Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1094
Moritzburg (Sachsen)

Postdistanzsäulen in Moritzburg

Die Moritzburger Postdistanzsäulen
In Moritzburg nördlich von Dresden finden wir gleich zwei Postdistanzsäulen, datiert auf 1730, die Auffahrt zum Schloß Moritzburg flankierend, am Originalstandort und größtenteils noch aus Originalsteinen bestehend, wenn auch restauriert, und bei der linken Säule ist der gesamte obere Teil neu.

Beide Säulen bilden den Kopf der zur Schloßinsel hinführenden Allee und liegen ihrerseits an der in West-Ost-Richtung verlaufenden Straße, auf die die nach Süden in Richtung Dresden verlaufende Straße stößt.

Die östliche Säule:
Blick auf die unterschiedlichen Eck-Konstruktionen der rechten, östlichen Postdistanzsäule:

Über dem Schriftblock folgt die Wappenzone bzw. das Wappenstück als separat zugehauener Stein, denn hier legte der Landesherr großen Wert auf Repräsentation. Die Darstellung seines Wappens war auch angemessen, denn die Post war ein Regal, das nicht ohne landesherrliche Erlaubnis ausgeübt werden durfte. In der Regel besitzt jede Säule vier Wappen, jeweils die Kombination aus übereck einander zugeneigten barock verzerrten Wappenschildkartuschen mit polnisch-litauischen und kursächsischen Inhalten.

Blick auf die einzelnen Seiten der rechten, östlichen Postdistanzsäule.

Übersicht und Details der rechten, östlichen Postdistanzsäule.

Das System der Wegmarkierung:
Das Markierungssystem für Postwege bestand aus vier verschiedenen Elementen:

Aussehen der diversen Wegmarkierungen:
Alle Säulenarten, Postdistanzsäulen, Meilensäulen, Halbmeilensäulen und Viertelmeilensteine unterlagen einheitlichen Gestaltungsvorlagen. Den zur Aufstellung Verpflichteten, das waren die Städte, Ämter bzw. Grundherren, ließ man Kupferstiche zukommen mit genauen gestalterischen Vorgaben. Form und Farbe waren vorgeschrieben, ebenso vier Prellsteine rings um eine Postdistanzsäule. Selbst der Steinkitt, mit dem die Fugen der einzelnen Teile, die durch mit Blei vergossene Eisenbolzen verbunden wurden, wurde von Zürner empfohlen. Diese detaillierten Vorgaben dienten der Vereinheitlichung und der schnellen Orientierung, und ihnen verdanken wir heute das geschlossene Aussehen dieser Denkmalgruppe der Verkehrsgeschichte.

Aussehen von Postdistanzsäulen: Die Gesamthöhe war mit 8 Dresdner Ellen vorgegeben, also 4,53 m. Damit ist die Höhe zugleich eine Dresdner Rute, und die Höhe der Postdistanzsäule spiegelt selbst die grundlegende Einheit der Wegvermessung wieder. Fast alle Distanzsäulen bestehen aus sieben Teilen. Der Unterbau (1-3) besteht aus einem Sockel (1), einem rechteckigen Postament (2) und einer gesimsartigen Postamentbekrönung (3), dann folgt ein schmales Zwischenstück in Form einer Stufe (4), darauf steht das obeliskenartige Oberteil (5-7), das in drei Zonen eingeteilt ist: Der Hauptteil der Fläche wird von der Schriftfläche (5) eingenommen für die Entfernungsangaben (Schriftblock oder Schaft). Ganz unten auf so einer Fläche ist die Jahreszahl der Fertigung (nicht der Aufstellung, das kann etwas später sein) eingehauen sowie das vergoldete Posthorn. Was genau in die Schriftzone eingehauen wurde, war nicht der Willkür der Städte oder Ämter überlassen, sondern jede Inschrift wurde von Zürner vorgegeben, und der Steinmetz durfte erst nach ausdrücklicher Bestätigung durch den großen Koordinator Zürner den Meißel ansetzen und den Fäustel schwingen. Über dem Schriftblock folgt die Wappenzone bzw. das Wappenstück (6), denn hier legte der Landesherr großen Wert auf Repräsentation. Die Darstellung seines Wappens war auch angemessen, denn die Post war ein Regal, das nicht ohne landesherrliche Erlaubnis ausgeübt werden durfte. In der Regel besitzt jede Säule vier Wappen, jeweils die Kombination aus übereck einander zugeneigten barock verzerrten Wappenschildkartuschen mit polnisch-litauischen und kursächsischen Inhalten. Dadurch, daß sich jeweils zwei dieser Kartuschen einander zuneigen und am Eck mit einer Volute miteinander verbinden, überhöht von einer Krone, wird hier der ansonsten quadratische Querschnitt der Säule ins Längliche gezogen. Keine Regel ohne Ausnahme: Die Postdistanzsäule vom Obertor an der Inneren Schneeberger Straße in Zwickau hat auf den Flächen das Doppelwappen, also in doppelter Anzahl, was zu einem ziemlichen Gedränge der Schilde führt, desgleichen die Säule in Leisnig und die in Mittweida. Die Krone kommt damit auch auf der Fläche des Schaftes zu liegen. Zurück zum Regelfall: Da sich beide Schilde einander zuneigen, ergibt sich unter deren Verbindungspunkt eine Zone am Eck, die für die Anbringung von Initialen genutzt wurde: Diese Zone ist blau angestrichen und trägt die verbundenen goldenen Buchstaben AR - Augustus Rex, König August. Über dem Wappenstück kommt noch ein Aufsatz, die Spitze des Obelisken (7), die frei von Beschriftungen ist. Das Material ist meistens Sandstein, weil er sich hervorragend zur Bearbeitung des Wappenstückes eignete und gut mit Inschriften gravieren ließ, aber auch Porphyrtuff, Granit oder Kalkstein kamen zum Einsatz, je nachdem, welches Gestein gerade lokal anstand.

