Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 212
Freie Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber (Franken)

Rothenburg ob der Tauber - Wappen entlang der Altstadt-Straßen (Teil 2)

Staudt'sches Haus in der Herrngasse 18, Nicolaus Philipp von Staudt, 1701. Die Familie wurde 1703 geadelt. Ihre Familienwappen tauchen in Rothenburg häufig auf. Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein rotgekleideter Mannesrumpf mit silbernem Kragen, auf dem Kopf eine rote, silberngestulpte Spitzmütze (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Blau einwärts ein goldener Löwe, in der rechten Pranke einen gestürzten silbernen Trinkbecher haltend, auf dem gekrönten Helm mit rot-blau-goldenen Decken ein schwarzer Doppeladler. Für die beiden Brüder Nikolaus Philipp und Johann Balthasar Staudt zu Rothenburg, ersterer Mitglied des Inneren Rates, letzterer Lizentiat beider Rechte und Ratskonsulent, wurde von Kaiser Leopold I. am 26.7.1700 zu Wien ein Adelsbrief ausgestellt. Das Wappen wird vorbehaltlich kleinerer Variationen beschrieben im Geschlechterbuch des J. F. Chr. Schrag, im Siebmacher Bay Seite: 117 Tafel: 143; Bg4 Seite: 39 Tafel 46 und bei Schöler, Familienwappen Seite 101 und Tafel 117 Nr. 11. Im Siebmacher Bay Seite 117 werden die Helmdecken als rechts rot-golden (sollen wohl rot-silbern sein), links blau-golden angegeben. Ein weiteres Wappen findet sich am Topplerschlößchen im Taubertal.

Staudt'sches Haus oder auch Staudthof genannt, in der Herrngasse 18. Das ehemalige Patrizierhaus ist ein dreigeschossiger, verputzter Traufseitbau mit Sattel- und Halbwalmdach. Es besteht aus zwei zusammengelegten Einzelbauten, die im Kern vor 1400 und in der zweiten Hälfte des 16. Jh. entstanden und später verändert wurden (Jahreszahlen 1678, 1701 und 1772 am Gebäude).

 

Wappen der Familie Bezold / von Bezold von 1773 am Hotel Eisenhut in der Herrngasse 4. Die Familie stammt aus Gollachostheim, wurden in Rothenburg Ratsherren, es gibt viele Grabmäler mit ihrem Wappen. Über einem blauen, in der Lit. auch als schwarz angegebenen Schildfuß, belegt mit einem goldenen (nach Schrag schwarzen) Tatzenkreuz, in Gold ein aus der Teilung hervorkommender blau gewandeter barhäuptiger Mann mit einer naturfarbenen (braunen) Tuchmacherbürste in der Rechten, mit einer goldenen Gürtelschärpe, mit goldenem Kragen und ebensolchen Aufschlägen und Knöpfen. Auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken wachsend der Mann mit der Tuchmacherbürste. Das Wappen wird außer bei Schrag noch im Siebmacher Bay Seite: 69 f. Tafel: 76 beschrieben, abweichend ein schwarzer Schildfuß mit goldenem Tatzenkreuz, der Mann im Profil, auf dem Helm eine Krone, ähnlich bei Schöler, Familienwappen Seite 32 und Tafel 121 Nr. 6. Weiterhin Siebmacher Bg1 Seite 21 Tafel 22 abweichend mit einer Schaufel (mißverstandene Tuchmacherbürste) in der Rechten des Mannes und an Stelle des Tatzenkreuzes nach der Beschreibung, freilich nicht nach der Zeichnung ein Stern. Wieder anders Band: Bg5 Seite: 5 Tafel: 6, mit einem Tannenzapfen. Vgl. auch Band: Bg3 Seite: 20 Tafel: 22. Die Stammreihe beginnt im 16. Jh. mit Hans Bezolt, Schultheiß zu Obernbreit. Ein weiteres Wappen dieser Familie ist im Spitalbereich zu finden.

Wappen Göttlingk, Göttling am Hotel Eisenhut in der Herrngasse 4, datiert auf 1680. Es zeigt in Rot auf silbernem Dreiberg einen goldenen, gezinnten Turm mit einem Tor und einem Fenster darüber, beseitet von zwei goldenen Sternen, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein stehender silberner, rotbewehrter Schwan. Das Wappen wird bei Schrag abgebildet, nach dieser Vorlage findet es sich auch im Siebmacher Band: Bg1 Seite: 24 Tafel: 27, der Turm jedoch naturfarben, das Tor schwarz, ein schwarzes Fenster, die Sterne sechsstrahlig, weiterhin im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 52 Tafel: 34, jedoch dort abweichend der Turm ganz silbern, das Tor schwarz, zwei schwarze Fenster, die Sterne sechsstrahlig, der Schwan gekrönt. Bei Schöler, Familienwappen Seite 50 und Tafel 30 Nr. 11 ist der Turm naturfarben und ohne Tor, das Fenster ist silbern, die Sterne sind achtstrahlig. Die Stammreihe beginnt mit Johann Göttlingk, Stadtschreiber zu Großen Salz im Erzstift Magdeburg 1521. In Rothenburg ansässig war Nikolaus Göttlingk (Initialen "NG" am Haus) , dessen 14 Geschwister bei der Erstürmung Magdeburgs am 10.5.1631 umkamen. Ein weiteres Wappen für Nikolaus Göttlingk ist im Spitalbereich zu finden.

