Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 145
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Stiftskirche St. Peter und Alexander: Dietrich (Theoderich) Schenk von Erbach

In der Stiftskirche St. Peter und Alexander ist an der Südwand des Chores direkt neben dem südöstlichen Vierungspfeiler das frühbarocke Epitaph für den Mainzer Fürstbischof Dietrich Schenk von Erbach (lebte 1390-6.5.1459) angebracht. Dieser war der Sohn von Eberhard Erzschenk von Erbach und amtierte seit 6.7.1434 als Erzbischof von Mainz, deutscher Erzkanzler und Kurfürst, und er ist gestorben am 6.5.1459. Seine Amtzeit war geprägt durch heftige Auseinandersetzungen zwischen Papst und Baseler Konzil, wo er eine ausgleichende und vermittelnde Rolle zu spielen versuchte. Dennoch kam es zu einer Suspendierung und Absetzung des Papstes Eugen IV., ein kirchengeschichtlich äußerst interessanter Vorgang. Unter von Erbachs Vermittlung kam es in der Angelegenheit dann doch noch zu einer gütlichen Einigung. Auf drei Synoden in Mainz und zweien in Aschaffenburg sorgte er für Ordnung in seinem Erzbistum. In seine Amtszeit fällt das wichtigste Ereignis in Mainz, das die Nachwelt weit stärker und nachhaltiger beeindruckte und beeinflußte als alle Taten aller Mainzer Erzbischöfe zusammen: Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg.

Das Epitaph paßt stilistisch gar nicht zu den Lebensdaten des Kurfürsten; in der Tat entstand es erst rund 150 Jahre nach dessen Tod und ist eine Arbeit von Hans Juncker und ersetzte1607/08 eine im Markgräflerkrieg zerstörte spätgotische Tumba. Der Aufbau ist streng, ein Zentralfeld mit der Hochrelieffigur des Erzbischofs wird von zwei Spalten Ahnenwappen zu je 8 Schilden flankiert. Oben enthält ein halbrunder Aufsatz das von zwei Putten gehaltene Amtswappen des Erzbischofs.

Die Inschriftenkartusche unter dem Zentralfeld enthält den Text: "THEODORIC(VS) PINCERNA AB ERBACH ARCHIEP(ISCOPV)S MOGVNTI(NVS) S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) PER GERMA(NIAM) ARCHICANCEL(LARIVS) ET PRIN(CEPS) ELECTOR ARCIEPISCOPATV(M) INIIT A(NN)O 1434 PRID(IE) NO(NAS) IVLII ADMINISTRVIT AN(NOS) 24 MENS(ES) 10 RELIQ(VI)T BEATA IMMORTALITATE FRVITVRVS A(NN)O 1459 PRID(IE) NO(NAS) MAII REQ(VI)ESCIT IN HOC SS(ANTISSIMORVM) PETRI ET ALEXANDRI COLLEGIO QVOD IMPENSE COLVIT SEMPER ET DOTAVIT INTER PIISSIMOS FVNDATORES TVMVLATVS" - Der Mainzer Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach, Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches für Deutschland und Kurfürst übernahm das Erzbischofsamt im Jahre 1434 am Vortage der Nonen des Juli und verwaltete es 24 Jahre lang und 10 Monate und ließ es dann zurück und genoß die selige Unsterblichkeit ab dem Jahre 1459, dem Vortage der Nonen des Mai, er ruht in diesem Stift der Heiligen Peter und Alexander, die er immer sehr verehrte und reich bedachte, und er ist selbst inmitten der frommen Gründer bestattet.

Ganz oben sehen wir das Wappen des Kurfürsten Dietrich Schenk von Erbach, geviert aus dem silbernen, achtspeichigen Mainzer Rad in den roten Feldern 1 und 4 sowie dem Wappen der Grafen von Erbach in den Feldern 2 und 3, rot-silbern geteilt, oben zwei silberne Sterne und unten ein roter Stern. Drei Helme werden zu einem hinter dem Schild aufrecht stehendem aber oben abgebrochenen Vortragekreuz und den hinter dem Schild schräggekreuzten Amtsinsignien Schwert und Krummstab geführt: Helm 1 (Mitte): auf einem roten Kissen mit goldenen Quasten eine Inful für die Bischofswürde, Helm 2 (rechts): auf einem roten, hermelingestulpten Hut ein aufrecht stehendes, silbernes, achtspeichiges Rad für das Hochstift Mainz, Helm 3 (links): ein Paar Büffelhörner, silbern-rot übereck oder rot-silbern geteilt (wie hier) oder rot und silbern, Stammkleinod der Grafen von Erbach, bereichert um zwei Fähnchen, eigentlich silbern und mit rotem Balken, die für die Breuberg'sche Erbschaft stehen, hier vereinfacht rot-silbern geteilt. Die Helmdecken sind sämtlich rot-silbern, haben doch Mainz und Erbach die selben Farben.

