Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1137
Dresden (Sachsen)

Die Dresdner Hofkirche (Schloßkirche)

Die Hofkirche ist heute fester Bestandteil des triumphalen Elb-Panoramas und der einzigartigen Kulisse repräsentativer Bauten entlang des Altstadtufers. Doch eigentlich ist sie, obwohl architektonisch integraler Bestandteil des Erlebnisses Dresden, funktional ein absoluter Fremdkörper. Und so sehr wir uns den Wiederaufbau herbeigewünscht haben und uns über das wiedererstandene Bauwerk freuen, so sehr dürfte damals ihr Bau für Befremden gesorgt haben, denn es ist eine römisch-katholische Kirche inmitten des protestantischen Dresdens, der Preis für die polnische Krone des Kurfürsten. Doch insgesamt wurde die Stadt Dresden durch diese grandiose Architektur so wundervoll bestochen, daß die Kirche schon bald vollkommen zum Gesamtbild dazugehörte.

Staatsräson - Glaubensräson?
August der Starke war es, der inmitten eines protestantischen Landes den Glaubenswechsel zurück zum Katholizismus vollzog. Am 1.6.1697 war er aus politischer Motivation konvertiert, um zum König von Polen gewählt zu werden, und der Einsatz wurde schon 25 Tage später belohnt. Polnischer König konnte nur ein römisch-katholischer Mensch werden, und die Krone war ihm eine Messe wert. Die Konversion fand heimlich statt, doch als die Bevölkerung davon erfuhr, war die Aufregung groß, denn man fürchtete einen Angriff auf das protestantische Bekenntnis und gegenreformatorischen Druck auf die Bevölkerung. Der Kurfürst versuchte zu beschwichtigen, daß dieser Glaubenswechsel nur für ihn persönlich gälte und keine Auswirkungen auf das Bekenntnis des Landes hätte. Um guten Willen zu demonstrieren, wurde die Aufsicht über die evangelische Landeskirche dem Geheimen Rat übertragen. Dennoch blieb es von 1697 bis 1918 ein Kuriosum, daß ein katholischer Kurfürst bzw. später König nominelles Oberhaupt einer evangelischen Landeskirche war. August der Starke hielt die katholischen Zeremonien und Gottesdienste in seinen Privaträumen ab, zuerst im Schloß, dann im umgebauten Opernhaus, beides nur Interimslösungen. Zu gewagt erschien es ihm, mit dem Bau einer prunkvollen katholischen Kirche die Bevölkerung weiter zu verunsichern, das tat erst sein Sohn Kurfürst Friedrich August II. Übrigens vollzog die Gemahlin Augusts des Starken die Konversion nicht mit, sie blieb protestantisch und lehnte es ab, sich am 25.9.1697 in Krakau an der Seite ihres Mannes krönen zu lassen. Noch mehr, sie weigerte sich rundheraus, ihren Ehemann in sein neues Königreich zu begleiten, eine prinzipientreue Frau, die den politisch-religiösen Opportunismus ihres Mannes und dessen leichtfertigen Umgang mit der Religion zutiefst mißbilligte.

Baugeschichte der Hofkirche
Selbst unter Augusts des Starken Sohn Friedrich August II., der am 17.10.1696 vor der Konversion seines Vaters geboren war, dann 1712 selbst heimlich in Bologna zum Katholizismus konvertierte (sein Vater August hatte sich durch eigenes Verschulden politisch isoliert, und die polnisch-katholische Erziehung und Konversion des Kronprinzen war der Preis für die Hilfe Roms), was erst 1717 in Wien anläßlich der Heiratsvereinbarung zwischen Kronprinz und Kaisertochter bekanntgegeben wurde und für entsprechende Empörung der Öffentlichkeit sorgte, blieb die katholische Kirche ein Politikum. Selbst als der Beschluß gefaßt worden war, wagte man es nicht, offen darüber zu reden, sondern nur über einen "gewissen Bau in unserer Residenz", für den der Architekt Gaetano Chiaveri 1736 nach Dresden gerufen wurde. Chiaveri, gebürtig aus Rom, hatte zuvor in St. Petersburg für den Zaren und für August den Starken in Warschau gearbeitet. 1739 war Grundsteinlegung. Dafür mußte der Bauplatz am Elfufer aufgeschüttet und befestigt werden, Teile der Festungsanlagen wurden abgerissen. Die Architektur ist triumphaler Spätbarock römischer Prägung, eigentlich sehr spät, denn zu dieser Zeit wurde woanders schon Rokoko-Stil gebaut. Ein Anachronismus wird sie dadurch nicht, denn sie fügt sich hervorragend in die Welt des Dresdner Barocks ein. Besonders effektvoll ist der Verzicht auf West-Ost-Ausrichtung und die leicht schräge Anordnung mit Turm im Nordosten und Sakristei im Südwesten am Kopf der Augustusbrücke, wodurch man aus allen Richtungen die neue Kirche in sehr dynamisch wirkenden Eck-Ansichten wahrnehmen kann. Chiaveri hat die Kirche nicht zu Ende gebaut, er verließ Dresden 1748 wegen Streitigkeiten um Geld und Leistungen, und der Bau wurde von den Architekten Sebastian Wetzel, Johann Christoph Knöffel und Heinrich Schwarze unter teilweiser Abwandlung der ursprünglichen Pläne vollendet. Die Fertigstellung war 1754, wie eine Inschrift am vierten Turmgeschoß verkündet. Der Bau war übrigens dreimal so teuer wie der der etwas früher entstandenen Frauenkirche, die architektonisch mindestens ebenso aufregend ist. Friedrich August II, der Bauherr, starb 1763. Seitdem ist die Hofkirche auch Begräbniskirche der katholischen Herrscher Sachsens, insgesamt wurden hier in der Gruft 47 Wettiner bestattet

