Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1081
Ronneburg (Main-Kinzig-Kreis, Hessen)

Die Ronneburg - Teil (6)

Ronneburg - Wappen am Erker des Südwestturmes (Wappen 9)
Die weit nach Süden reichende Vorburg besitzt im Osten und Südosten auf der Mauer aufsitzende hohe Gebäude, nicht aber im Westen und Südwesten, hier ist die hohe Ringmauer mit einem rekonstruiertem Wehrgang versehen. Zwischen Hexenturm und Südwestturm verläuft die Mauer praktisch eben, zwischen Südwestturm und der Anschlußstelle an die Kernburg muß sie eine größere Höhendifferenz überbrücken; der Wehrgang geht deshalb kurz oberhalb des Südwestturmes steil nach oben. Der Hexenturm weist zwei Jahreszahlen auf, 1549 und 1550. Früher diente er als Gefängnis, und seinen Namen hat er von einer einst hier einsitzenden "Hexe". Der Südwestturm sichert eine der empfindlichsten Stellen der Vorburg; er ist auf 1548 am Portal datiert. Ein Stein mit Bauinschrift, der im oberen Geschoß eingebaut wurde, nennt 1546 als Jahr des Baubeginns: „Do disz Mauer angefangen war, Graf Jorg den ersten Stein legt dar, des Augusts achtzehenden behalt, funffzehen hundert sechs virtzih zalt - 1546“. 1549 war er vollendet. Die gesamte Vorburg entstammt einer weitgehend einheitlichen Erweiterungsphase, wobei man ab 1538 das äußere Torhaus errichtete, dann bis ca. 1541 den nördlichen Mauerabschnitt, es folgte 1545-49 der südwestliche Abschnitt, und von da baute man wieder bis 1551 in Richtung auf das äußere Torhaus. Der maßgebliche Bauherr ist also Anton Graf v. Isenburg-Ronneburg (2.8.1501 - 25.10.1560), der in der Zeit von 1526-1560 regierte.

Der nach Südwesten ausgerichtete Erker mit vier von Eselsrückenbogen-Stürzen abgeschlossenen Fenstern hat in der Brüstungszone Blendmaßwerkschmuck mit zwei eingelassenen Wappenschilden.

Zur Linken der Wappenschild des Anton Graf v. Isenburg-Kelsterbach (2.8.1501 - 25.10.1560), in Silber zwei schwarze Balken, in blauem Herzschild ein goldener, rot gezungter und ebenso bewehrter doppelschwänziger Löwe, aus Courtoisie nach innen gewendet. Die hier fehlende Helmzier wäre auf ungekröntem Helm ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern (Herzchen) bestreuter schwarzer Flug, dazwischen ein goldener, rot gezungter und bewehrter sitzender Löwe, meist mit erhobenen Vorderpranken dargestellt. Die Helmdecken wären schwarz-silbern. Man beachte die schneckenförmig ornamental eingerollte Spitze des tartschenförmig dargestellten Schildes.

Zur Rechten der Wappenschild der Elisabeth v. Wied-Runkel (nach 1505 - 24.7.1542), in mehrfach gold-rot schräg geteiltem Feld ein natürlicher Pfau (der Pfau und die Teilungen waren früher wie hier rechtsgerichtet und wurden später gewendet). Die hier fehlende Helmzier wäre der natürliche Pfau; die Helmdecken wären rot-golden.

Wegen der Unzugänglichkeit und Höhe ist nur ein schlechter Aufnahmewinkel möglich, der Detailausschnitt wurde entsprechend entzerrt.

Abb.: links: südliche Außenmauer der Vorburg zwischen Südwestturm und Hexenturm. Abb. rechts: Südwestturm von Südosten gesehen.

Ronneburg - Wappensteine im Tordurchgang des 4. Torhauses (Wappen 10)
Zur Linken der Wappenschild des Grafen Heinrich v. Isenburg-Büdingen-Kelsterbach (13.9.1537 - 31.5.1601), in Silber zwei schwarze Balken, in blauem Herzschild ein goldener, rot gezungter und ebenso bewehrter doppelschwänziger Löwe, aus Courtoisie nach heraldisch links gewendet. Die Helmzier zeigt auf ungekröntem Helm einen mit goldenen, gestürzten Lindenblättern bestreuten schwarzen Flug, dazwischen ein goldener, rot gezungter und bewehrter sitzender Löwe, hier beschädigt. Die Helmdecken sind schwarz-silbern. Die Abkürzung steht für Heinrich von (E)Isenburg Graf zu Büdingen.

