Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1128
Meißen (Sachsen)

Meißen, Freiheit 2

Baugeschichte:
Unmittelbar an das vordere Burgtor angebaut ist ein Burglehenhaus (Freiheit 2). Seit ca. 1230 ist es ein Teil der Befestigung des Domberges mit Trockengraben und Zugbrücke. Im Spätmittelalter war das Gebäude ein Lehnshof. 1522 gelangte das Anwesen in den Besitz der Herren von Schleinitz. Das Portal mit originaler Holztür, ein regional typisches Sitznischenportal, mit Wappenstein darüber ist auf 1550 zu datieren, desgleichen die profilierten Fenstergewände am Haus. Nach dem 30jährigen Krieg wurde das Anwesen baulich erweitert, denn 1645 brannte es teilweise ab und wurde 1649 unter Erweiterung wiederhergestellt. Um 1738 wurde der Zufahrtsweg verlegt, dabei wurde die Vorbrücke erbaut. Eine nächste Erweiterung des Hauses fand 1743 statt (Seitenflügel am Hohlweg). Die unweit befindliche steinerne Schloßbrücke selbst ist sehr alt und datiert um 1221/27. 1916 und 1992 ff. wurde das Burglehenhaus renoviert. Die extreme Lage am Burgberg bringt es mit sich, daß das Haus zum Burgweg hin nur zweistöckig, rückwärtig aber fünfstöckig (plus Sockelgeschoß) ist. Heute ist das Anwesen Gästehaus der Evangelischen Akademie Meißen.

Das Wappen:
Das Wappen über dem Renaissanceportal ist das der Herren von Schleinitz, welche eine bedeutende Rolle in Meißen spielten und deren Wappen uns in Meißen häufiger begegnet, z. B. am Jahnaischen Freihof und insbesondere in St. Afra, wo sie ihre Grablege hatten und wo noch viele Schleinitz-Epitaphien zu sehen sind.

Alternative Namensformen der von Schleinitz sind Slynicz, Schleynicz, Schleunitz, Schlentz, Sleinicz, Schleinitzky und Slinitzky. Sie gehören zum Meißener Uradel mit einer um 1290 mit Hermann von Schleinitz beginnenden Stammreihe. Die erste urkundliche Erwähnung findet 1255 mit Johannes de Zlinicz statt. Ihr Stammsitz ist die Wasserburg Schleinitz bei Meißen in der Gemeinde Leuben-Schleinitz, die vom 13. Jh. an bis 1607 in Familienbesitz war und noch erhalten ist, einem der schönsten ehemaligen Landadelssitze in der Lommatzscher Pflege, heute vom Förderverein Schloß Schleinitz e.V. verwaltet. Seit dem 16. Jh. gehörten die von Schleinitz dem böhmischen Herrenstand an. Sie hatten dort das Erbschenkenamt inne. Sie besaßen in Böhmen wichtige Güter wie Tollenstein (Dalecín), Koldenburk und Hainspach. Die Brüder Ernst und Georg von Schleinitz sowie ihre Cousins Hans und Simon Juda von Schleinitz erhielten als "Freiherren zu Tollenstein und Schluckenau" am 1.5.1532 die böhmische Freiherrenstandsbestätigung. Georg, Hans und Christoph von Schleinitz bekamen als Freiherren von Schleinitz auf Tollenstein und Schluckenau am 20.10.1560 die Bestätigung des Reichsfreiherrenstandes. Georg Freiherr von Schleinitz wurde am 27.09.1562 in den Reichsgrafenstand erhoben. Weitere Diplome folgten. Zweige der Familie gab es in Preußen und im Braunschweigischen. Im 17. Jh. scheint sich die Familie aus Böhmen zurückgezogen zu haben. Die meißnische Linie erlosch 1891 mit Hermann Otto von Schleinitz.

Das Wappen der Freiherren von Schleinitz ist von Rot und Silber gespalten mit vorne zwei pfahlweise gestellten und hinten einer Rose in verwechselten Farben.

Es werden im Siebmacher Varianten hinsichtlich der Anordnung beschrieben. Der Siebmacher von 1605 zeigt rechts silbern, links rot, her. rechts eine, her. links zwei Rosen. Das Wappenbuch des Heiligen Römischen Reiches (BSB Cod. icon. 390, Nürnberg um 1554 - 1568) hat rechts rot, links silbern, die Rosen aber gar 2:1 und die dritte unten auf der Spaltlinie in verwechselten Farben. An der Haßfurter Ritterkapelle findet sich das Wappen wie hier abgebildet tingiert, aber komplett gewendet, mit goldenen Butzen der Rosen.

Die Helmzier zeigt ein rotes rechtes und ein silbernes linkes Büffelhorn, Helmdecken rot-silbern.

Als alternative Helmkleinode findet man in der Literatur auch ein silbernes rechtes und ein rotes linkes Büffelhorn resp. eine rote oder silberne Rose zwischen einem silbernen Paar Büffelhörner angegeben, auch eine rote Rose zwischen einem rechts silbernen, links roten Paar Büffelhörner. Vergleichwappen auf den Epitaphien in St. Afra zeigen nur die Büffelhörner, keine Rose dazwischen. Die ältesten Siegel (AD 1350) zeigen die Rose in der Helmzier ebenfalls nicht, sie scheint erst später bei der böhmischen Linie in Gebrauch gekommen zu sein, z. B. findet sie sich auch in dem preußischen Diplom von 1879, das Alexander Freiherr von Schleinitz, königlich preußischer Staatsminister und Minister des Königlichen Hauses, den preußischen Grafenstand ad personam verleiht.

Schildhalter in einer Darstellung von 1879 sind übrigens zwei widersehende, königlich gekrönte, goldenbewehrte und rotgezungte schwarze Adler, die Flügel jeweils belegt mit goldenen Kleestengeln, die Brust mit einem von Silber und Schwarz gevierten Schildchen (Hohenzollernschild) belegt.

Literatur
Siebmachers Wappenbücher
Claus-Dirk Langer: Architekturführer Meißen: Die Bauten von A bis Z, Meißen 2006, ISBN 978-3-00-018806-0
Günter Naumann: Stadtführer Meißen, Sehenswürdiges, Wissenswertes und Unterhaltsames, 6. Auflage 2005, Edition Lerchl, Meißen, ISBN 3-9803364-2-5
Gustav Frh. von Schleinitz: Die Geschichte des Schleinitzschen Geschlechts, Verlag R. Eisenschmidt, Berlin 1897
Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XII, Band 125 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2001, ISBN 3-7980-0825-6
Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band 8, Friedrich Voigt'sche Buchhandlung, Leipzig 1868

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