Das Charakteristische des Baukonzepts ist die Zweistufigkeit mit überhöhtem Mittelschiff. Im Prinzip ist die Kirche als Basilika angelegt, dreischiffig, wobei sich aber um das ovale Mittelschiff ein ebenfalls ovaler Prozessionsumgang legt, ehe die rechteckigen Seitenschiffe mit je 6 Jochen angeschlossen werden. Dieses ist eine Rücksichtnahme auf die protestantische Bevölkerung, denn so konnten die katholischen Prozessionen wie z. B. an Fronleichnam innerhalb der Kirche ohne großes öffentliches Aufsehen durchgeführt werden. Weiterhin sind die vier schräggestellten Eckkapellen (Kreuzkapelle, Bennokapelle, Sakramentskapelle und Nepomukkapelle) ein charakteristischer Teil des Konzeptes, weil diese den Übergang zwischen Chor und Seitenschiffen ausrunden und so den ovalen Charakter des Grundrisses nach außen tragen. Zwei weitere Ovale an den beiden Schmalseiten bilden die Grundrisse für Turm und Sakristei. Trotz all dieser Ovale als Raumkompartimente ist die Basis des Konzeptes eine Triangulation aus gleichseitigen Dreiecken, was einen Bezug zur Hl. Dreifaltigkeit herstellt, der die Kirche geweiht ist.

Man beachte auf den beiden Balustraden das reiche Figurenprogramm mit insgesamt 59 überlebensgroßen (ca. 3,50 m) Heiligenfiguren von Lorenzo Matielli, die hier wie eine "heilige Armee" inmitten des protestantisch geprägten Dresdens aufmarschiert. Hinzu kommen noch insgesamt 19 Figuren in den Fassadennischen, darunter die vier Evangelisten neben dem Haupteingang, 78 Plastiken insgesamt.

Das Wappen Friedrich Augusts II
Das Wappen Friedrichs Augusts II., Kurfürst von Sachen (1733-1763) und als August III. König von Polen (1733, 1736-1763), Sohn Augusts des Starken, ist wie folgt aufgebaut:

Darüber die polnische Königskrone, gehalten von zwei Putten. Es handelt sich um eine Bügelkrone, die oben mit einer mit einem Kreuz besetzten Kugel abschließt.

Der Turm ohne Glocken
Der Turm der Hofkirche, vom überhöhten Mittelschiff getrennt und mit dem Kirchenbau nur im Erdgeschoß verbunden, ist 86 m hoch und über einem Oval errichtet. Auch die Außengliederung betont die Eigenständigkeit seines ästhetischen Konzeptes, wird das Kirchenschiff durch Pilaster gegliedert, sind es am Turm abgesetzte Vollsäulen. Vier Geschosse abnehmender Längen und Breiten, zunehmender Durchfensterung, aber gleicher Höhe lassen den Turm sukzessive schmaler, luftiger und schlanker werden. Nach oben hin wird aus dem Oval erst ein Kreis, dann ein Säulenquadrat. Der Turm steht im Nordosten der Kirche und bildet damit sowohl einen Blickfang am Ende der Schloßstraße als auch ein Pendant zum Hausmannsturm des Schlosses selbst, und natürlich wirkt er so besonders effektvoll im Elbpanorama. Der Turm ist der wirkungsvollste Akzent, den die Kirche zum Stadtbild beiträgt, insbesondere durch den Wechsel von konvexen und konkaven Formen ist es äußerst plastisch bewegte Architektur.

Im Grunde war der Turm ein reines Schmuckelement, denn er war stumm - Glocken wurden aus Rücksicht auf die protestantische Bevölkerung nicht öffentlich geläutet und deshalb auch gar nicht eingebaut. Erst 1806 wurde die Gleichstellung von Katholiken und Protestanten im Königreich verfügt, und 1807 wurden Glocken angeschafft. Seit 1980 ist die katholische Hofkirche die Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen, die Kathedrale St. Trinitas, auch wenn fast jeder sie nur "Hofkirche" nennt.

Der Verbindungsgang zum Schloß
Detail: Initialen FAR - Friedrich August Rex - an der Verbindungsbrücke zwischen Hofkirche und Schloß.

Literatur, Links und Quellen
Siebmachers Wappenbücher
Matthias Donath, Jörg Blobelt: Altes und Neues Dresden, 100 Bauwerke erzählen Geschichten einer Stadt, edition Sächsische Zeitung, SAXO'Phon GmbH, Dresden 2007, ISBN 978-3-938325-41-4
Heinz Quinger: Dresden und Umgebung, Geschichte, Kunst und Kultur der sächsischen Hauptstadt, DuMont Kunstreiseführer, 5. Auflage 2007, ISBN 978-3-7701-4028-2
Die Herrscher Sachsens: Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089-1918. Hrsg. v. Frank-Lothar Kroll. Becksche Reihe, Verlag C. H. Beck 2007, ISBN 978-3-406-54773-7.

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