Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1078
Ronneburg (Main-Kinzig-Kreis, Hessen)

Die Ronneburg - Teil (3)

Ronneburg - Wappen am Kellerhals des Saalbaus (Wappen 7)
Der Saalbau hat eigentlich die Funktion eines Palas, des Wohnbaus einer Burg. Da man aber unter Palas gewöhnlich einen Saalbau romanischer Entstehungszeit versteht, wird dieser dreigeschossige Bau aus dem 14.-16. Jh. nur als Saalbau bezeichnet. Im Kern stammt dieser den gesamten westlichen Abschluß der Kernburg bildende Wohnbau aus dem 14. Jh., der breit korbbogengewölbte Keller sogar vom Anfang des 14. Jh. (1. Bauphase), die Geschosse darüber mit den Kreuzstockfenstern aus der zweiten Hälfte des 14. Jh. (Umbau, 2. Bauphase). Der runde Treppenturm mit innenliegender Wendeltreppe entstammt dem 15. Jh. (3. Bauphase mit Umbau des Saalbaus), der Innenausbau mit Rippengewölben, die Auftrennung des einst durchgehenden Saales in Küche und Hofstube und die Erker aus dem 15. (3. Bauphase) und 16. Jh. (4. Bauphase). Die obersten Teile wurden im 17. Jh. nach dem Brand von 1621 wiederhergestellt.

Linke Abb.: Blick auf den Saalbau. Dominierend der runde Treppenturm aus dem 15. Jh. (3. Bauphase), links daneben im zweiten Obergeschoß der Kapellenerker mit 5/8-Abschluß aus dem späten 14. Jh. (2. Bauphase). Vor den Treppenbau ist der Kellerhals aus dem 16. Jh. gebaut, der Zugang zu dem großen Gewölbekeller unter dem Saalbau gewährt. Abb. rechts: Der Kellerhals mit steinernem Unterbau und Fachwerkobergeschoß, angebaut an den Treppenturm. Auf dem auf 1555 datierten steinernen Gewände befinden sich die Wappen der beiden Ehepartner, die Bauherren waren:

Zur Linken der Wappenschild des Anton Graf v. Isenburg-Kelsterbach (2.8.1501 - 25.10.1560), in Silber zwei schwarze Balken, in blauem Herzschild ein goldener, rot gezungter und ebenso bewehrter doppelschwänziger Löwe. Die hier fehlende Helmzier wäre auf ungekröntem Helm ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern (Herzchen) bestreuter schwarzer Flug, dazwischen ein goldener, rot gezungter und bewehrter sitzender Löwe, meist mit erhobenen Vorderpranken dargestellt. Die Helmdecken wären schwarz-silbern. Man beachte das Steinmetzzeichen links unter dem Wappenschild.

Zur Rechten der Wappenschild der Elisabeth v. Wied-Runkel (nach 1505 - 24.7.1542), in mehrfach gold-rot schräg geteiltem Feld ein natürlicher Pfau (der Pfau und die Teilungen waren früher wie hier rechtsgerichtet und wurden später gewendet). Die hier fehlende Helmzier wäre der natürliche Pfau; die Helmdecken wären rot-golden.

Genealogie (4): Die Linie Isenburg-Ronneburg (Kelsterbach)
Nach Philipp fällt die Ronneburg an dessen ältesten Sohn, Anton, vermählt mit Elisabeth v. Wied-Runkel. Dieses Paar ist reich mit Kindern gesegnet, insgesamt 15 an der Zahl. Das kann man von diesen Kindern wiederum nicht sagen, denn nacheinander regieren auf der Ronneburg die beiden Brüder Georg und Heinrich, beide kinderlos, und mit ihnen erlosch die Linie Isenburg-Ronneburg. Alle drei, Anton und seine Söhne Georg und Heinrich, bauten die Ronneburg gewaltig aus, und ihnen haben wir das zu verdanken, was wir heute sehen. Anton ließ ab 1523 die Tor- und Zwingerbauten anlegen, er baute die Vorburg gewaltig aus, er erbaute das Bandhaus mit diversen Werkstätten und den Marstall für Pferde und Zubehör und Personal. Die Rundtürme der Vorburg entstanden unter seiner Herrschaft. Die Weinberge, Felder und Gärten rings um die Burg entstanden nach entsprechender Rodung. Die bestehenden Wohnbauten erlebten eine Aufbesserung durch Umgestaltung, Einbau von Erkern und Gewölben, der neuen Wohnkultur einer neuen Zeit entsprechend, die mehr das Wohnliche in der Kernburg erleben wollte. Die Regierungszeit seines Sohnes Georg wähnte nur fünf Jahre, danach gab er die Regierungsgeschäfte an seinen jüngeren Brüder Heinrich ab, unter dem die Ronneburg während seiner 36jährigen Regierungszeit eine letzte, schönste, dekorativste Blüte erlebte. In seine Zeit fallen die Erbauung der Neuen Kemenaten 1573, die einzigartige Turmbekrönung von 1581, die Backhausüberbauung mit dem nördlichen Renaissance-Giebel

