Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1109
Sanem (Luxemburg, Esch-sur-Alzette)

Schloß Sanem (Sassenheim)

Sanem (Suessem, Sassenheim) gehört zum Kanton Esch-sur-Alzette im Großherzogtum Luxemburg und besitzt ein sehenswertes Schloß, welches auf eine mittelalterliche Anlage zurückgeht, die höchstwahrscheinlich von den Brüdern Wilhelm und Johann erbaut worden ist. Vor der Vorderfront stehend, erkennt man an der rechten Ecke vorspringend einen in die späteren Gebäude integrierten mittelalterlichen Wohnturm von 12.5 x 12.5 m Grundfläche, der bis ins 13. Jh. zurückreichen soll. 1306 wurde das Schloß Sanem zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Es gehörte damals zur Herrschaft Zolver. Die ersten Besitzer waren die Edlen von Sassenheim. Die Burg selbst war unbedeutend, die auf ihr wohnenden Familien waren es nicht. Anselm von Sanem (Sassenheim) kam gegen 1323 in den Besitz von Ansembourg, und seine drei Söhne Gottfried, Godevart und Dietrich teilten sich die drei Herrschaften Sanem, Schönfels und Ansembourg. Nach den Herren von Ansembourg folgten die Colin von Uttingen. Danach kam der verschwägerte Heinrich zur Motte an die Reihe als Besitzer. Es folgten die Grafen von Arbay, die von Daun und die von Hagen. 1552 wurde die mittelalterliche Anlage durch französische Truppen zerstört. Unter der Familie Hagen (zur Motten) wurde die Burg 1567 wieder aufgebaut, wovon die zahlreichen Schmuckelemente aus der Zeit der Renaissance zeugen. Mehrere Zerstörungen veränderten das Gesicht der Burg. 1636 zerstörten kaiserliche Truppen Schloß Sanem erneut. Weitere Besitzerwechsel folgten nach den von Daun: Die d'Arberg, die von Terring-Ittenbach. 1753 wurde das Anwesen an Arnaud François de Tornaco verkauft, ein Mitglied einer eng mit der Geschichte des Luxemburger Landes verbundener Familie. Baron Victor de Tornaco war z. B. 1860-1867 Staatsminister.

Das heutige Aussehen geht auf Umbauarbeiten unter diesen Besitzern zurück. Vieles ist im Laufe der Zeit verändert worden, die Wassergräben wurden zugeschüttet, die Ringmauern verschwanden. Heute präsentiert sich das Schloß als dreiflügelige Anlage mit zwei rechtwinklig zueinander stehenden Wohnflügeln und einem Nutzflügel an der dritten Seite. Die vierte Seite ist offen und mit zwei Mauern terrassiert. Ein verwahrlostes Asylbewerberheim verunstaltet hier den Ausblick in den Park. Im Innenhof gibt es drei polygonale Treppentürme, zwei in den Winkeln zwischen den Flügeln und der dritte im Winkel zum Rundturm. Ein kleiner Bach umfließt das einstige Wasserschloß, zu dem ein weitläufiger Park gehört. Der letzte Eigentümer war jedoch die Gemeinde Esch/Alzette, denn 1950 verkaufte die Familie de Tornaco das Schloß. Sie nutzte es seit 1951 als Waisenhaus, daher auch der volkstümliche Name "Kannerschlass" (Kinderschloß). 1985 ging das Schloß durch Verkauf an den Staat Luxemburg über, den heutigen Eigentümer. Im ausgestorben wirkenden Schloß befindet sich nur noch eine Verwaltung. Eine unlängst durchgeführte Fassadenrenovierung hat das Schloß erheblich an attraktivem Äußeren gewinnen lassen, auch wenn man aus dem Gesamtensemble erheblich mehr machen könnte.

Über dem Haupteingang, den man über eine steinerne Brücke erreicht und durch den man in den Innenhof gelangt, prangt das Wappen der Familie de Tornaco. Die Anbringung des Wappens geht zurück auf die Umbauarbeiten nach 1753.

