Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 109
Bad Mergentheim und der Deutsche Orden

Wappen von Karl Alexander von Lothringen und Bar am Spital zum Heiligen Geist

Das Spital zum Heiligen Geist in Bad Mergentheim wurde nach 1207 vom Johanniterorden gegründet. Mehrfacher Umbau und Erweiterungen durch den Deutschen Orden, zulezt 1772 durch den Hochmeister Karl Alexander von Lothringen. Heute Alten- und Pflegeheim zum Heiligen Geist, Verwaltungsgebäude.

Karl Alexander von Lothringen und Bar, Prinz von Lothringen, Generalgouverneur der Niederlande (Hochmeister 1761–1780)
Dieser Hochmeister ist für erhebliche bauliche Veränderungen am Deutschordensschloß verantwortlich: Die Trapponei wurde umgebaut, die Verteidigungsschanzen wurden 1778 abgetragen, der Schloßpark wurde angelegt. Der Westflügel des Schlosses wurde umgebaut und bekam in den Jahren 1778-1784 sein heutiges Aussehen. In der Stadt wurde das Spital 1771-1772 umgebaut, davon kündet das dort angebrachte Wappen. Weiterhin stiftete er das Krankenhaus, nach ihm „Carolinum“ benannt.

 

Das Wappen im Detail, Zuordnung
Der Schild der Herzöge von Lothringen ist geteilt und dreimal gespalten. Die 8 Felder werden wie folgt zugeordnet:

Feld 1: Alt-Ungarn – 7x rot-silbern geteilt, hier nicht so ganz getroffen
Feld 2: Königreich Neapel – Blau, mit goldenen Lilien besät, darüber ein roter Turnierkragen (fehlt hier)
Feld 3: Königreich Jerusalem – In Silber ein goldenes Jerusalemkreuz, hier etwas dilettantisch gelöst
Feld 4: Neu-Aragon – In Gold vier rote Pfähle, hier nicht so ganz getroffen
Feld 5: Anjou – Innerhalb eines roten Bordes Blau mit goldenen Lilien besät. Der rote Bord ist nur andeutungsweise vorhanden.
Feld 6: Herzogtum Geldern / Gelderland – In Blau ein goldener Löwe, rot bewehrt und bezungt, hier gewendet
Feld 7: Herzogtum Jülich – In Gold ein schwarzer Löwe, rot bewehrt und bezungt
Feld 8: Herzogtum Bar – In Blau, besät mit goldenen wiedergekreuzten Steckkreuzchen (hier vereinfacht), zwei voneinander abgewendete aufrechte goldene Barben
Über allem ein Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz, ein Mittelschild in Gold belegt mit einem schwarzen Adler.

Bei anderen Wappendarstellungen der Herzöge von Lothringen ist der Schild belegt mit einem Herzschild, in Gold ein roter Schrägrechtsbalken, belegt mit drei silbernen Alerions. Das ist das eigentliche Stammwappen der Herzöge von Lothringen (seit 1048).

Oder alternativ zu späterem Zeitpunkt mit einem gespaltenen Herzschild:
Feld 1: In Gold ein roter Schrägrechtsbalken, belegt mit drei silbernen Alerions. Das ist das eigentliche Stammwappen der Herzöge von Lothringen (seit 1048)
Feld 2: In Gold fünf (2:2:1) rote Besanten (Kugeln), oben begleitet von einer größeren blauen Kugel, diese belegt mit 3 (2:1) goldenen Lilien. Das ist das Wappen der Toscana bzw. der Medici nach 1465. Vor 1465 hatten sie in gold 6 (3:2:1) rote Besanten. 1737 starb Gian Gastone de Medici ohne Erben, und so kam das Medici-Wappen auf Umwegen in das des Hauses Lothringen.

Das fehlt hier. Wir haben in dieser Wappendarstellung kein eigentliches Stammwappen Lothringen. Es kann nur gemutmaßt werden, daß dieser wegen der Kleinteiligkeit zugunsten des Deutschordens-Herzschildes aufgegeben wurde.

