Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 193
Röttingen (Franken)

Röttingen, St. Georgskapelle

Die Kapelle St. Georg (Friedhofskapelle) wurde im 16. Jh. erbaut. Die Stifterinschrift nennt 1588 als Jahr des Baubeginns und der Vollendung. Die "erbarn und weijse" Bürger Christoph Ziegler und Hans Hoffmann werden in der Inschrift darüber hinaus als Erbauer ("Baumeinster") benannt. Michel Niclas ist laut Text der Bildhauer. Das Portal zieren drei Wappenkartuschen im Stile der Renaissance, die das gleiche inhaltliche Programm haben wie das Wappen am Rathaus etliche Jahrzehnte später:

Ganz oben ist das Wappen des obersten Bauherrn, des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn. Das Wappen ist geviert. 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. 2 und 3: Echter von Mespelbrunn, in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen. 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Linkerhand tiefer, heraldisch rechts ist das des damaligen Amtmannes. Vom 14. Jahrhundert an war Röttingen Sitz eines Würzburger Amtmannes. Das Wappen zeigt in Silber ein schwarzes Bockshorn, hier aus Courtoisie gewendet. Das Schildbild kommt in Franken gleich bei drei Familien vor: Kottwitz von Aulenbach, von Adelsheim und von Fechenbach. Die Zuordnung ist noch unklar.

Rechterhand tiefer, heraldisch links befindet sich eine Wappenkartusche mit dem Stadtwappen von Röttingen, in Rot ein silberner Geharnischter, an der Linken an einem Riemen hängend ein silberner Schild mit einem durchgehenden roten Kreuz, auf der Brust das rote Kreuz wiederholt, in der Rechten ein silbernes Gonfanon mit einem roten durchgehenden Kreuz an einem goldenen Stab. 1275 erlangte Röttingen Stadtrechte.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:

Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779

Literatur:
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Siebmachers Wappenbuch
http://www.roettingen.de/

Rathaus - Julius-Echter-Stift - Portal St. Georg

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein

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