Rechte Abb.: Wappenschild seiner zweiten Gemahlin Elisabeth v. Gleichen-Tonna (1554 - 19.7.1616); er zeigt in Blau einen silbernen Löwen, golden gekrönt, wird auch doppelschweifig abgebildet. Seine Krone ist eigentlich mit 3 Straußenfedern in den Farben blau-silbern-blau geschmückt, dies ist aber kein Muß. Die zugehörige Helmzier ist der Löwe aus dem Schild, sitzend, seine Krone ist mit 3 Straußenfedern in den Farben blau-silbern-blau geschmückt. Die Helmdecken sind blau-silbern. Die Abkürzung bedeutet Elisabeth von (E)Isenburg Gräfin von (E)Isenburg zu Büdingen geborene Gräfin zu Gleichen.

Genealogie (6): Die Ronneburg fällt an die Linie Isenburg-Birstein
1601 ging die Ronneburg vom letzten Grafen aus der Ronneburger Linie, Heinrich v. Isenburg-Büdingen-Kelsterbach (13.9.1537 - 31.5.1601), fünfter Besitzer der Ronneburg aus der Familie Isenburg, an Graf Wolfgang-Ernst I zu Ysenburg-Büdingen in Birstein über. Nicht friedlich, sondern gewaltsam. Denn es gab religiöse Differenzen, und Graf Heinrich hatte vor seinem Tode beschlossen, die Erbfolge zu ändern, mit entsprechend folgendem Familienzwist. Noch abends am Tag des Todes des Grafen Heinrich eroberte Graf Wolfgang-Ernst I zu Ysenburg-Büdingen in Birstein die Ronneburg mit Gewalt unter erheblicher Beschädigung der Toranlagen. Heinrichs Witwe Elisabeth Gräfin von Isenburg-Ronneburg, geborenen Gräfin v. Gleichen-Tonna (1554 - 19.7.1616), war immerhin noch Herrin der Burg und reichte Beschwerde beim kaiserlichen Kammergericht ein über diese gewaltsame Aneignung der Burg durch den rücksichtslosen Verwandten, was am 8.8.1601 zu einem Vergleich führte, der beinhaltete, daß Gräfin Elisabeth das Schloß als Witwensitz bekam, ferner mußte Graf Wolfgang-Ernst alle Schäden an der Burg auf eigene Kosten ausbessern lassen. Gräfin Elisabeth wohnte hier noch bis 1615. Nach ihrem Ableben 1616 fiel die Burg jedoch komplett an die Birsteiner Linie.

Die neuen Besitzer nutzen die Burg jedoch nicht selber als Residenz, sondern ebenfalls zur Abschiebung von Witwen. Graf Wolfgang-Ernst verschrieb die Burg seiner Frau Juliane als Witwensitz und ließ die Burg durch einen Burggrafen verwalten, dies war Burggraf Harengel. Aus Unachtsamkeit desselben brannte 1621 die Burg, dem Feuer zum Opfer fielen das Bandhaus, der Zwischenbau, der Galeriebau, das Brunnenhaus und der Kemenatenbau, so daß der Witwensitz in den Oberhof in Büdingen verlegt wurde.

Abstammung und Nachkommen des Grafen Wolfgang Ernst, erster Besitzer der Ronneburg aus der Birsteiner Linie:

Nach Wolfgang Ernst erhielt dessen Sohn Philipp Ernst die Ronneburg. Das war das Ergebnis der Teilung des Erbes im Jahre 1628 in fünf Anteile. Es folgten wilde Zeiten des 30jährigen Krieges, Philipp Ernst Graf zu Ysenburg-Büdingen-Birstein mußte 1634 vor den kaiserlichen Truppen nach Hanau fliehen. Er starb 1635 ohne Erben. Aufgrund des Engagements des Erstgeborenen Wolfgang Heinrich Graf zu Isenburg-Birstein auf evangelisch-schwedischer Seite wurde die Ronneburg am 7.7.1635 zum verwirkten Reichslehen erklärt, eingezogen und dem Landgrafen Georg II von Hessen-Darmstadt gegeben (hessische Sequesterverwaltung). 1642 wurden die Isenburger rehabilitiert und bekamen die Ronneburg zurück, und zwar bekam sie Wilhelm Otto Graf zu Ysenburg-Büdingen-Birstein, Bruder des letzten Besitzers aus der Linie Isenburg-Birstein. Er nahm aber keine Wohnung auf der Ronneburg, sondern residierte in Birstein.