Ein redendes Wappen Krebs von 1571 am Hotel Eisenhut in der Herrngasse 4, in Silber ein roter aufrechter Krebs. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre nach dem Schragschen Geschlechter- und Wappenbuch auf dem Helm mit rot-silbernen Decken zwei rote Krebsscheren. Die Stammreihe beginnt im 16. Jh. mit Johann Krebs. Weiterhin ist das Wappen im Siebmacher Si5 247 abgebildet. Ein weiteres Wappen dieser Familie ist im Spitalbereich zu finden. Das Motiv ist kein Unikat, ebenso gibt es diesen Schild für eine Luzerner Familie Krebser, für eine Familie Krebs im Siebmacher Band: SaA Seite: 93 Tafel: 59 und für die Familie Cryfftz, Cryfts, Krieffts oder auch Krevers (= Krebs) in Bernkastel-Kues. Alle drei vorgenannten Wappensteine befinden sich am selben Haus, einem dreigeschossigen Giebelbau mit steilem Satteldach und Fachwerkobergeschoß und in Fachwerk ausgeführtem Giebel, bez. 1564 und 1571.

Wappen am Giebel des alten Teils des Rathauses. Oben sehen wir den schwarzen, golden gekrönten Königsadler, den die Reichsstadt Rothenburg führte, unten separiert die beiden Teile des Wappens des Königreichs Böhmen, in Rot ein silberner, doppelschwänziger, gekrönter Löwe, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein schwarzer, mit zwei Reihen gestürzter silberner Lindenblättchen bestreuter Flug.

 

Am im Kern aus dem 15. Jh. stammenden ehemaligen Patrizierhaus in der Oberen Schmiedgasse 1, einem dreigeschossigen Eckbau neben dem berühmteren Baumeisterhaus mit steilem Satteldach und mit Treppengiebel befindet sich ein auf das Jahr 1692 datierter Wappenstein mit einer umfangreichen Inschrift, welche die Ehepartner Philipp Bernhard Schwarzmann und Catharina Maria geb. (N = nata) Erhard nennt. Im Innern ist das Haus modern ausgebaut.

Bei dem Wappen handelt es sich um ein in einem gespaltenen Schild zusammengeschobenes Ehewappen. Die heraldisch rechte Hälfte und die Helmzier darüber stellen das gewendete Wappen Schwarzmann dar, in Silber die Dreiviertelfigur eines schwarzgekleideten Mannes mit roter Zindelbinde, deren Enden nach rechts abflattern, den linken Arm abgewinkelt, den rechten eingestemmt, in der Linken drei silberne Pfeile mit rotem Flitsch haltend (Motiv gespiegelt), auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend die Schildfigur. Eine qualitativ bessere Darstellung findet sich in der Herrngasse 7 (siehe dort). Das Wappen Erhard wird im Schragschen Geschlechterbuch abgebildet, in Silber wachsend ein blaugekleideter Mann mit Schärpe, auf dem Haupt eine blaue Zipfelmütze, den rechten Arm abgewinkelt, den linken eingestemmt, in der Rechten einen hier goldenen Streitkolben haltend, auf dem Helm wachsend die Schildfigur, mit leichten farblichen Differenzen. Das Wappen wird ferner beschrieben im Siebmacher Si5 252 Rothenburgische und bei Schöler, Familienwappen Seite 42 und Tafel 118 Nr. 7. Bei Schrag beginnt die Stammreihe mit Nikolaus Erhart aus Mainbernheim, der im 16. Jh. lebte. Hier sind beide Männer blau gestrichen, doch muß der eine (redendes Wappen: schwarzer Mann) korrekterweise schwarz sein.

