Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 138
Aschaffenburg (Regierungsbezirk Unterfranken)

Stiftskirche St. Peter und Alexander: Phillip Brendel von Homburg

An den Pfeilern des Mittelschiffes der Aschaffenburger Stiftsbasilika St. Peter und Alexander befinden sich reichgestaltete Epitaphien, meist von kurmainzischen Hofbeamten und Kanonikern des Stifts. Das hier vorgestellte, am 5. nördlichen Langhauspfeiler auf dessen Südseite angebrachte, äußerst pracht- wie kunstvoll gestaltete Grabdenkmal der Spitzenklasse aus der Zeit der Renaissance erinnert an den am 6.6.1573 verstorbenen Phillip Brendel von Homburg. Hier ist der Mainzer Vizedomus als vollplastische Standfigur in kompletter Rüstung unter einem Rundgiebel dem Betrachter zugewandt dargestellt, ganz leicht aus der Frontalen herausgedreht, was am meisten durch das leicht angewinkelte und auswärts gedrehte linke Bein deutlich wird. Lediglich den Helm hat er abgesetzt und neben seinem rechten Fuß abgestellt. Die Rechte ist eingestemmt; die Linke ergreift den Schwertgriff, eigentlich eine nur scheinbar kampfbereite Haltung, denn in wirklich kämpferischer Absicht würde er das Schwert mit der Rechten ergreifen, um es ziehen zu können. Durch Positionierung der Linken am Schwertgriff wird so lediglich eine fixierende Geste dargestellt. Das Grabdenkmal wurde von Endres Wolff angefertigt. Insgesamt sind 5 Wappen an diesem Grabdenkmal, vier in der Ahnenprobe und zusätzlich das Stammwappen Brendel von Homburg noch einmal ganz oben drüber. Das Epitaph besteht aus zwei verschiedenen Steinsorten; der überwiegende, obere Teil besteht aus einem grünen Sandstein, aber die Sockelzone ist aus rotem Sandstein gefertigt.

 

Die Familie wird um die Mitte des 14. Jh. unter den Ganerben zu Reiffenberg bei Usingen genannt. Seit 1449 besaßen sie die Burg Gräveneck bei Weilburg. Weitere Güter lagen bei Dietz, Hadamar, Limburg, Niederhamar, Niederahlbach. Zwei Hauptlinien hatte die Familie. Die nassauische Linie erlosch 1582 mit Joachim Brendel von Homburg, die in Homburg vor der Höhe ansässige Linie 1630 mit Joachim Brendel von Homburg, und damit das gesamte Geschlecht. Das berühmteste Mitglied der Familie ist Daniel Brendel von Homburg, Mainzer Fürsterzbischof 1555-1582, Bruder des Phillip Brendel von Homburg.

Die dem Bogen folgende Inschrift im Giebel, die an den Seitenstücken zweizeilig, im Bogen aber dreizeilig ist, ist in deutscher Sprache und lautet: "ANNO 1573 DEN 6. TAG IVNY STARB GAR CHRISTLICH DER EDELL VND EHRNVEST PHILIPS BRENDEL VON HOMBURG ME(I)NTZISCHER VIZTUM ZV ME(I)NTZ DEM GOTT V(N)D VNS ALLE(N) GENEDIG SEY AMEN".

Die Inschrift im Sockelbereich zwischen den beiden unteren Wappen der Ahnenprobe ist lateinisch sowie religiös-philosophischen Inhalts und lautet: "DECIPIMVR VOTIS ET TEMPORE FALLIMVR OMNES MORS RIDET CVRAS ANXIA VITA NIHIL INVENI PORTVM SPES ET FORTVNA VALETE NIL MIHI VOBISCVM LVDITE NVNC ALIOS ECCE VIVES LECTOR MIHI QVAE SORS OBTVLIT ILLA CVM MINIME CREDAS TE QVOQ(VE) FATA MANENT".