Lebenslauf von Hochmeister Karl Alexander von Lothringen und Bar:

Seine Wahl zum Hochmeister liegt in einer Zeit, in der der Deutsche Orden quasi ein Hausorden der Habsburger geworden war, und in der der Hochmeisterposten eine Versorgungsstelle für Prinzen aus dem Hause Habsburg war, mit ausgezeichneter finanzieller Absicherung und Einflußmöglichkeiten als Reichsfürst. Allein schon die Ämterakkumulation machte es ihm schier unmöglich, mit ganzem Einsatz für Ordensbelange einzutreten. Entsprechend seiner politisch interessanteren Aufgaben in den Niederlanden weilte er nur selten in Mergentheim (1761, 1764, 1765) und lenkte ansonsten seine Amtsgeschäfte von Brüssel aus.

Die Inschrift unter dem Wappen:

Was ist ein Hochmeister?
Der Hochmeister ist das höchste Amt des Deutschen Ordens. Er repräsentiert den Orden nach außen. Den religiösen Titel den Hochmeisters gibt es nur im Deutschen Orden und bezeichnet das höchste Amt in diesem. Andere Ritterorden bezeichnen diese Position als „Großmeister“, normale Orden „Generalsuperior“ o.ä. Bis 1530 wurde das Oberhaupt des Deutschen Ordens nur „Hochmeister“ genannt, danach „Hoch- und Deutschmeister“. Standardmäßig hatte diese Position ein Ordensritter inne, erst später, mit dem Wandel von einem Ritterorden zu einem klerikalen Orden, ging das Amt an die Priesterbrüder über, und die Hochmeister der neueren Zeit waren immer Äbte.

Welche Macht hat der Hochmeister?
Früher, als der Orden noch seinen Schwerpunkt im Heiligen Land hatte, hatte er die höchste weltliche und geistliche Autorität des Ordens inne. Nachdem der Deutsche Orden nach Preußen übersiedelte, wurde der Hochmeister zugleich Landesherr. Im Laufe der Zeit ließ die Autorität des Amtes nach, vor allem nach der Reformation war der Symbolgehalt des Amtes wichtiger als die tatsächliche Machtausübung. Insbesondere nach dem Verlust der Territorien im Osten war „Hochmeister“ nicht mehr als ein wohltönender Titel. Mit der Säkularisation kam der Orden in enge Abhängigkeit des österreichischen Kaiserhauses, denn der Posten wurde ab da stets durch einen Prinzen aus dem Hause Habsburg besetzt und der Hochmeister war nur noch ein besonderer Würdenträger Österreichs aus der kaiserlichen Familie. Der Deutsche Orden war „quasi“ zum Hausorden der Habsburger geworden. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde der Orden aus dieser Abhängigkeit gelöst, Hochmeister wurden nun Kleriker des Ordens.

Wie ist ein Hochmeister gekleidet?
Typisch ist der weiße Ordensmantel, besetzt mit dem Hochmeisterkreuz, zur ritterlichen Gewandung bzw. später zur Uniform getragen. Heutzutage ist der Hochmeister Abt mit dem Recht, bischöfliche Gewandung zu tragen, also Mitra und Krummstab sowie violette Soutane und violettes Scheitelkäppchen (Pileolus), dazu hat er typischerweise das ritterliche Hochmeisterkreuz auf dem weißen Ordensmantel. Normalen Ordensmitgliedern steht nur das schwarze Kreuz auf dem weißen Ordensmantel zu.

Heraldischer Ausdruck des Amtes:
Nur der Hochmeister darf das Hochmeisterkreuz im Wappen führen. Dies ist ein über den Schild gelegtes schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz, Herzschild in Gold der schwarze, rotbewehrte Adler, wie es ab dem fünften Hochmeister in Gebrauch ist. Normalen Ordensmitgliedern steht nur das schwarze Kreuz in Silber zu.

Literatur:
Hans-Georg Böhm: Hochmeisterwappen des Deutschen Ordens 1198-1618, Frankonia Buch 1990, Fränkische Nachrichten Druck- und Verlags-GmbH, Tauberbischofsheim, ISBN 3-924780-15-3
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
http://www.heraldique-europeenne.org/Armoriaux/Teutonique/index.html
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/France/Maison_Lorraine.htm

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