Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1091
"Schönborn-Barock": Schloß Bruchsal - Teil (15)

Schloß Bruchsal, Position 14: südliche Torpfosten

Kleine, gegenüber den spektakulären Hauptwappen gerne vernachlässigte, wenn nicht sogar übersehene Wappendarstellungen befinden sich an den Torpfosten beiderseits der Durchgangsöffnungen in dem das ganze Vorgelände einschließenden Einzäunungen aus weißgetünchten, gemauerten Pfosten und schmiedeeisernen Gittern. Drei Paare gibt es, eines an der Südseite des Vorplatzes und eines an der Nordseite, das dritte Paar weitab am Ende der Parkallee jenseits der kleinen Häusergruppe, die den Park kurz vor der Bahnlinie abschließen, ehe die Allee jenseits der Bahn bis ins freie Feld fortgeführt wird.

Südgruppe der Torpfosten

Jeder der Pfosten besitzt auf der Innenseite ein Medaillon mit Portrait des Wappenträgers und auf der Außenseite sein Familienwappen. Es ist nur sein Familienwappen, nicht sein Amtswappen. Die Farbgebung ist keine heraldische, sondern weiß/gold. In der barocken Dekoration treten die heraldischen Farben gerne hinter den im Dekorationskonzept gewünschten Farbschemata zurück. Hier ist es Franz Christoph von Hutten zu Stolzenberg (1743 - 1770), sein Wappen zeigt in Rot zwei goldene Schrägbalken. Die hier nicht abgebildete Helmzier wäre ein offener roter Flug, beiderseits mit zwei goldenen Schrägbalken belegt, sparrenweise gegeneinander gewendet. Die Helmdecken wären rot-golden.

Hier ist es Damian Hugo von Schönborn (1719 - 1743), sein Wappen zeigt in Rot auf drei silbernen Spitzen einen schreitenden goldenen Löwen mit blauer, auch goldener Krone und Bewehrung.

Abb.: Grundriß der Gesamtanlage mit Position der beiden hier besprochenen Wappen.

Schloß Bruchsal, Position 15: nördliche Torpfosten

Nordgruppe der Torpfosten, Pendant zur Südseite, analog aufgebaut. Im Hintergrund der Kirchenflügel, rechts angeschnitten die Stirnseite des Kammerflügels.

Dieser Pfosten besitzt auf der Innenseite ein Medaillon mit Portrait des Philipp Franz Wilderich von Walderdorff (reg. 1797 - 1802, gest. 1810) und auf der Außenseite sein Familienwappen ohne Amtskomponenten. Das Wappen ist geviert: Feld 1 und Feld 4: In Schwarz ein rot-silbern geteilter, doppelschwänziger Löwe, golden gekrönt (Stammwappen von Walderdorff), Feld 2 und Feld 3: In Silber zwei rote Balken (Niederisenburg).

Dieser Pfosten besitzt auf der Innenseite ein Medaillon mit Portrait des Damian August Philipp Karl Graf von Limburg-Styrum (1770 - 1797) und auf der Außenseite sein Familienwappen ohne Amtskomponenten. Das Wappen ist geviert mit Herzschild: Feld 1: Grafen von Limburg, in Silber ein golden bewehrter, golden gekrönter, roter Löwe, einwärts gewendet. Feld 2: Graf von Bronkhorst, in Rot ein gold bewehrter, bezungter und gekrönter silberner Löwe. Feld 3: Herren von Wisch, in Gold zwei schreitende rote Löwen übereinander, einwärts gewendet. Feld 4: Herrschaft Borkelo, in Rot 3 (2:1) goldene Kugeln. Herzschild: In Silber ein roter Balken, jener belegt mit drei goldenen Pfählen (Herrschaft Gehmen/Gemen)

Abb.: Grundriß der Gesamtanlage mit Position der beiden hier besprochenen Wappen.

