Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1100
Königstein (Sachsen)

Stadtwappen an Rathaus und Kirche

Königstein, 1379 erstmals urkundlich erwähnt, hat seinen Namen von den böhmischen Königen, nicht von den sächsischen Herrschern. Die hoch über dem Ort liegende Burg, die das Elbtal oberhalb Pirnas kontrollierte, war einst im Besitz der böhmischen Herrscher und wird in alten Dokumenten schon als „in lapide regis“ - auf dem Stein des Königs - bezeichnet. Die Erinnerung an die böhmische Herrschaft begegnet uns im Stadtwappen, das außen am Rathaus angebracht ist:

Das Wappen zeigt in rotem Feld den doppelt geschwänzten, silbernen böhmischen Löwen, aber ungekrönt, der in seinen Vorderpranken eine silberne Hand hält. Sowohl die Farbwahl als auch die Doppelschwänzigkeit des Löwen ergeben den Bezug zu Böhmen. Die Hand in diesem Stadtwappen deutet auf die Gerichtsbarkeit hin, die dem Ort zugestanden wurde, und erinnert an alte Körperstrafen.

Dieses Wappen begegnet uns noch an einer zweiten Stelle im Ort, nämlich in Stein gehauen, aber ohne Farbe über dem Eingang der Königsteiner Kirche, in einem reichlich ungewöhnlich geformten Schild, unter einer Darstellung des kursächsischen Wappens, in gespaltenem Schild vorne die gekreuzten Kurschwerter in einem von Schwarz und Silber geteilten Feld, wobei sich eigentlich die Schwerter über beide Plätze erstrecken sollten, hinten von Schwarz und Gold eigentlich neunmal geteilt, hier in umgekehrter Reihenfolge, darüber ein grüner, eigentlich schrägrechter, hier schräglinker Rautenkranz.

Nach der Hauptsatzung vom 7.9.2004 führt die Gemeinde heute aber nicht mehr den böhmischen Löwen mit der Hand als Stadtwappen, sondern einen "aufrecht gehenden, doppelt geschwänzten silbernen Löwen im roten Schild von grünen Zweigen umgeben." Dies ist ein klassischer Fall heraldischer Mißverständnisse, denn zum einen ist der Wappenschild damit bis auf die fehlende Krone einfach identisch mit dem böhmischen Löwen, von dem es sich früher ja gerade auch durch die Hand unterschied, zum andern sind die umgebenden grünen Zweige nicht im Einklang mit klassischer Heraldik und nicht relevant. Es ist vor allem vor dem Hintergrund zweier exquisiter Darstellungen in der Stadt selbst nicht nachzuvollziehen, warum jetzt ein anderes Gebilde in der Satzung verankert ist.

Sächsisches Wappen an der Germania-Drogerie
Gegenüber der alten Postdistanzsäule und dem Pfaffenberg befindet sich an der Bielatalstraße ein Haus, in dem u. a. die Germania-Drogerie eingerichtet ist.

Das Wappen zeigt den sächsischen Rautenkranz, von Schwarz und Gold eigentlich neunmal geteilt, hier abweichend 5 schwarze Balken in Gold, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz. Der Inhalt ist aufgemalt. Viel interessanter als der Inhalt ist die phantastisch gearbeitete Kartuschenumrahmung, die seitlich zu zwei Fortsätzen ausgezogen ist, die auf jeder Seite von einem weiteren, noch tiefer entspringenden Fortsatz durchflochten werden.

http://www.koenigstein-sachsen.de/
Hauptsatzung:
http://www.koenigstein-sachsen.de/download/Hauptsatzung04.09.pdf
Kirche:
http://www.kirchekoenigstein.de/index.php?id=stadtkirche

Literatur
Heinz Quinger, Desden und Umgebung, DuMont Kunstreiseführer, 5. Auflage 2007, ISBN 978-3-7701-4028-2
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Landesfürsten und Fürsten

Postdistanzsäule - Festung Königstein

Sächsische Wappen (1), Ernestinische Linie - Sächsische Wappen (2), Albertinische Linie

Ortsregister - Namensregister
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