Das Stammwappen der ursprünglich aus der Gegend von Liège stammenden Freiherren de Tornaco zeigt in Blau ein gemeines, durchgehendes, silbernes Kreuz. Helmzier auf blau-silbern bewulstetem Helm ein goldener Stern angestemmt zwischen einem offenen, rechts blauen, links silbernen Flug. Helmdecken blau-silbern.

Am 23.1.1738 erhielten die Brüder Theodor Wilhelm von Tornaco (Théodore-Guillaume de Tornaco) und Arnold Franz von Tornaco (Arnoul-François de Tornaco) zu Wien den Reichsgrafenstand. Ersterer war Herr der Herrschaft Lenz Sancti Servatii, letzterer war kaiserlicher Oberst, Gouverneur des Fürstentums Mömpelgard, Minister am französischen Hof, Ritter des württembergischen St. Hubertus-Ordens. Registrierung in Luxemburg 13.4.1785. Nachkommen dieser Brüder kamen nach Luxemburg, wo ihnen der Freiherrenstand anerkannt wurde.

Ab 1738 wird ein vermehrtes Wappen geführt: Hauptschild geviert, Feld 1 und 4: In Gold ein halber, rotgezungter, schwarzer Adler am Spalt. Feld 2 und 3: In Rot ein einwärtsgekehrter, silberner geharnischter Arm mit Schwert. Herzschild: In Blau ein gemeines, durchgehendes, silbernes Kreuz (Stammwappen). Zwei Helme: Helm 1 (rechts): Auf gekröntem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein schwarzer Adler. Helm 2 (links): Auf gekröntem Helm mit rot-silbernen Decken ein angewinkelter, silberner geharnischter Arm mit Schwert.

Hier sehen wir eine weiterentwickelte Form ohne Helme, aber mit Rangkrone, mit Ordenskette und mit zwei Schildhaltern, rechts ein wilder, naturfarbener, grün laubbekränzter und -geschürzter Mann, links ein goldener (alias von Blau und Gold geteilter) Greif, jeweils eine goldenbefranste Fahne haltend, der Mann eine mit dem Stammwappen (in Blau ein gemeines, durchgehendes, silbernes Kreuz), der Greif eine mit dem Inhalt von Feld 2 (ein silberner, geharnischter Arm mit Schwert).

Um 1950 verließen die Freiherren von Tornaco Luxemburg, um sich ganz in Belgien niederzulassen.

Passiert man die Toreinfahrt und wendet sich um, fällt der Blick auf zwei schmucke, reichverzierte Galerien mit durchbrochen gearbeiteten Brüstungen. Der linke Bogen enthält die Durchfahrt, der rechte dagegen führt rechterhand zu einem auf 1567 datierten Renaissance-Portal.

Zur Linken erkennen wir das Wappen der Hagen (zur Motten). Das Wappen zeigt in Gold einen roten Balken, begleitet von oben 9 (5:4) und unten 6 (3:2:1) roten Schindeln, die hier abweichend die Form von Kugeln haben, Gruber beschreibt 9 (5:4) und unten 5 (3:2) liegende Schindeln, Siebmacher dagegen 15 (5:4:3:2:1) aufrechte rote Schindeln; die Helmzier wäre ein goldener offener Flug, belegt mit einem roten Balken, begleitet von den gleichen Schindeln wie im Schild. Helmdecken rot-golden.

Literatur
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Luxemburg
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
H. Kuhn, J.P. Koltz: Burgen und Schlösser in Lothringen und Luxemburg, Frankfurt/Main 1964
John Zimmer: Die Burgen des Luxemburger Landes. Luxembourg, 1996.
Roger Bour, Taschenführer durch die Burgen und Schlösser in Luxemburg, Band 1 und 2
Châteaux Luxembourgeois, Luxemburger Burgen und Schlösser, Hrsg. Association des Châteaux luxembourgeois und Office national du Tourisme ONT, 2005, ISBN 2-87996-801-1

Sanem, Sassenheim (Luxemburg): Schloß
Bettingen, Bettange-Mess, Betten op der Mess (Luxemburg):
Kirche - Schloß
Limpach (Luxemburg):
Kirche

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