Aussehen von Ganzmeilensäulen: Diese haben zwar ebenfalls eine obeliskenartige Form und gleichen damit formal den Postdistanzsäulen, aber sie sind wesentlich schlichter, ohne Wappen, ohne aufwendiges Postament, nur mit einem niedrigen Fundamentsockel. Prellsteine waren nicht vorgesehen. Die Höhe ist mit ca. 3,75 m niedriger als die der Postdistanzsäulen. Die Inschriften beschränken sich auf die Namen der nächsten Stadt oder Poststation in beiden Richtungen und ihre Entfernung in der Einheit Wegstunde. Die landesherrlichen Initialen AR - Augustus Rex - sind ebenfalls in jeder Fahrtrichtung angebracht. Jede Ganzmeilensäule hat eine individuelle Nummer auf der der Straße zugewandten Seite. Es wurde vom Ausgangspunkt der Postroute gezählt. Wenn Wege sich verzweigten, konnten also auch Nummern doppelt vorkommen. Da jeder Stein eine fortlaufende Nummer bekam, ist die Zahl auf Ganzmeilensäulen immer gerade und durch vier teilbar. Und das Posthorn war natürlich ebenfalls eingehauen.

Aussehen von Halbmeilensäulen: Noch niedriger waren die Halbmeilensäulen mit nur ca. 3 m Höhe. Ihr Charakteristikum war der sich zwischen Sockelplatte und oberem Abschluß verbreiternde Schaft, ähnlich einer antiken Herme. Damit ist ungünstigerweise gerade der verwitterungsanfällige Teil in Bodennähe dünn und das Schwergewicht oben, was dazu führte, daß heute nur noch wenige dieser Denkmäler erhalten sind. Oben auf der Deckplatte befindet sich ein kleiner Aufsatz, der beidseitig abgeschrägt ist, so daß ein viermal gebrochener Umriß entsteht. Die Inschriften umfassen wie bei den Ganzmeilensäulen Namen der nächsten Stadt oder Poststation in beiden Richtungen und ihre Entfernung in der Einheit Wegstunde, die landesherrlichen Initialen AR sowie das Posthorn und eine laufende Nummer. Da jeder Stein ab dem Ausgangspunkt eine fortlaufende Nummer bekam, ist die Zahl auf Halbmeilensäulen immer gerade.

Aussehen von Viertelmeilensteinesn: Dieser ist der kleinste im Markierungssystem: Ein Fundamentblock trägt einen oben beiderseits abgeschrägten rechteckigen Block von ca. 2 Ellen Höhe, was aber nur eine ungefähre Vorgabe ist, denn die Steinelemente konnten bis zu 1,70 m hoch werden. Die Inschriften sind die landesherrlichen Initialen AR, das Jahr der Fertigung, das Posthorn und eine ungeradzahlige Reihennummer. Das Material kann sehr unterschiedlich sein, mal ist es Porphyr, mal Sandstein, mal Kalkstein oder auch Granit, je nach anstehendem Gestein. Schließlich erforderte ein einfacher Viertelmeilenstein ja auch nicht die handwerklich aufwendige Anbringung der landesherrlichen Wappen.

