Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 125
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Dom zu Würzburg, Sebastian Echter von Mespelbrunn, Epitaph

Dieses Epitaph ist für Sebastian Echter von Mespelbrunn (8.3.1546-7.11.1575), einen Bruder des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn, der ihm dieses Epitaph aufstellen ließ, welches sich am westlichsten Pfeiler im südlichen Seitenschiff befindet. Sebastian Echter von Mespelbrunn wurde am 29.10.1555 im kindlichen Alter von 9 Jahren als Würzburger Domherr aufgeschworen, nachdem Heinrich von Würtzburg durch sein Ableben eine Stelle freigemacht hatte. Diese Präbende gab Sebastian jedoch am 22.10.1569 zurück, mittlerweile 23 Jahre alt und Doktor beider Rechte, und er heiratete nach seiner Resignation Sophia von Seckendorff, die Tochter von Hans Georg von Seckendorff und dessen Frau Susanna von Heßberg. Er war kurmainzischer Amtmann zu Orb und Hausen. Sebastian starb jedoch jung im Alter von nur 29 Jahren, ohne Nachkommen. Das Epitaph trägt das Fertigstellungsdatum 1577 oben in der Mitte unter dem Hauptgesims.

 

Die das ganze rechteckige Zentralfeld ausfüllende Inschrift lautet: "IVLIVS EP(ISCO)P(V)S ET DVX FRANCIAE CARISSIMO FRATRI SVO SEBASTIANO ECHTERO A MESPELBRON(N) VTRIVSQV(E) IVRIS DOCTORI POSVIT VT TIBI CARE MEVM FRATER TESTABOR AMOREM QVI RAPERIS FATVM IVNIOR ANTE MEVM HOC TVA COMPONAM QVOD NVNC LICET OSSA SEPVLCRO PERPETVAS ANIMO CONSTITVAMQ(VE) PRECES MORTE TVA DOLVI LACRYMAS FVDERE PARENTES TV SAPIENS DOCTVS RELLIGIOSVS ERAS SPES ERAT AVXILIO MIHI TE SED VANA FVTVRVM IMPERY DVM ME SARCINA BINA PREMIT O VTINAM PARITER POSSIS VT VIVERE MECVM TEMPRORA SINT VITAE DIMIDIATA MEAE". Im Aufsatz befindet sich das Stammwappen der Familie Echter von Mespelbrunn, das einzige Vollwappen des Epitaphs. Es zeigt in Blau einen silbernen Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Paar blauer Büffelhörner, jeweils belegt mit einem silbernen Schrägbalken, der wiederum mit drei blauen Ringen belegt ist.

 

Sebastian hatte außer dem Fürstbischof Julius noch drei weitere Brüder. Sein Bruder Adolf (30.4.1543-1593) war ebenfalls Dr. iur. utr. und kurmainzischer Rat, ferner war er Amtmann von Prozelten und folgte ihrem Vater als Schloßherr von Mespelbrunn nach, sein Bruder Valentin (21.5.1550-24.9.1624), zuerst auch für den geistlichen Stand bestimmt, war würzburgischer Amtmann zu Aschach, Volkach und Kissingen sowie kaiserlicher Reichshofrat, und der letzte Bruder, Dietrich (1554-1601), war würzburgischer Rat und Amtmann zu Rothenfels, und dieser führte die Hauptlinie der Familie fort. Außerdem hatten diese Brüder noch vier Schwestern, Maria, Magdalena, Margaretha und Cordula. Zum besseren Verständnis der Ahnenprobe, die in zwei Spalten rechts und links der zentralen Inschriftentafel acht Wappenschilde für die acht adeligen Urgroßeltern des Probanden präsentiert, werden hier die Vorfahren der einzelnen Generationen aufgelistet:

Eltern (vermählt 1542 in Hanau):

Großeltern:

Urgroßeltern:

   

