Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 188
Iphofen (Landkreis Kitzingen, Unterfranken)

Iphofen, Zehntkeller (Bahnhofstraße 12)

Bereits 1486 wird an dieser Stelle ein "Mönchshof" ("Mönchshove") des Augustinerchorherrenstifts Birklingen erwähnt. Im Bauernkrieg wurde das Kloster zerstört, und die Mönche fanden hier Obdach. 1545-1723 war hier das fürstbischöfliche Amtshaus, davon zeugt ein Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn am Torbogen (reines Familienwappen). Weil hier der fürstbischöfliche Wein gelagert wurde, heißt das Gebäude auch "Zehntkeller". 1723-1727 war das Gebäude - ein Vorgänger des heutigen - im Besitz der Stadt Iphofen, danach kam es an das Juliusspital Würzburg. 1727 wurde das jetztige Gebäude im Stile des Barocks als zweigeschossiger Mansarddachbau mit geohrten Fensterrahmungen, umlaufenden Geschoßgesims und mit Eckquaderung errichtet, Bauherr war der Würzburger Fürstbischof Christoph Franz von Hutten (reg. 1724-1729) für das Juliusspital. Hier war bis zum Jahre 1806 der Amtssitz des Centgrafen und Sitz des Centgerichts. 1850 wurde das Anwesen an einen Privatmann verkauft. Heute ist das barocke Gebäude, das seit drei Generationen im Besitz der Familie Seufert ist, ein Hotel.

Wappen des Christoph Franz von Hutten (1724-1729) über der spätbarocken Einfahrt zum Anwesen, flankiert von zwei Vasenaufsätzen. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Feld 2 und 3: von Hutten, in Rot zwei goldene Schrägbalken. Helmzier wäre ein wachsender bärtiger Männerrumpf, rot gekleidet mit goldenen Aufschlägen, auf dem Kopf eine mit drei Hahnenfederbüschen an der Spitze und im Stulp geschmückte rote Spitzmütze mit goldenem Aufschlag. Helmdecken rot-golden. Dazu wären die Helme des Hochstifts und des Herzogtums zu Franken möglich. Hier ist stattdessen der Fürstenhut gewählt worden.

Die Freiherren von Hutten:
In dieser Familie gibt es viele Personen, die in der Geschichte eine herausragende Rolle gespielt haben. Bischöfe, Offiziere, Äbte, hohe Beamte - die Freiherren von Hutten machten Geschichte. Urahn ist Freiherr Rudolph von Hutten, 1179 AD. Das Geschlecht der Freiherren von Hutten spaltete sich unter seinen Enkeln, Frowin und Friedrich, in zwei verschiedene Linien auf.

Wappen der Hutten von Steckelberg: In Rot zwei goldene Schrägbalken, selten eine Linie mehr und damit fünfmal rot-golden schräggeteilt. Helmzier ein offener roter Flug, beiderseits mit zwei goldenen Schrägbalken belegt, sparrenweise gegeneinander gewendet. Helmdecken rot-golden.

Linie der Hutten von Steckelberg: Begründet von Friedrich, benannt nach Burg Steckelberg bei Schlüchtern, ihrem Stammsitz seit dem 13. Jh. Im Mittelalter u. a. als Raubritter bekannt. Die Steckelburg wurde schließlich als Raubnest geschleift. Einige Mitglieder der Familie sind in Gewalttaten verwicklet. Der Familienbesitz lag in Steckelburg, Schlüchtern, Volmers etc., dazu im Sinngrund und im Jossatal. Die Linie erlosch 1422 und wird von der Gronauer Linie fortgesetzt. Der berühmteste Vertreter dieser Linie ist Ulrich von Hutten, der Humanist und Reformationskämpfer, der auch maßgeblich an der Vertreibung Herzog Ulrichs von Württemberg beteiligt war.

Wappen der Hutten von Stolzenberg und Frankenberg (hier): In Rot zwei goldene Schrägbalken, selten eine Linie mehr und damit fünfmal rot-golden schräggeteilt. Helmzier Rumpf eines bärtigen Mannes, rot gewandet, mit einer silbernen Mütze, rot gestulpt, oben und an beiden Seiten mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Farbliche Variationen der Mütze möglich. Helmdecken rot-golden.

Linie der Hutten von Stolzenberg und Frankenberg (hier): Gegründet von Frowein, brachte im 14. Jh. die Burg Stolzenberg, eine fuldische Burg über dem Tal der Kinzig, an sich und benannte den Familienzweig nach seiner neuen Stammburg. Auch diese Burg wird 1252 zerstört, auch hier darf als Grund Raubrittertum angenommen werden. Der Familienbesitz der Stolzenberger Linie lag im wesentlichen in Romsthal, Eckardroth, Kerbersdorf, Marborn, Wahlert, Steinbach. Weiterhin hatte die Familie die Amtmannschaft Arnstein inne, dazu Birkenfeld im Kanton Baunach. Das hohe Ansehen der Familie liegt aber in den erstaunlich vielen und hochangesehenen Klerikern begründet, die die Familie hervorbrachte: Moritz v. H., Bischof von Eichstätt (1539-1552), Dompropst von Würzburg, Philipp von Hutten, Gouverneur in Venezuela, gest. 1546, Christoph Franz v. H., Bischof von Würzburg, Peter Philipp v. H., Domscholaster von Würzburg, Franz Christoph v. H., Bischof von Speyer (1743-1770), 1769 Kardinal etc. Die Familie stellte weiterhin drei Ritterhauptleute in den Kantonen Baunach und Odenwald.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:

Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779

Literatur:
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Siebmachers Wappenbuch
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
http://www.zehntkeller.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Iphofen
http://www.iphofen.de/sehenswuerdigkeiten,273.html
Informationstafel am Objekt

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