   

Die überlebensgroße Figur des Erzbischofs in vollem Ornat wird in zwei Spalten von einer 16er-Ahnenprobe begleitet, die optisch linke Spalte für die Ahnen väterlicherseits enthält die Familien Grafen von Erbach (rot-silbern geteilt mit drei (2:1) Sternen in verwechselten Farben), Grafen von Sponheim (blau-golden geschacht, hier fälschlicherweise schwarz-golden), Herren von Weinsberg (in Rot drei (2:1) silberne Schildchen), Herren von Bolanden (korrekt wäre: in Gold ein rotes Rad, hier fälschlicherweise in Blau ein silbernes Rad, die Farben der Linie Falkenstein), Grafen von Erbach (wie zuvor), Brück (Brucken, in Silber in drei Reihen je vier rote Rauten, normalöerweise durchgehend gerautet), Steinach (blau-silber gespalten), Grafen von Limburg (in Rot en goldengekrönter silberner Löwe, korrekt wären die Farben genau anders herum).

Die optisch rechte Spalte zeigt die mütterlichen Ahnen aus den Familien der Herren von Bickenbach (in Rotschrägbalkenweise zwei Reihen aneinanderstoßender silberner Rauten), Grafen von Ysenburg (fünf mal silbern-schwarz geteilt, richtig wären zwei schwarze Balken, also ist hier eine schwarze Fläche zuviel), Grafen von Ziegenhain (hier fälschlicherweise blau-golden geteilt, oben mit einem silbernen Stern, korrekt wären jedoch die Tinkturen Schwarz und Gold; außerdem ist dieses Wappen sowieso falsch, weil hier dasjenige der von Bommersheim gen. Zenichin hin müßte, diese führten in Silber zwei abgewendete rote Bogenpfähle, jeder belegt mit drei goldenen Kugeln, oben begleitet von einem schwarzen Stern), Grafen von Rieneck (in Gold fünf rote Balken; hat zu viele Teilungslinien, dieses Wappen ist außerdem fehl am Platze, weil hier dasjenige der Herren von Falkenstein stehen müßte, die in Blau ein silbernes Rad führten), Hohenberg (hier fälschlicherweise golden-blau geteilt, oben nebeneinander drei rote Rauten, korrekterweise müte die obere Feldfarbe Silber sein), Grafen von Castel (hier fälschlicherweise golden-rot geviert, korrekt wäre rot-silbern), Grafen von Hanau (in Gold drei rote Sparren), Grafen von Wertheim (geteilt, oben in Gold ein aus der Teilung wachsender, schwarzer Adler; unten in Blau drei (2:1) silberne Rosen. Das Wappen ist hier fehl am Platze, denn hier müßte das der Herren von Hohenlohe stehen, in Silber zwei schwarze Leoparden übereinander).

Mit der Genauigkeit nahm man es hier nicht so ganz ernst,wie die Anmerkungen zu den einzelnen Familien zeigen; nicht nur stimmen die Tinkturen und schlecht bis gar nicht mit den tatsächlich geführten Wappen überein, sondern die Ahnenprobe als solche muß leider ebenfalls in Zweifel gezogen werden.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten:
Johann von Luxemburg-Ligny (1371-1373)
Ludwig von Meißen (1374-1381)
Adolf I. von Nassau (1381-1390)
Konrad II. von Weinsberg (1390-1396)
Johann II. von Nassau (1397-1419)
Konrad III. von Dhaun (1419-1434)
Theodorich (Dietrich) Schenk von Erbach (1434-1459)
Diether von Isenburg (1459-1461)
Adolf II. von Nassau (1461-1475)
Diether von Isenburg (1475-1482)
Adalbert III. von Sachsen (1482-1484)
Berthold von Henneberg (1484-1504)
Jakob von Liebenstein (1504-1508)
Uriel von Gemmingen (1508-1514)
Kardinal Albrecht von Brandenburg (1514-1545)
Sebastian von Heusenstamm (1545-1555)
Daniel Brendel von Homburg (1555-1582)
Wolfgang von Dalberg (1582-1601)
Johann Adam von Bicken (1601-1604)

Literatur, Links und Quellen:
Liste der Baudenkmäler in Aschaffenburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Aschaffenburg
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 60-62
Stiftskirche Aschaffenburg, Schnell-Kunstführer Nr. 230, 8. Auflage 2003, Verlag Schnell & Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4193-5
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von der Kath. Kirchenstiftung St. Peter und Alexander, 23.1.2007
Stiftspfarrei St. Peter und Alexander:
http://www.stiftsbasilika.de/
Stiftsbasilika:
http://www.stiftsbasilika.de/basilika/ - http://www.stiftsbasilika.de/basilika/kirchenraum
Pfarreiengemeinschaft St. Martin:
http://www.st-martin-aschaffenburg.de/index.html
Siebmachers Wappenwerk, Band Bistümer
W. Becher, A. F. Wolfert: Die Ahnenwappen des Mainzer Erzbischofs Dietrich Schenk von erbach (+1459) auf seinem Epitaph in der Aschaffenburger Stiftskirche, in: AJb 5, 1972, S. 303-314.
Dietrich Schenk von Erbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Schenk_von_Erbach
Philipp Walther: Dietrich Schenk von Erbach, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 185 f. - online:
www.deutsche-biographie.de/pnd102040109.html - http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016319/images/index.html?seite=693
Walter Kaemmerer: Dietrich von Erbach, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 679 f. - online:
https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Dietrich_(Erzbischof_und_Kurfürst_von_Mainz)
Dietrcih Schenk von Erbach in der Personendatenbank zu Germanis Sacra:
http://personendatenbank.germania-sacra.de/index/gnd/102040109

Die Wappen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Wappen der Grafen von Erbach
Haus Isenburg und Isenburg-Büdingen - Die Entwicklung des Hessischen Wappens

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