Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 213
Freie Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber (Franken)

Rothenburg ob der Tauber - Wappen entlang der Altstadt-Straßen (Teil 3)

Wappen Walther an einem Haus in der Herrngasse 16, in Rot ein silberner Schräglinksbalken, belegt mit drei goldenen sechszackigen Sternen, begleitet von zwei Eichenzweigen mit je zwei bzw. drei grünen Blättern und einer goldenen aufwärts gerichteten Eichel in einem grünen Kelch, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Flug, die Flügel belegt mit einem eigentlich goldenen (hier fälschlicherweise rot angestrichenen) Stern. Das Wappen wird im Schragschen Geschlechterbuch aufgeführt, ferner bei Schöler, Familienwappen Seite 111 und Tafel 36 Nr. 3 und im Siebmacher Band Bg1 Seite 44 Tafel 59, dort jedoch die Eichenzweige silbern, und bei Weißbecker, Rothenburg Nr. 850. Die Stammreihe beginnt mit Georg Walther zu Saalbach im Amt Bemberg, der gegen Ende des 15. Jh. lebte und dessen Sohn Werner Bäcker in Rothenburg wurde.

Das vorherige und das nachfolgend beschriebene Wappen befinden sich an zwei benachbarten Häusern in der Herrngasse, ersteres am linken Haus (Herrngasse 16, ein vor 1600 entstandener, dreigeschossiger Massivbau mit Halbwalmdach und hoher Toreinfahrt), letzteres am rechten Haus (Herrngasse 14, ein im 18. Jh. überformter, dreigeschossiger Traufseitbau mit Satteldach und Krangaube mit älterem Kern), welches ein Patrizierhaus der Familie Schertling war, das zuletzt im Besitz der Familie Renger war.

Wappen Renger in der Herrngasse 14: In Silber aus rotem Dreiberg wachsend ein Jüngling mit Halskrause, in der Rechten eine goldene Handwaage mit zwei Waagschalen haltend. Helmzier ein Flug. Helmdecken rot-silbern. Farbgebung hier in Teilen fragwürdig (vgl. ausführliche Beschreibung zum Wappenstein der drei Ratsherren am Klosterhof).

   

Wappen der von Winterbach am Hotel Eisenhut in der Herrngasse: In Blau ein silberner schrägrechter Wellenbalken, oben und unten begleitet von zwei voneinander abgewandten goldenen gesichteten Mondsicheln. Helmzier ein beiderseits mit dem silbernen Wellenbalken belegter, blauer Flug, dazwischen ein geharnischter Arm, der ein Schwert mit goldenem Griff und goldener Parierstange in die Luft reckt. Das Ursprungswappen der Winterbachs hatte die Monde noch nicht, es war ein einfacher silberner schrägrechter Wellenbalken in Rot (!). Erst später kamen die gesichteten Mondsicheln hinzu, und es änderte sich die Schildfarbe (vgl. ausführliche Beschreibung zum Wappenstein der drei Ratsherren am Klosterhof).

Hotel Eisenhut (eines der vielen zum Hotelkomplex gehörenden ehemaligen Bürgerhäuser), Herrngasse 3: Der Wappenstein ist über dem zentralen Eingangsportal am Schlußstein zu erkennen. Unter dem Schlußstein sind verschlungene Initialen in das Oberlichtgitter eingefügt nebst der Jahreszahl 1759. Das über mittelalterlichem Kern im Barock erbaute Haus, ein dreigeschossiger verputzter Eckbau mit Walmdach, Sandsteingliederung und Zwerchhaus mit geschwungenem Giebel war erst ein Patrizierhaus, dann wurde es Weinstube, nun ist es Hotel.

 

Wappen Hoffmann an der Drogerie Reingruber (Georgengasse 5): In Rot ein silberner schrägrechter Wellenbalken, oben links begleitet von einem goldenen sechsstrahligen Stern, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken wachsend ein rotgekleideter Mann, der Kragen, die Ärmelaufschläge und der Schlaufengürtel silbern, mit roter, silberngestulpter Rundmütze, den rechten Arm abgewinkelt, den linken eingestemmt, mit der Rechten einen silbernen Stab haltend. Das Wappen wird im Schragschen Geschlechterbuch abgebildet, dort ist die Mütze noch mit drei Federn besteckt ist, einer roten zwischen zwei silbernen. Weitere Beschreibungen und Abbildungen finden sich bei Schöler, Familienwappen Seite 58 und Tafel 28 Nr. 9. Im Siebmacher Band: Bg2 Seite: 16 Tafel: 28 ist ein ganz ähnliches Wappen für einen Frankfurter Senator, dort aber abweichend der Mann der Helmzier mit Krone und daraus wachsendem grünen Kleeblatt. Vgl. auch Siebmacher Band: Pr Seite: 173 Tafel: 221. Die Stammreihe beginnt mit Andreas Hoffmann, 1516 Bürger zu Rothenburg.

