Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1120
Höchst (Hessen, Stadtteil von Frankfurt)

Höchst, Bolongaro-Palast

Im Nordosten der Altstadt jenseits des alten Berings liegt in der 1768 als Stadterweiterung gegründeten Höchster Neustadt der barocke Bolongaro-Palast. Es ist eine gigantische Anlage mit drei in mehrere Einheiten gegliederten Flügeln, die ein ganzes Stadtquartier einnehmen und sich mit einem bis ans Mainufer reichenden Park nach Südosten öffnen. In der Mitte des Nordflügels befindet sich der eigentliche Hauptbau, der wiederum mit zwei Seitenflügeln in den Park vorstößt und einen kleinen Ehrenhof bildet. Zum Main hin ergänzen Treppenanlagen, Terrassen und Pavillons das Ensemble. Allein die Front an der Bolongarostraße ist ganze 117 m lang! Es ist einer der größten, wenn nicht der größte Privatbau des späten Barocks in der Region.

Abb.: Blick von der mittleren Terrasse

Benannt ist der Palast nach der erfolgreichen und vor allem reichen Handelsfamilie Bolongaro. Sie stammten aus Italien, aus Stresa am Lago Maggiore. Giuseppe Bolongaro (1712–1779) ließ sich 1735 in Frankfurt nieder. Zusammen mit seinen Brüdern Jacob Philipp Bolongaro und Franz Maria Bolongaro übernahm er ab 1743 die Tabakhandlung Gebrüder Matthey und entwickelte sie zur größten Schnupftabakmanufaktur und Tabakgroßhandlung Europas. Doch man war nicht auf Tabak festgelegt, obwohl das die Basis des Geschäfts und des Wohlstands war, sondern es wurde auch mit Gewürzen und Genußmitteln wie italienischem Wein, Kaffee und Tee gehandelt, und natürlich mit Geld (Bankgeschäfte).

Abb.: Wappen am Hauptbau, Gartenseite, zwischen 2. und 3. Stock

Warum ließen sich die Gebrüder Bolongaro dann in Höchst nieder? Hintergrund war, daß die Stadt Frankfurt streng protestantisch war und den katholischen Bolongaros das Bürgerrecht verweigerte. Daraufhin wurden diese Bürger von Höchst, das dem Erzbistum Mainz gehörte und römisch-katholisch ausgerichtet war. Kurfürst Emmerich Josef von Breidbach zu Bürresheim verlieh dem Oberhaupt der Familie 1771 das Höchster Bürgerrecht und erlaubte den Bau des neuen Familiensitzes und gab ihnen freie Hand für ihre Geschäfte.

Abb.: Gartenansicht

Nach dem Tod des zwar mit Anna Maria Bolongaro geb. d'Angelo verheirateten, jedoch kinderlosen Oberhauptes Giuseppe (Josef) Maria Markus Bolongaro im Jahre 1779 folgte sein Bruder Jakob Philipp als Erbe, der jedoch schon ein Jahr später 1780 starb. Dessen Schwiegersöhne Peter Anton Bolongaro-Crevenna (1736–1792) und Victor Bolongaro-Simonetta erbten das Vermögen und den Palast. Ihnen war es auch endlich vergönnt, 1783 das Frankfurter Bürgerrecht zu bekommen. Der gigantische Palast wurde im Endeffekt also nur wenige Jahre von den Bauherren genutzt. 1862 verkaufte die Familie den riesigen Palast an den Mainzer Fabrikanten Friedrich August Sonntag, der Palast wurde Fabrik, später Rathaus. Das Handelshaus Bolongaro erlosch in der einen Linie 1910 mit dem Tod von Karl Alfred Bolongaro-Crevenna (1838–1910). Die Linie Bolongaro-Crevenna besteht aber bis heute, die Linie Bolongaro-Simonetta ist hingegen erloschen.

Abb: Schildhalter auf der Terrassenbrüstung

Das Bolongaro-Wappen ist geteit, oben ein gekrönter Adler, unten ein auf einer dreibogigen Brücke schreitender, hersehender Löwe. Im Siebmacher Bürgerliche Band Bg2, S. 13, T. 22 wird ganz abweichend angegeben: "Von # und S. geteilt. Oben ein s. Adler mit offenem Flug, unten ein g. Greif auf # , s. geschachtem Schildfuß", offenbar nicht zutreffend, wie der Vergleich zeigt. Die Helmzier ist ein mit jeweils einer silbernen Binde umlegtes Paar Büffelhörner, auch hier macht der Siebmacher Bürgerliche Band Bg2, S. 13, T. 22 abweichende Angaben, die zeitgenössischen Darstellungen widersprechen.

Abb: Bolongaro-Wappen an der Nordfront, Mitte

Zur Gartenseite hin finden wir ein Bolongaro-Wappen am Hauptbau, zur Straßenseite hin insgesamt drei über den Eingängen. Dazu kommen noch die von den Löwen gehaltenen Schilde auf der Terrasse.

Abb: Bolongaro-Wappen an der Nordfront, rechts außen

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher
Wolfgang Klötzer (Hrsg.), Frankfurter Biographien. Erster Band A-L, Frankfurt am Main, Verlag Waldemar Kramer, 1994, ISBN 3-7829-0444-3

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