Von all diesen Besitzern haben sich keine heraldische Spuren an den Gebäuden erhalten. Zum einen waren es stürmische, arme und kriegerische Zeiten, wo man wenig an Repräsentation dachte, zum anderen standen andere Wohnsitze im Vordergrund des Interesses, während die Ronneburg verwaltet wurde.

Philipp Ernst hatte einzig eine Tochter, die nur etwas älter als ein Jahr wurde, Wilhelm Otto hatte gar keine Nachkommen, so kam die Ronneburg an die Kinder des verstorbenen ältesten Bruders der beiden letzten Burgherren, die in Offenbach residierende Linie übernahm also die Ronneburg als Ausgleich für an Hessen-Darmstadt verlorene Gebiete.

Ronneburg - Moderne Wappenschilde im Zwischenhof (Wappen 11)
Der Zwischenhof gehört eigentlich baulich zur Kernburg und befindet sich zwischen dem dritten und vierten Torhaus. Die Kernburg wird durch den großen Bergfried nebst angebautem Treppenhaus in einen kleineren Teil, den Zwischenhof umschließend, und einen größeren Teil, den inneren Burghof umschließend, geteilt. Vom tiefer gelegenen Weg gelangt man über eine kleine Treppe auf die höher gelegene Hof-Plattform. Im Süden schließt eine einfache Wehrmauer aus dem Spätmittelalter mit rekonstruiertem Wehrgang den Hof ab, im Norden die neuen Kemenaten, im Osten das Brunnenhaus und im Westen der Bergfried mit seinen angeschlossenen Treppenhäusern. Ursprünglich bestand der Hof nur aus einem schmalen Durchgang, erst durch den Abbruch eines baufälligen Anbaues wurde er so groß, wie er heute ist.

Abb.: Blick vom Bergfried in den Zwischenhof. An der hölzernen Galerie des Wehrganges erkennt man die dort befestigten modernen Wappenschilde. Das Dach rechts unterhalb des Wehrganges gehört zum erheblich tiefer liegenden Bandhaus.

Genealogie (7): Die Ronneburg unter Isenburg-Offenbach
Der Enkel des Grafen Wolfgang-Ernst, der damals die Burg noch am Todestag seines Verwandten gewaltsam nahm, ist der erste Herrscher auf der Ronneburg aus der Offenbacher Linie. Nun ja, herrschen stellt man sich anders vor, denn die Burg war ein Saustall, ein Trümmerhaufen nach dem 30jährigen Krieg und nach dem Brand von 1621, die verbliebenen Wohnbauten vollgestopft mit Flüchtlingen und Elend. Er mußte erst einmal Ordnung schaffen und den Wiederaufbau ab 1652 einleiten. Die nächste Widrigkeit seiner Herrschaft auf der Ronneburg war der Streit mit seinen jüngeren Brüdern. Christian Moritz, Wolfgang Heinrich und Karl Ludwig verlangten von ihrem älteren Bruder die Aufteilung des Besitzes, was dieser ablehnte, worauf die drei Brüder schließlich 1656 die Burg gewaltsam in ihren Besitz brachten. Unter dem Druck der Gewalt trat Johann Ludwig nach langen Kämpfen und Verhandlungen das Amt Ronneburg an die rebellischen Brüder ab. Es war keine gute Herrschaft, sondern eine reichlich wilde an der Grenze zum Raubrittertum. Übergriffe auf die Bevölkerung durch das sich auf der Burg versammelnde Pack waren normal, die Burg wurde Freistätte. Einen positiven Einfluß auf die Entwicklung hatte jedoch die Ansiedlung von Hugenotten, die hier Schutz suchten. Johann Ludwig überlebte seine drei wilden Brüder und übernahm 1672 wieder die alleinige Herrschaft, die er an seinen Sohn weitergeben konnte. Jener Sohn wohnte jedoch auf Schloß Birstein. 1684 war die Isenburgische Hauptteilung in die Linien Birstein und Büdingen. 1687 kam es zu einer weiteren Teilung zwischen den Brüdern Johann Philipp in Offenbach und Wilhelm Moritz in Birstein, dem die Ronneburg zufällt. Die Ronneburg wurde 1698 wieder einmal Witwensitz. Wilhelm Moritz verkaufte die Ronneburg 1698 aus Geldmangel an Graf Johann Ernst von Isenburg-Büdingen aus der Büdinger Linie, der sie von einem Burggrafen verwalten ließ.