Die westliche Säule:
Blick auf die unterschiedlichen Eck-Konstruktionen der linken, westlichen Postdistanzsäule, bei der das Wappenstück und die Spitze komplett erneuert wurden.

Dadurch, daß sich jeweils zwei dieser Kartuschen einander zuneigen und am Eck mit einer Volute miteinander verbinden, überhöht von einer Krone, wird hier der ansonsten quadratische Querschnitt der Säule ins Längliche gezogen. Da sich beide Schilde einander zuneigen, ergibt sich unter deren Verbindungspunkt eine Zone am Eck, die für die Anbringung von Initialen genutzt wurde: Diese Zone ist blau angestrichen und trägt die verbundenen goldenen Buchstaben AR - Augustus Rex, König August. Das Ganze kommt zweimal an gegenüberliegenden Ecken vor.

Das Wappen Augusts des Starken
Das Wappen spiegelt eine spezielle geschichtliche Konstellation wider, die nur für zwei Herrscher zutraf: August der Starke war gleichzeitig als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen (1694-1733) und August II. König von Polen (1697-1704 und 1709-1733, unterbrochen durch die Niederlage gegen Schweden im Großen Nordischen Krieg). Nach ihm galt für seinen Sohn das Gleiche (Friedrich August II., Kurfürst von Sachsen 1733-1763) und als August III. König von Polen (1733, 1736-1763).

Darüber die polnische Königskrone. Es handelt sich um eine Bügelkrone, die oben mit einer mit einem Kreuz besetzten Kugel abschließt.

Blick auf die einzelnen Seiten der linken, westlichen Postdistanzsäule.

Übersicht und Detail der linken, westlichen Postdistanzsäule.

Die Entfernungsangaben auf den Moritzburger Säulen
Die Säulen nennen Entfernungen zu Städten sowie zu wichtigen Burgen und Schlössern. Einige beispielhafte Entfernungsangaben auf den Säulen:

Literatur
Dr. Siegfried Rühle, Überarbeitung durch Friedrich H. Hofmann unter Mitwirkung von André Kaiser und Frank Ringleb, Postsäulen und Meilensteine, herausgegeben von der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e. V., 3. Auflage 2007, Schütze, Engler, Weber Verlags GbR, Dresden 2007, ISBN 978-3-936203-09-7
http://www.kursaechsische-postmeilensaeulen.de/
Lexikon Kursächsische Postmeilensäulen, transpress Verlag Berlin 1989, ISBN-10: 3344002643, ISBN-13: 978-3344002640
Verein für sächsische Postgeschichte und Philatelie:
http://www.postgeschichte-sachsen-vsp.de/
Gustav Schäfer, Geschichte des Sächsischen Postwesens vom Ursprung bis zum Übergang in die Verwaltung des Norddeutschen Bundes, Dresden 1879
Kurt Krebs: Das kursächsische Postwesen zur Zeit der Oberpostmeister Johann Jakob Kees I und II, Berlin und Leipzig 1914
http://de.wikipedia.org/wiki/Kursächsische_Postmeilensäule
http://de.wikipedia.org/wiki/Galerie_der_Sächsischen_Postmeilensäulen
http://de.wikipedia.org/wiki/Dresden-Teplitzer_Poststraße

Postdistanzsäule in Dresden - unter spezieller Berücksichtigung der Maßeinheiten und alternativer Wappendarstellungen
Postdistanzsäule in Meißen - unter spezieller Berücksichtigung der Geschichte der Markierungen
Postdistanzsäule in Pirna - unter spezieller Berücksichtigung der Geschichte ihres Verfalls
Postdistanzsäule in Königstein - unter spezieller Berücksichtigung der heutigen Standorte der Säulen
Postdistanzsäule in Stolpen - Postdistanzsäule in Leisnig

Moritzburg (Sachsen): Landgestüt - Schloß Moritzburg

Rautenkranz - Vytis

Sächsische Wappen (1), Ernestinische Linie - Sächsische Wappen (2), Albertinische Linie

Ortsregister - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2009
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de