Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 108
Bad Mergentheim und der Deutsche Orden

Wappen von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg am Spital zum Heiligen Geist

Lebenslauf von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, Fürstbischof von Trier und Mainz (Hochmeister 1694–1732)

Hier begegnet uns ein sehr aktiver Hochmeister, der sich intensiv um die Ordensbelange kümmerte, sowohl militärisch durch seine Beiträge zum Türkenkrieg, als auch hinsichtlich sozialer Aufgaben (Neubau großer Teile des Spitals, Errichtung eines Armenhauses vor der Stadt, Einrichtung eines Gymnasiums). Im Schloß gehen der Neubau der Schloßkirche und des Priesterseminars auf seine Initiative zurück.

Das Herzogtum Pfalz-Neuburg
Das Herzogtum Pfalz-Neuburg ist ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das nur wenig über 300 Jahre bestand und im Vergleich zu anderen Territorien nur eine kurze Geschichte hatte. Zudem war das zugehörige Territorium stark zersplittert. Allein das Stammland teilte sich in Oberland, Pfalz-Sulzbach, Nordgau und einen Teil in Franken. Verwaltungszentrum und Residenzstadt war Neuburg an der Donau. Dieses Herzogtum ist als Produkt des Landshuter Erbfolgekrieges 1505 für die beiden minderjährigen Söhne des Wittelsbacher Pfalzgrafen Ruprecht von der Pfalz, Ottheinrich und Philipp aus der Taufe gehoben worden. Später kamen weitere zersplitterte Gebiete hinzu, 1609/14 die niederrheinischen Länder Jülich und Berg, 1685 auch die Kurpfalz. Pfalz-Neuburg war damit ein geographisch zersplittertes Konstrukt, das 1777 zu einer gewissen Größe kam, als unter der Linie Pfalz-Sulzbach auch noch die Wittelsbacher Länder dazukamen, das aber schon 1808 aufgehoben wurde. Wenn etwas die Geschichte dieses etwas artifiziellen Herzogtums Pfalz-Neuburg prägt, so sind das territoriale Zerrissenheit und Erbauseinandersetzungen.

Das Wappen im Detail, Zuordnung
Dieses Wappen ist über dem Toreingang zum Spital am Kiliansbrunnen. Das Wappen ist aufgeteilt in Hauptschild, Mittelschild und Herzschild und nochmals einen winzigen Schild auf diesem, hat also rein formal 5 (!) Ebenen übereinander. Der Hauptschild enthät das Familienwappen, also amtsunabhängige Komponenten, die auch während seiner Lebenszeit nicht verändert wurden. Der Mittelschild enthält Amtswappen, die im Laufe seiner Karriere Änderungen erfuhren. Zwischen Mittelschild und Herzschild liegt das Großmeisterkreuz, der Herzschild gehört zu ihm. Das winzige Herzschildchen ganz obenauf ist wieder ein kirchenamtsabhängiges Detail. Genau die oben beschriebene historische Entwicklung spiegelt sich auch im Wappen wieder: 1698 wurde das Spital umgebaut, da waren die Besitzungen schon um die Herzogtümer Jülich und Berg und um die Kurpfalz bereichert worden. Das eigentliche Stammwappen ist aber das der Wittelsbacher, von denen die Herzöge von Pfalz-Neuburg abstammen. Zur Territorialgeschichte der einzelnen Komponenten des Wappens existiert ein eigener Artikel (ehem. Pfarrhaus Ellwangen).

