Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 119
Bad Mergentheim und der Deutsche Orden

Schöntaler Hof in Bad Mergentheim

Der Schöntaler Hof, Mühlwehrstrasse 12 in Bad Mergentheim, war von 1291 bis 1803 ein Propsthof der Zisterzienser-Abtei Schöntal im Hohenloher Jagsttal. 1371 wurde die erste St. Bernhard-Kapelle eingeweiht. Das Anwesen mit prachtvollem Wappen der Abtei Schöntal und die jetztige Kapelle stammen aus dem 18. Jahrhundert. 1894 kaufte die Sießener Schwesternkongregation (Franziskanerinnen von Sießen) das Anwesen für eine Mädchenbildungsstätte. Heute sind hier eine katholische Mädchen-Realschule, das katholische Jugendreferat (BDKJ-Dekanatsstelle), das katholische Schuldekanatamt und eine religionspädagogische Arbeitsstelle untergebracht.

6 Komponenten dieses Wappens gehören zur Abtei:

Feld 1: Ganz typisch im Wappen rechts oben in Schwarz der silbern-rot geschachte Schrägrechtsbalken - das Wappen der Zisterzienser (sog. "Zisterzienser-Krapfenband").

Die mittlere Komponente, ein Feld, das die Funktion eines Herzschildes übernimmt, trägt das Zeichen des Abtes. Die Äbte des Klosters Schönthal entstammten meistens nicht der Aristokratie, sondern waren Söhne des Landes und kamen als solche nicht mit einem existierenden Familienwappen in das Amt. Von den Äbten des Klosters Schönthal sind viele redende Wappen bekannt: Christoph Haan = Christophorus Gallus (1636 - 1675) führte beispielsweise einen Hahn, Benedikt Knittel (1683 - 1732) einen Knittel = Knüppel, Angelus Münch (1732 - 1761) einen gerüsteten Engel, Augustin Brunnquell (1761 - 1784) einen Springbrunnen und der letzte Abt Maurus Schreiner (1784 - 1802) einen Mohren. Hier haben wir das Wappen des Angelus Münch, und der gerüstete Engel spielt auf seinen Vornamen Angelus an. Ein interessantes Phänomen, wir müssen aber bedenken, daß Abtswappen Personenwappen waren, die Äbte ohne Wappen ins Kloster kamen und es an keinen Nachfahren weitergeben konnten und von daher rein persönliche Symbole waren.

Links unten (optisch) sehen wir einen Arm, der demonstrativ einen Abtsstab in das Feld hält, das eigentliche Klosterwappen. Eigentlich ist ein Abtsstab ja nichts Besonderes für ein Kloster, und er erscheint sowieso hinter dem Schild. Es soll hier nach der Lit. der von Abt Johannes III Hoffmann (1486-1492) sein, einem Abt aus der reichsfreien Zeit.

Der Eber in der Mitte unten ist eine relativ neue Komponente im klösterlichen Wappen. Abt Benedikt Knittel kaufte 1698 Rittergut und Schloß Ebersberg bei Backnang. Schloß und Herrschaft Ebersberg waren erst durch Herzog Friedrich von Württemberg an Valentin von Helmstatt als 'Ehevogt' seiner Frau Helena Maria von Massenbach 1601 verliehen worden, dann an Melchior Jäger von Gärtringen 1606 verkauft worden, dann an Sigmund Moser 1649, weiterhin an Jeremias Volmar Schenk von Winterstetten 1654 und schlußendlich an das Kloster Schöntal im Jahre 1698. Doch auch Schönthal mußte sich wieder von Ebersberg trennen, unter dem letzten Abt Maurus Schreiner mußte Ebersberg verkauft werden, um die Prozeßkosten von 40 000 Gulden bezahlen zu können, die sich wegen seines Amtsvorgängers Augustin Brunnquell und seiner problematischen Amtsführung angehäuft hatten.

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