Das Wappen heraldisch ganz rechts oben (Abb. oben links, oben) gehört zu den Echter von Mespelbrunn, in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen. Durch dieses Wappen werden der Vater des Probanden, Peter Echter von Mespelbrunn (1520-21.1.1576), Amtmann zu Prozelten, kurmainzischer Geheimer Rat, Reichstagsgesandter, der Großvater väterlicherseits, Philipp Echter von Mespelbrunn jun. (-28.8.1535), und wiederum dessen Vater, Peter Echter von Mespelbrunn (-1511) und wiederum dessen Vater, Hammann Echter von Mespelbrunn, repräsentiert. Das Wappen heraldisch rechts in der oberen Mitte (Abb. oben links, unten) gehört zu den von Habern, in Silber zwei aufrechte, voneinander abgekehrte rote Äxte. Durch dieses Wappen werden die Großmutter väterlicherseits, Cordula von Habern (1487-23.2.1523), und deren Vater, Johann von Habern, repräsentiert. Das Wappen heraldisch rechts in der unteren Mitte (Abb. oben Mitte, oben) gehört zu den von Thüngen, in Silber ein golden-rot fünfmal im Wellenschnitt gespaltener Balken. Hier steht das Wappen für die Urgroßmutter Margaretha von Thüngen, Tochter von Engelhard von Thüngen und Barbara von Rosenberg (-1498), Ehefrau des Urgroßvaters in direkter Stammlinie, Peter Echter von Mespelbrunn (-1511). Das Wappen heraldisch ganz rechts unten (Abb. oben Mitte, unten) gehört zu den Frauenberg zum Hag (Haag), in Rot ein springendes silbernes Roß mit Zaumzeug und Zügeln. Das Wappen steht für die Urgroßmutter des Fürstbischofs, Maria (n. Biedermann, oder Gertraud n. Salver) von Frauenberg. Sie war die Ehefrau des Johann von Habern. Das Wappen heraldisch ganz links oben (Abb. oben rechts, oben) gehört zu den von Adelsheim, in Silber ein silbern-schwarz geteiltes, gewundenes Widderhorn (Steinbockshorn). Durch dieses Wappen werden die Mutter des Probanden, Gertrud (Gertraud) von Adelsheim (1525-1583), sowie der Großvater mütterlicherseits, Johann (Hans) von Adelsheim (1487-1551), und wiederum dessen Vater, Wendel von Adelsheim (-1518), kurpfälzischer Rat, Statthalter zu Heidelberg, repräsentiert. Das Wappen heraldisch links in der oberen Mitte (Abb. oben rechts, unten) gehört zu den Rüdt von Collenberg, in Rot Kopf und Hals eines silbernen Rüden mit Stachelhalsband. Durch dieses Wappen werden die Großmutter mütterlicherseits, Margarethe (Margaretha) Rüdt von Collenberg (-1560), sowie deren Vater, Thomas Rüdt von Collenberg, kurmainzischer Kämmerer und Hofmeister, dargestellt.

 

Das Wappen heraldisch links in der unteren Mitte (Abb. oben rechts, oben) gehört zu den von Schrotzberg, in Silber über einem roten Sparren eine quergelegte rote Schafschurschere. Hier steht das Wappen für die Urgroßmutter Amalia von Schrotzberg (-1503), Tochter von Eberhard von Schrotzberg und Anna von Adelsheim. Sie war die erste Ehefrau (Heirat 1485) des Wendel von Adelsheim (-1518). Das Wappen heraldisch ganz rechts unten (Abb. oben rechts, unten) gehört zu den Horneck von Hornberg, in Gold über einem roten Dreiberg im Schildfuß ein rotes Hifthorn mit silbernen Beschlägen. Das Wappen steht für die in der Reihenfolge und Logik der Ahnenprobe genealogisch niederrangigste Urgroßmutter des Fürstbischofs, Margaretha Horneckin von Hornberg. Sie war die Ehefrau von Thomas Rüdt von Collenberg. Übrigens begegnen uns genau die gleichen acht Wappen, allerdings nicht nur als Schilde, sondern als Vollwappen, am Grabdenkmal für den Bruder des Verstorbenen, den Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Und die gleiche Kombination von diesen acht Schilden sehen wir über dem Eingang des von Eltern des Verstorbenen erbauten Schlosses Mespelbrunn. Ein weiteres Mal begegnen uns die acht Schilde an einer Wappendarstellung auf der Festung Marienberg in Würzburg für den Fürstbischof gleicher Abstammung.

Literatur, Links und Quellen:
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/
Bistum Würzburg bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_W%C3%BCrzburg
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Der Dom zu Würzburg, Schnell Kunstführer Nr. 232, 11. Auflage 1997, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, ISBN 3-7954-4194-3.
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Genealogie Echter von Mespelbrunn: Biedermann, Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
Genealogie von Adelsheim, Biedermann, Geschlechts-Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken Löblichen Orts Ottenwald (Odenwald)
http://books.google.de/books?id=g9JDAAAAcAAJ
Beschreibung dieses Epitaphs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 443
Echter von Mespelbrunn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Echter_%28Adelsgeschlecht%29
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Theodor Stolzenberg für wertvolle Hinweise zur Echter-Genealogie.

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