 

Das redende Wappen der Familie Schwarzmann befindet sich am Hotel Eisenhut in der Herrngasse 7, einem im Kern mittelalterlichen Bau, der seine heutige Gestalt im 18. Jh. erhielt. Es ist ein dreigeschossiger, verputzter Bau mit steilem Satteldach und einem Zwerchhaus zwischen zwei Dachgauben. Das Wappen zeigt in Silber einen Männerrumpf (Dreiviertelfigur), schwarz gewandet mit silbernem Kragenaufschlag und roten Ärmelaufschlägen, in der Rechten drei goldene Pfeile, auf dem Kopf eine rot-silberne turbanartige Mütze oder Kopfbinde mit zwei nach hinten flatternden, roten und silbernen Bändern. Die Helmzier ist der wie im Schild bez. Mann wachsend. Das Wappen wird im Schragschen Geschlechterbuch abgebildet, mit geringen Farbvariationen. Weitere Darstellungen sind im Siebmacher Band Bg1 Seite: 42 Tafel: 57, und bei Schöler, Familienwappen Seite 100 und Tafel 114 Nr. 10. Die Stammreihe beginnt bei Schrag mit Leonhard Schwarzmann von Bullenheim, Innerer Richter zu Rothenburg, der in der ersten Hälfte des 16. Jh. lebte.

 

Am Marktplatz 6 steht ein dreigeschossiger, verputzter Bau mit steilem Satteldach und Treppengiebel und mit einem Spitzbogenportal zum Marktplatz hin, das 1415 errichtet wurde (dendrochronologische Datierung) und 1618 und noch einmal im 18. Jh. umgebaut wurde. Heute beherbergt das Haus das Restaurant / Café Ratsstube. Links oberhalb des Spitzbogenportales befindet sich das linksgewendete Wappen der Familie von Rein, in Silber ein schreitendes schwarzes Lamm, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silberner Flug, dazwischen das schreitende schwarze Lamm. Das Wappen wird beschrieben im Schragschen Geschlechterbuch, im Siebmacher Band BayA1 Seite: 173 und Tafel: 178, im Band BayA3 Seite 37, im Alberti Seite 626 und bei Schöler, Familienwappen Seite 86 f. und Tafel 102 Nr. 10. Die Stammreihe bei Schrag beginnt mit Gottfried vom Rein 1331. Die fränkische Familie ist im 16. Jh. erloschen.

 

Das Haus am Markt 6 ist ein dreigeschossiger verputzter Giebelbau mit steilem Satteldach und Treppengiebel, zur Straße hin, aus dem oben ein Kranbalken ragt. Das im Kern aus dem 15./16. Jh. stammende Haus wurde nach Beschädigungen 1946 teilweise wiederaufgebaut. Heute ist hier Apollo Optik.

 

Unter den Fenstern des ersten Obergeschosses befindet sich auf der linken Seite ein "Wagner 1628" bezeichnetes Wappen, geviert, Feld 1 und 4: in Blau ein goldener, gekrönter Greif oder Löwengreif (?), der in seinen Vorderpranken ein sechsspeichiges Rad hält, Feld 2: in Silber zwei rote Balken, Feld 3: rot-silbern im Schrägzinnenschnitt schräggeteilt, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken die Figur aus Feld 1 (Beschreibung nach Augenschein, Hinweise zu Literaturquellen willkommen).

Rothenburg erwacht - die Touristen sind alle noch beim Frühstück, man genieße die Ruhe vor dem Sturm.

Literatur:
Siebmachers Wappenbuch
Aschaffenburger Wappenbuch
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Willi Sauer, Wolfgang Kootz, Rothenburg ob der Tauber, Stadtführer, Edm. von König-Verlag Heidelberg 1981
Karl Borchardt, Rothenburger Wappenb
uch. Patrizier und Ehrbare: Die Wappen im Geschlechterbuch des Johann Friedrich Christoph Schrag (1703–1780) zu Rothenburg ob der Tauber. J. Siebmachers großes Wappenbuch, Neue Folge: Die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Bd. 3; 2007. 208 S. mit 402 farb. und 1 s/w-Abb., Festeinband, ISBN: 978-3-87947-117-1
Liste der Baudenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Rothenburg_ob_der_Tauber/Kernstadt

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