Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1146
Moritzburg (Sachsen)

Das kurfürstliche Schloß zu Moritzburg

Das Schloß Moritzburg im gleichnamigen Ort 15 km nordwestlich von Dresden ist nach Moritz v. Sachsen (21.3.1521 - 11.7.1553) benannt, der 1541 Herzog von Sachsen wurde und vom 4.6.1547 bis 1553 erster Kurfürst albertinischer Linie war.

Das Schloß steht inmitten einer weitläufigen Seenlandschaft auf einer Insel und wird von Süden über einen Damm erschlossen und nach Norden ebenfalls über einen Damm mit den dahinterliegenden Gärten und Wäldern verbunden. Die Schloßinsel erstreckt sich in Rechteckform in Nord-Süd-Richtung und im Westen wie im Osten jeweils etwas weiter ausgezogen für Anlegestellen. An jeder der Zugangsmöglichkeiten, im Norden und Süden zu Land, im Westen und Osten zu Wasser, steht ein Paar kleiner Pavillons (Kavaliershäuschen). Zwei weitere Pavillons empfangen den Besucher auf dem jenseits der Brücke gelegenen Nordufer, aber weiter auseinandergerückt.

Abb.: Blick von Süden, in der Frühlingssonne leuchtendes Schloß

Das Schloß selbst ist rechteckig mit zwei parallelen Innenhöfen, zwischen denen im Obergeschoß der Steinsaal liegt. Insgesamt gibt es im Innern vier große, jeweils zweistöckige Festsäle, den Steinsaal, den Speisesaal, den Billardsaal und den Monströsensaal. Jeder Innenhof wird von einem Treppenhaus begleitet, eines für die Westseite und eines für die Ostseite. Die Seitenflügel des Schlosses sind jeweils nach Norden und Süden vorspringend verlängert und schließen dort mit insgesamt vier dicken Rundtürmen ab, welche das typische Erscheinungsbild des Schlosses prägen (NW: Backturm, NO: Küchenturm, SW: Jägerturm, SO: Amtsturm). Nach Westen und Osten springen wiederum zwei rechteckige Elemente seitlich aus den Flügeln heraus, im Westen die Kapelle, im Osten der Speisesaal.

Der Anfang des Schlosses war ein Renaissanceschloß, welches Kurfürst Moritz 1542-1546 durch seinen Bauintendanten Hans von Dehn-Rothfelser (er erbaute auch das Dresdener Renaissanceschloß) und den Architekten Caspar Voigt von Wierandt errichten ließ. Es war ein reines Jagdschloß inmitten der ausgedehnten Wälder. Dieser Bau war ca. 60 x 30 m groß, und man muß es sich als dreistöckiges Schloß mit charakteristischen Renaissance-Giebeln vorstellend, in einem ummauerten Hof stehend, der von vier durch Wehrmauern verbundenen Rundtürmen flankiert war. Dieses Kernschloß wurde nun immer weiter ausgebaut. Zwischen 1582 und 1584 erweiterten Paul Buchner und Peter Kummer das Bauwerk für August v. Sachsen (13.7.1526 - 12.2.1586, 1553 - 1586 Kurfürst). Zwischen 1594 und 1598 kam unter Christian II. v. Sachsen (23.9.1583 - 23.6/7.1611, 1591 - 1611 Kurfürst) eine zweite Ummauerung hinzu. Dann wurde im Westen die Kapelle von Wolf Caspar von Klengel 1661-1672 unter Johann Georg II. (31.5.1613 - 22.8.1680, 1656 - 1680 Kurfürst v. Sachsen) angebaut. 1691 wurde das Schloß unter Johann Georg III. (20.6.1647 - 12.9.1691, 1681 - 1691 Kurfürst v. Sachsen) von Johann Georg Starcke barockisiert, seiner Renaissancegiebel beraubt und um ein Geschoß aufgestockt.