Von den Besitzern aus der Offenbacher Linie haben sich keine heraldischen Spuren an den Gebäuden erhalten. Zu sehr war die Zeit von Reparatur und Not bestimmt, es wurden keine Repräsentationsbauten errichtet, das Geld war knapp, und insbesondere die drei wilden Brüder hatten anderes im Sinn.

Abb. links: Erker der südlichen Ringmauer der Vorburg. Abb. rechts: moderner Nachbau eines Wurfzeuges.

Genealogie (8): Die Ronneburg unter Isenburg-Büdingen
Graf Johann Ernst ist der Käufer der Ronneburg (12.2.1698). Der junge Graf war dabei noch minderjährig und stand ab 1693 unter Vormundschaft. Viel hatte er nicht von seinem neuen Besitz, denn er starb an den Blattern, unvermählt und ohne Nachkommen. Außerdem wurde die Burg nur verwaltet, Wohnsitz war sie nicht mehr. Sein Bruder Ernst Casimir übernahm die Herrschaft. Er förderte die Ansiedlung von Hugenotten. 1725 starb Graf Karl August zu Ysenburg aus der Linie Isenburg-Marienborn, die mit ihm erlosch. Dessen Gebiete wurden in der sog. Marienborner Erbteilung aufgeteilt. Die Ronneburg kam dabei als Ausgleich für andere von der Linie zu Büdingen gewonnene Gebiete an die Linie Wächtersbach.

Aus der Zeit von Graf Ernst Casimir haben wir keine heraldischen Denkmäler auf der Ronneburg.

Abb.: Türgewände von 1571 rechts neben dem Bergfried.

Ronneburg - Grenzsteine am Kopf des Bandhauses (Wappen 12)
Nicht am ursprünglichen Ort sind diese drei kleinen heraldischen Denkmäler, drei ehemalige Grenzsteine (Gemarkungssteine), die man im Grün am Kopfende des Bandhauses aufgestellt hat.

Alle drei auf 1762 datierten Grenzsteine sind mit dem Isenburger Wappenschild geschmückt, in Silber zwei schwarze Balken.

Genealogie (9): Die Ronneburg unter Isenburg-Wächtersbach
Der Gewinner der Ronneburg aus der Linie Wächtersbach ist Graf Ferdinand Maximilian II zu Ysenburg-Büdingen. Sein jüngerer Bruder Wilhelm beanspruchte nun vehement die Ronneburg. Nach umfangreichen Verhandlungen wurde sie ihm 1792 gegeben. Dieser nahm endlich wieder einmal Wohnung auf der Ronneburg. Er begründete keine neue Linie zu Ronneburg, denn die einzige Tochter starb als Baby. Der Aufwand für die Herrichtung der Burg stürzte Graf Wilhelm in Schulden, so daß er die Burg 1734 verpachtete und selbst nach Gelnhausen zog.

Aus der Zeit danach finden wir die jüngsten heraldischen Denkmäler auf der Ronneburg, die oben abgebildeten drei auf 1762 datierten und am Kopfende des wiedererrichteten Bandhauses aufgestellten Grenzsteine.

Position der auf dieser Seite besprochenen Wappenauswahl:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Klaus-Peter Decker, G. Ulrich Großmann: Die Ronneburg, 2. Auflage 2006, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, ISBN 978-3-7954-1879-3
Klaus-Peter Decker: Die Burgen der Grafschaft Ysenburg-Büdingen im Spätmittelalter, in: Die Burg - ein kulturgeschichtliches Phänomen, hrsg. von H. Hofrichter, Stuttgart 1994, S. 86-96
Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen, Marburg 1954
Peter Niess: 700 Jahre Ronneburg, Sonderdruck aus den Büdinger Geschichtsblättern, Band III, Jahrgang 1959, Nachdruck 1987, hrsg. von der Fürstl. Ysenburg-Büdingischen Burg- und Museumsverwaltung Ronneburg
Burkhard Kling: Die Ronneburg. Große Baudenkmäler 471, München/Berlin 1993
Peter Niess: Die Ronneburg, eine fürstlich Ysenburgische Burg und ihre Baugeschichte, Braubach 1936
Hessische Residenzen:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/119_Ronneburg_Schloss.xml

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