 

Das zuvor beschriebene Wappen wird von zwei weiteren, in einem zeitlich früheren Stil ausgeführten Wappensteinen flankiert. Das eine (Abb. links) ist silbern-rot dreimal gesparrt, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silberner, beiderseits mit einem roten Balken belegter Flug, das ist das Wappen der Familie Geissendörfer. Der andere Stein zeigt einen roten Schild mit einem erniedrigten, silbernen Sparren, auf dessen Spitze ein silberner, sechszackiger Stern steht, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend ein Frauenrumpf, rotgewandet und mit hinten herabhängendem goldenem Haarzopf und mit silberner Kopfbinde, das ist das Wappen der Familie Creglinger. Das Wappen wird im Schragschen Geschlechterbuch abgebildet, weiterhin wird es abgebildet im Siebmacher Si 5 249 Rothenburgische und im Siebmacher BayA2 Seite 102 Tafel 74, recte Tafel 64, nach der Beschreibung (und entgegen der Zeichnung) mit heidnisch gekröntem Helm und rotgekleidetem Mannesrumpf mit goldengestulpter Zipfelmütze, was der hiesigen Darstellung nicht entspricht, weiterhin im Siebmacher Bg2 Seite: 5 Tafel: 8 Nördlingen, dort ein durchgehender Sparren ohne Stern und ein Mannesrumpf mit flachem Hut. Weitere Darstellungen finden sich im Alberti Seite 113 und bei Schöler, Familienwappen Seite 37 und Tafel 28 Nr. 12.

Eine moderne, in Blech ausgeführte Darstellung des Wappens Geissendörfer wird an der Gebäudeecke als Auslegerschild verwendet. Im Gegensatz zur Darstellung am Haus selbst, das dreimal gesparrt ist, haben wir hier eine Teilung mehr, es handelt sich um zwei Sparren. Ein weiterer Unterschied ist das Paar Schwarzer Büffelhörner zwischen dem Flug des Kleinodes. Im Siebmacher findet sich das Wappen unter der Schreibweise Geisendorfer mit drei sparrenweisen Teilungen, also wie im alten Wappenstein, im Band: BayA3 Seite: 181 Tafel: 128 für die Rothenburger Familie, jedoch auch mit den Büffelhörnern in der Helmzier, vgl. auch das hinsichtlich des Schildes ähnliche Wappen einer gleichnamigen Familie in Nürnberg im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 99 Tafel: 98, aber mit einer gänzlich anderen Helmzier.

 

Ein besonders stattliches ehemaliges Patrizierhaus steht am Markt 3. Der viergeschossige Eckbau mit Krüppelwalmdach und Spitzbogenportal ist bis inclusive des zweiten Obergeschosses massiv und erst ab dem dritten Obergeschoß in unverputztem Fachwerk ausgeführt, das auch den Giebel bestimmt. Das im Kern aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. stammende und im 16. und im 18. Jh. umgebaute Haus ist so groß, daß es einen Innenhof mit Laubengang besitzt. An der Ecke ist eine Figur unter einer Fiale angebracht. Über dem Spitzbogenportal befindet sich ein Wappenstein der Familie Hipler, in Rot ein silberner Schrägbalken, belegt mit zwei naturfarbenen Fischen, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken zwei aufrechte, naturfarbene Fische auswärtsgekehrt. Das Wappen wird im Schragschen Geschlechterbuch abgebildet, aber dort ist der Schrägbalken leicht gewellt. Eine weitere Darstellung findet sich im Siebmacher Si5 250 Rothenburgische.

 

An diesem Gebäude befindet sich über dem Eingang das Wappen der Familie Held, in Rot ein goldener Löwe, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein Flug, rechts schwarz-silbern, links silbern-schwarz geteilt, und dazwischen wachsend ein geharnischter Mann mit Spitzhelm, den rechten Arm abgewinkelt, den linken eingestemmt, in der Rechten nach der Darstellung im Schragschen Geschlechterbuch noch ein Schwert schwingend, welches hier offensichtlich verlorengegangen ist. Weitere Beschreibungen und Abbildungen des Wappens Held finden sich im Siebmacher Band Bg1 Seite: 49 Tafel: 67 und bei Schöler, Familienwappen Seite 56 und Tafel 74 Nr. 2. Bei Siebmacher Bg1 Seite 49 Tafel 67 weichen Beschreibung und Zeichnung voneinander an, laut Text ist der Gerüstete nicht mit Stechhelm, sondern mit Krone ausgestattet, ferner ist nach Beschreibung und Zeichnung der offene Flug schwarz-silbern geteilt, was hier nicht zutrifft.

mittelalterliche Romantik: Stadtmauer-Abschnitt im Morgenlicht

Literatur:
Siebmachers Wappenbuch
Aschaffenburger Wappenbuch
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Willi Sauer, Wolfgang Kootz, Rothenburg ob der Tauber, Stadtführer, Edm. von König-Verlag Heidelberg 1981
Karl Borchardt, Rothenburger Wappenb
uch. Patrizier und Ehrbare: Die Wappen im Geschlechterbuch des Johann Friedrich Christoph Schrag (1703–1780) zu Rothenburg ob der Tauber. J. Siebmachers großes Wappenbuch, Neue Folge: Die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Bd. 3; 2007. 208 S. mit 402 farb. und 1 s/w-Abb., Festeinband, ISBN: 978-3-87947-117-1
Liste der Baudenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Rothenburg_ob_der_Tauber/Kernstadt

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