Abb.: Blick von Nordosten im März

Der Bauherr für die Umwandlung in ein Barockschloß größerer Dimension war erst Friedrich August I. (August der Starke, 12.5.1670 - 1.2.1733, 1694 - 1733 Kurfürst v. Sachsen, König von Polen). 1703 wurden von Markus Conrad Dietze erste Umbaupläne gemacht. Unter der Bauleitung von Matthäus Daniel Pöppelmann (Oberlandbaumeister, Erbauer des Dresdner Zwingers) wurde der Umbau in den Jahren 1723-1727 vollzogen. Weitere beteiligte Architekten waren Zacharias Longuelune und Jean de Bodt. Übrigens erbaute dieses Architekten-Trio auch das Japanische Palais in Dresden gemeinsam. Der Umbau des Moritzburger Schlosses fußte auf dem Vorhandenen, einem Renaissance-Schloß inmitten einer viertürmigen Mauer. Das wurde nun alles zusammengefaßt, die Türme wurden erhöht und durch schmale neue Gebäudeflügel mit dem Hauptbau verbunden. Alles wurde auf eine 90 m x 95 m große Terrasse von Marcus Conrad Dietze aus der Zeit um 1705 mit Treppenanlagen gestellt. Die vorspringende Kapelle wurde auf der gegenüberliegenden Seite durch einen ebenso vorspringenden Speisesaal kompensiert. Rechteckige Blöcke treten nun in ein interessantes Wechselspiel mit den vier dicken Rundtürmen. Nachdem das Schloß vollendet war, wurde der es umgebende Schloßteich um 1730 angelegt, er mißt ca. 980m in der Breite und 340 m in Nord-Süd-Richtung. Einige Arbeiten waren erst 1736 unter dem nächsten Kurfürsten vollendet. Ab 1731 war auch Johann Christoph Knöffel am Bau beteiligt, zumal sich Pöppelmann dann um 1734 aus gesundheitlichen Gründen zurückzog.

Das Wappen Augusts des Starken an der Südfassade ist wie folgt aufgebaut:

Über dem Herzschild ein Kurhut, über dem Hauptschild die polnische Königskrone.

Abb.: Spiegelung im Schloßteich, auf dem noch das letzte Eis schwimmt

Abb.: 2x verschlungene und königlich gekrönte Monogramme Augusts des Starken, einmal geschmiedet an einer Balkonbrüstung, einmal in einer bemalten Kartusche.

Abb.: östlicher Gartenpavillon am Nordufer des Schloßteiches. Ein analoger Pavillon befindet sich gegenüber auf der Westseite des Gartenparterres. Beide flankieren einen ummauert nach Norden in die Wälder vorstoßenden formalen Garten. Dieser Pavillon war im März 2009 frisch renoviert, sein Gegenüber wird es gerade.

Das Wappen an der Südseite des östlichen Gartenpavillons auf der Nordseite des Schloßteiches ist wie folgt aufgebaut:

Hier ist alles in den Farben des sächsischen Barocks gefaßt, ocker und cremeweiß. Über dem Herzschild ein Kurhut, über dem Hauptschild die polnische Königskrone.

Das verschlungene Monogramm an der Westseite des östlichen Gartenpavillons auf der Nordseite des Schloßteiches zeigt die Initialen FAR - Friedrich August Rex. Das Monogramm befindet sich genau wie das Wappen in einer geflügelten Kartusche und wird ebenso von der Königskrone überhöht.

Literatur, Links und Quellen
Siebmachers Wappenbücher
Heinz Quinger: Dresden und Umgebung, Geschichte, Kunst und Kultur der sächsischen Hauptstadt, DuMont Kunstreiseführer, 5. Auflage 2007, ISBN 978-3-7701-4028-2
Schloß Moritzburg:
http://www.schloss-moritzburg.de/ - http://www.dresden-und-sachsen.de/dresdner_umland/moritzburg.htm

Moritzburg (Sachsen): Postdistanzsäulen - Landgestüt

Sächsische Wappen (1), Ernestinische Linie - Sächsische Wappen (2), Albertinische Linie

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