Schloß Bruchsal, Position 16: parkseitige Torpfosten

Westgruppe der Torpfosten. Dieses Paar steht am Ende der von barocken Skulpturen gesäumten Parkallee jenseits der aus vier symmetrischen Häusern gebildeten kleinen Baugruppe, die den Park kurz vor der Bahnlinie abschließen, ehe die Allee jenseits der Bahn im Rücken des Betrachters bis ins freie Feld fortgeführt wird.

Beide oben in einer schwungvollen eingerollten Schnecke endenden Kartuschen werden von einem Putto gehalten. Die Wappeninhalte sind nicht fürstbischöflich, sondern der Schrägbalken Badens (mit Krone) und das Kreuz des Hochstifts Speyer (mit Fürstenhut).

Abb.: Grundriß der Gesamtanlage mit Position der beiden hier besprochenen Wappen.

Zur Übersicht: Fürstbischöfe von Speyer:
Marquard Freiherr von Hattstein (1560 - 1581)
Eberhard von Dienheim (1581 - 1610)
Philipp Christoph von Sötern (1610 - 1652), Personalunion mit Trier
Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid (1652 - 1675), Personalunion mit Mainz und Worms
Johann Hugo von Orsbeck (1675 - 1711), Personalunion mit Trier
Heinrich Hartard von Rollingen (1711 - 1719)
Hugo Damian von Schönborn (1719 - 1743)
Franz Christoph von Hutten zu Stolzenberg (1743 - 1770)
Damian August Philipp Karl Graf von Limburg-Styrum (1770 - 1797)
Philipp Franz Wilderich von Walderdorff (reg. 1797 - 1802, gest. 1810)
Sedisvakanz 1802-1818

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher (insbesondere Band Bistümer)
Kurt Lupp: Schloß Bruchsal, Bau, Zerstörung und Wiederaufbau, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 21, Verlag Regionalkultur, 2003, ISBN 3-89735-263-X
Stephan Mauelshagen, Ordensritter - Landesherr - Kirchenfürst: Damian Hugo von Schönborn, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 18, Verlag Regionalkultur, 2001, ISBN 3-89735-173-0
Hans Leopold Zollner, Damian Hugo von Schönborn und seines "Lebens Arbeit", Beiträge zur Landeskunde, regelmäßige Beilage zum Staatsanzeiger für Baden-Württemberg, Nr. 6, Dez. 1975
Kurt Andermann, Otto B. Roegele, Residenzen der Bischöfe von Speyer: Speyer - Udenheim - Bruchsal, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 5, Verlag Regionalkultur, 1989
http://www.schloss-bruchsal.de/de/schloss-bruchsal
http://www.schloesser-magazin.de/de/saekularisation/Schloss-Bruchsal/236276.html
http://www.belle-alliance.com/bruchsal/bruchsal.html
Hans Huth: Schloss Bruchsal. Die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Speyer (Langewiesche-Bücherei). 3. Auflage. Langewiesche, Königstein 1990, ISBN 3-7845-0311-X
Hajo Rheinstädter: Schloß Bruchsal. Führer. Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Staatsanzeiger für Baden-Württemberg/Brausdruck, Heidelberg 1996, ISBN 3-932489-02-0
Artur Hassler: Der Wiederaufbau des Bruchsaler Schlosses - Sonderbeilage der BNN 28.2.1975 zur Schloßeinweihung
Thomas Moos: Bruchsal, ein Rundgang durch Geschichte und Gegenwart, Verlag Regionalkultur, ISBN 3-89735-202-8
Hans Huth: Der Wiederaufbau des Schlosses in Bruchsal - Denkmalpflege in Baden-Württemberg 4/1975, S. 143-148
Hartmut Platte: Das Haus Schönborn, Grafen, Fürstbischöfe und Mäzene, Börde-Verlag Werl, 2006, Reihe Deutsche Fürstenhäuser Heft 13, ISBN 3-980 9107-3-3
Ausstellungskatalog "Die Grafen von Schönborn. Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene", Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 1989

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