Ganz oben in der Mitte ist das Vollwappen des Philipp Brendel von Homburg dargestellt, in Gold ein roter Zickzackbalken, auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein goldener, beiderseits mit einem roten Zickzackbalken belegter Flug (Münchener Kalender 1934, Siebmacher Band: NaA Seite: 17 Tafel: 22, Wolfert Tafel 8 Seite 52, 63, 88, 124, 216). Das Vollwappen wird etwas tiefer, seitlich am Ansatz des Bogens, von den beiden ersten und wichtigsten Wappen der Ahnenprobe flankiert. Heraldisch rechts befindet sich das gleiche Wappen wie zuvor beschrieben für den Vater des Verstorbenen, Friedrich Brendel von Homburg, mainzischer Vizedom in Aschaffenburg, und für seinen Großvater väterlicherseits, Johann Brendel von Homburg.

Gegenüber auf der linken Seite ist das Wappen für die Mutter des Verstorbenen zu sehen, das war Margarete Riedesel von Bellersheim, und für den Großvater mütterlicherseits, Henne Riedesel von Bellersheim. Ihr Wappen zeigt in Gold einen schwarzen Eselskopf, mit einer grünen, dreiblättrigen Distel oder einem Büschel Riedgras im Maule, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender schwarzer Eselskopf mit drei grünen Blättern im Maul (Wolfert Tafel 45 Seite 63, 88, Siebmacher Band: He Seite: 22 Tafel: 24).

 

Heraldisch unten rechts ist das einwärts gewendete Wappen für die Großmutter väterlicherseits, Lucia Kalb von Reinheim, geteilt, oben in Gold aus der Teilung wachsend ein roter, blau gezungter und ebenso gekrönter, hersehender Löwe, unten in Silber ein roter Balken, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend ein rot mit silbernen Aufschlägen und ebensolchem Hut bekleideter Mannesrumpf (Wolfert Tafel 41 Seite 29, 52, 88, Zobel Tafel 270 abweichend mit ganzem Löwen).

Unten links ist das Wappen für die Großmutter mütterlicherseits angebracht; das war Margarethe von Carben. Ihr Schild ist geteilt, oben in Gold ein wachsender roter Löwe, unten in Blau eine silberne Lilie, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer, silbern gestulpter Turnierhut, eigentlich noch oben mit einem schwarzen Hahnenfederbusch an silberner Kugel besteckt, was aber hier verloren gegangen ist (Wolfert Tafel 37 Seite 88, 52, Siebmacher Band: NaA Seite: 19 Tafel: 26, Zobel Tafel 62).

Genau die gleiche Ahnenprobe begegnet uns noch zweimal im Rhein-Main-Gebiet für den Bruder des Verstorbenen, den Mainzer Erzbischof Daniel Brendel von Homburg, einmal am Schloß Steinheim, wobei dort die Ahnenprobe nur aus den Wappenschilden ohne Kleinode besteht, und ein weiteres Mal im Mainzer Dom am Epitaph für den Kurfürsten, dort farbig gefaßt und als kleinerer, wichtigerer Teil der in der Aedikula abgetrennten Gruppe der insgesamt 16 Wappendarstellungen.

Literatur, Links und Quellen:
Liste der Baudenkmäler in Aschaffenburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Aschaffenburg
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Seite 52
Stiftskirche Aschaffenburg, Schnell-Kunstführer Nr. 230, 8. Auflage 2003, Verlag Schnell & Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4193-5
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von der Kath. Kirchenstiftung St. Peter und Alexander, 23.1.2007
Stiftspfarrei St. Peter und Alexander:
http://www.stiftsbasilika.de/
Stiftsbasilika:
http://www.stiftsbasilika.de/basilika/ - http://www.stiftsbasilika.de/basilika/kirchenraum
Pfarreiengemeinschaft St. Martin:
http://www.st-martin-aschaffenburg.de/index.html
Anton Ph. Brück, Daniel Brendel von Homburg, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 507 f. - online:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd101059434.html (es handelt sich jedoch nicht um Marg. v. Bubenheim)
Otto Hupp, Münchener Kalender 1934
Brendel von Homburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Brendel_von_Homburg
von Carben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Carben_(Adelsgeschlecht)
Riedesel von Bellersheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Riedesel
Kalb von Reinheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Nieder-Modau
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