, 1297
Hermann Lösch von Mergentheim - 1297-1300
Eberhard von Sulzberg - 1301, 1302
Konrad von Gundelfingen - 1303 (?)
Degenhart - 1311
Heinrich von Zipplingen - 1324-1334
Seifridt von Meindelberg (Mindenberg) - 1335, 1336
Wolfram Graf von Nellenburg - 1335-1339
Herbrand von Schmähingen (Smehingen) - 1336-339
Friedrich von Urbach (Auerbach) - 1339, 1340
Otto von Heideck - 1340-1344
Berthold Burggraf von Nürnberg - 1345-1349
Poppo Graf von Henneberg - 1349, 1350
Mangold von Bradis - 1354, 1355
Gottfried Graf von Hanau - 1356, 1357
Philipp von Bickenbach - 1358-1361
Marquart Zöllner von Rothenstein 1360, 1361, 1363
Konrad von Aschenhausen - 1369, 1370
Friedrich von Egloffstein - 1384
Konrad der Rüde (Ruedt) - 1377-1379
Dietrich von Venningen - 1392, 1394
Konrad von Egloffstein - 1396
Wolfram von Egloffstein - 1398, 1406
Hans von Osthausen - 1406
Franz von Wildenstein - 1420
Hans von Gumppenberg - 1424
Arnold von Hirschberg - 1445
Simon von Leonrod - 1447
Ulrich von Lentersheim - 1451
Hartung von Egloffstein - 1462
Melchior von Neuneck - 1487
Wolfgang von Eisenhofen - 1494-1516
Wilhelm von Neuhausen - gest. 1537
Eberhard von Ehingen - 1543-1555
Wilhelm von Lochinger - 1555-1558
Heinrich von Bobenhausen - 1558-1565
Georg Hundt von Wenkheim - 1566
Volprecht von Schwalbach - 1569-1602
Johann Konrad Schutzbar gen. Milchling - 1606-1612
Johann Eustachius von Westernach auf Kronburg - 1618-1624
Karl Freiherr von Wolkenstein, Herr zu Trostburg, gest. 1626
Gebhardt von Nenningen - 1627-1633
Georg Wilhelm von Elkertshausen, gen. Klüppel - 1638-1654
Johann Konrad von Lichtenstein - 1655-1656
Johann Adlf Lösch Freiherr von und zu Hilgertshausen auf Wolfersdorf - 1658-1663
Philipp Freiherr von Gravenegg - 1664-1468
Johann Ludwig von Roggenbach - 1669-1682
Johann Wilhelm von Zocha auf Wald - 1682-1690
Adam Maximilian Freiherr von Ow auf Hierlingen und Sternegg - 1691-1702
Philipp Benedikt Forstmeister von Gelnhausen - 1702-1716
Karl Heinrich Freiherr von Hornstein - 1718-1743, gest. 1745
Franz Sigismund Friedrich Graf von Satzenhofen - 1744-1748
Friedrich Carl Freiherr von Eyb - 1749-1764
Franz Sigismund Adalbert Freiherr von Lehrbach - 1765-1787

1796 nahm Preußen als Nachfolger der Markgrafen von Ansbach in Besitz, 1806 kam das Schloß Ellingen zum Königreich Bayern, ab 1815 war es das Schloß des bayerischen Feldmarschalls Carl Pilipp Fürst von Wrede und seiner Nachkommen. 1939 verkauften die Fürsten von Wrede den Großteil des Schlosses an das Land Bayern. Die fürstlich Wredische Familie nutzt heute nur noch einen Teil der Ökonomiegebäude.

Literatur:
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
http://www.heraldique-europeenne.org/Armoriaux/Teutonique/index.html
http://www.people.freenet.de/heckmann.werder/Wappen.htm
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Harald Bodenschatz und Johannes Geisenhof, Deutschordensresidenz Ellingen: Visionen, Pläne und Bauten einer barocken Schloßlandschaft, Schriftenreihe "Stadterneuerung" der Stadt Ellingen, Heft 3, Verlag Buchdruckerei W. Lühker GmbH, Weißenburg in Bayern, Ellingen/Weißenburg 1990, ISBN 3-921-354-22-6
Residenz Ellingen, amtlicher Führer, bearbeitet von Christoph Graf Pfeil, Hrsg. Bayerische Schlösserverwaltung, 8. Auflage, München 2005, ISBN 3-932982-59-2
http://www.barockverein.de, http://www.barockverein.de/Denkmaehler/index.htm

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