Hauptschild: Familienwappen der Herzöge von Pfalz-Neuburg

Haus Wittelsbach: Silbern und Blau schräg gerautet. Ursprünglich (seit 1204) war das das Wappen der Grafen von Bogen, wurde aber 1247 von den Wittelsbachern als Stammwappen übernommen. Die silbern-blauen Rauten sind heute das bayerische Wahrzeichen, und der Rautenschild symbolisiert heute Bayern als Ganzes.
Pfalz: In Schwarz ein goldener Löwe, rot gekrönt, gezungt und bewehrt. Altes Wappen der Pfalzgrafen bei Rhein. Nach der Belehnung des Herzog Ludwig von Bayern im Jahre 1214 mit der Pfalzgrafschaft diente es als gemeinsames Kennzeichen der altbayerischen und pfälzischen Wittelsbacher. Kurpfalz wäre geviert aus den Wittelsbacher Rauten und dem Pfälzer Löwen.
Jülich: In Gold ein schwarzer Löwe. Nachdem die Herzöge 1609 ausstarben, werden die Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg aufgeteilt. Die Stadt gehört danach mit dem Herzogtum zu Pfalz-Neuburg.
Herzogtum Kleve: In Rot mit silbernem Herzschild ein goldenes Glevenrad. Wurde 1521 mit Berg, Jülich und der Mark zu den Vereinigten Herzogtümern Jülich-Kleve-Berg verbunden.
Grafen von Moers: In Gold ein schwarzer Balken
Grafschaft Mark: In Gold ein silbern-rot geschachter Balken. Die Grafschaft Mark lag beiderseits der Ruhr in Westfalen/Sauerland. 1394 wurden das Herzogtum Kleve und die Grafschaft Mark vereinigt.
Grafschaft Veldenz: In Silber ein blauer Löwe, golden bewehrt und golden bekrönt. Im Jahre 1444 fielen die Burg und Umland an der Mittelmosel an den Grafen von Pfalz-Zweibrücken.
Berg: In Silber ein roter Löwe, gold bewehrt, blau gekrönt, doppelschwänzig
Grafschaft Ravensberg: In Silber drei rote Sparren. Hintergrund: Die Grafschaft Ravensberg im nordöstlichen Westfalen (Zentrum: Bielefeld) war ab 1346 mit Berg, ab 1437 mit Jülich-Berg und ab 1511 mit Kleve verbunden. 1346 starb das Haus Calvelage-Ravensberg im Mannesstamm aus, über Margarete, Ehefrau von Gerhard I, wird dieser 1348 der neue Graf von Berg. 1511 gibt es einen weiteren Erbfall: Jülich-Berg–Ravensberg verbindet sich mit Kleve-Mark. 1609 kommt es zum Jülich-Klevischen Erbfolgestreit, nachdem Johann Wilhelm IV. ohne Erben gestorben war und sich mehrere fürstliche Häuser, vor allem Pfalz-Neuburg, Sachsen und Brandenburg, um die Ansprüche und hinterlassenen Länder stritten. 1614 werden die strittigen Gebiete im Vertrag von Xanten geteilt: Das Haus Pfalz-Neuburg erhält Jülich und Berg, Brandenburg (Preußen) bekommt Kleve, Mark und Ravensberg. Das heißt, daß hier im Wappen zwar noch die kompletten Ansprüche aufrecht erhalten werden, obwohl die realen Zugewinne sich auf Jülich und Berg beschränken.

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Dieser Mittelschild hat sich im Laufe des Lebens entsprechend verändert, er wurde immer den jeweiligen Ämtern angepaßt. Frühe Hochmeisterwappen zeigen im Mittelschild Worms, Ellwangen und Breslau, welches beide unteren Felder einnimmt, wie am Priesterseminar (siehe dort). Als Fürstbischof von Trier rückt Breslau in ein einziges Feld (wie hier), das Prümer Lamm belegt Feld 4. Ein kleiner Herzschild (Ebene 5) noch auf dem Hochmeister-Herzschild zeigt das Trierer rote Kreuz in Silber. 1729 wurde dieses gegen das Mainzer silberne Rad in Rot ausgetauscht (wie hier), dem Ämterwechsel entsprechend. Hier finden wir ein Wappen aus der Zeit als Mainzer Fürstbischof:

Hochstift Worms (im schwarzen, mit goldenen Schindeln belegten Feld ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel)
Gefürstete Propstei Ellwangen (in Silber eine goldene Prälatenmütze)
Fürstbistum Breslau (oben schlesischer Adler, in Gold ein schwarzer Adler, auf der Brust belegt mit einem silbernen Mond, unten in Rot 6 (üblich 3:2:1, hier 3:3) silberne Lilien)
Fürstabtei Prüm (Osterlamm). Mit Prüm ist Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg in besonderem Maße verbunden, denn er war es, der 1721 den Neubau der Klosterkirche durch Johann Georg Judas veranlaßte. Deswegen ist es auch nachvollziehbar, daß er sich noch nach dem Wechsel vom Trierer auf den Mainzer Bischofssitz heraldisch mit Prüm verbunden fühlte, obwohl er die Ebene 5 austauschte.

Zu diesem Zeitpunkt war er nicht mehr Bischof von Trier, sondern Bischof von Mainz, der Bezug zu Prüm wurde beibehalten. Das heißt, daß dieses Wappen nur in die Zeit von 1729-1732 passen kann, also etwas später als der eigentliche Umbau des Spitals. Die Inschrift nennt als Datum der Vollendung des Umbaus das Jahr 1698, das Wappen muß aber entweder später angebracht worden sein oder später angepaßt worden sein.

Darüber das Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler
Aufgelegtes kleinstes Schildchen: In Rot ein silbernes Rad, das Mainzer Rad bzw. das Rad des Hochstifts Mainz.

Literatur:
Hans-Georg Böhm: Hochmeisterwappen des Deutschen Ordens 1198-1618, Frankonia Buch 1990, Fränkische Nachrichten Druck- und Verlags-GmbH, Tauberbischofsheim, ISBN 3-924780-15-3
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
http://www.baesweiler.de/tb/bilder/0306_deuren_2.jpg

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