Aus dieser Genealogie finden wir an der Ronneburg das Allianzwappen Isenburg / Wied am Kellerhals des Saalbaus, am Erker des Saalbaus und in den Schlußsteinen dessen Netzgewölbes, ferner am Erker des Südwestturmes.

Ebenfalls finden wir an der Ronneburg das Allianzwappen Isenburg / Rappoltstein am Erker des vierten Torbaus (Zinzendorfbau) und das Wappen Gleichen an den Wappensteinen im Tordurchgang desselben, Allianzwappen Isenburg / Gleichen am Erker des Alten Baus und über dem Portal der Neuen Kemenaten.

Abb.: Der auf 1555 datierte Kellertürsturz mit den beiden Wappenschilden.

Genealogie (5a): Die Frauen der Linie Isenburg-Ronneburg (Kelsterbach)
Abstammung der Elisabeth v. Wied-Runkel (nach 1505 - 24.7.1542)

Ronneburg - Wappen am Erker des Zinzendorf-Baues (Wappen 6)
Der auch Zinzendorf-Bau genannte Trakt beherbergt das vierte Torhaus, das den Zwischenhof mit dem inneren Burghof verbindet. Im unteren Teil hat das Gebäude einen langen gewölbten Torweg, im später aufgesetzten oberen Teil sind Wohnräume. In allen Jahrhunderten vom 14. bis zum 16. wurde an diesem wichtigsten, innersten Zugang zur Kernburg gebaut, und dem an die Wehrmauer aus dem 14. und 15. Jh. angrenzenden älteren kreuzgratgewölbten Torweg wurde um 1570 ein Saalbau aufgesetzt. Die beiden Torbögen mit reichlich abgefahrenen Gewänden aus Sandstein stammen aus den Jahren 1570 und 1541.

Der Oberbau bekam seinen Namen nach Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700 - 9.5.1760), Hof- und Justizrat in Diensten August des Starken in Dresden, einem lutherisch-pietistischen Theologen, der 1722 die Herrnhuter Brüdergemeinde gründete und ihr erster Bischof wurde. Dies knüpft an die Geschichte der Ronneburg als Freistätte und Zufluchtsort für Glaubensflüchtlinge an, die hier aufgrund der toleranten Politik der Grafen von Isenburg leben und sich treffen konnten. Als der Herrnhuter Gemeinde die Ausweisung aus Sachsen drohte und Zinzendorf aus Sachsen verbannt wurde, wollten sie 1736 zuerst auf die Ronneburg ziehen, entschieden sich aber dann 1738 für die Pachtung des Schlosses Marienborn, wo eine Mustersiedlung Herrnhaag entstand, die aber schon 1750 aufgegeben wurde. Der Saal in diesem Gebäude der Ronneburg, einst ein Wohn- oder Schlafraum, wurde als Kirche der Glaubensgemeinschaft genutzt, daher der Name.

Das baulich wie heraldisch interessanteste Schmuckstück ist der Erker aus der Renaissance (1570), der reich mit Blendmaßwerk verziert ist. Auf der anderen Seite besitzt der Zinzendorfbau einen weiteren zweigeschossigen Erker, der einem Stützpfeiler aufsitzt und die untere Vorburg überragt. In das Blendmaßwerk eingefügt finden wir zwei reichverzierte Wappenschilde:

Zur Linken der Wappenschild des Grafen Heinrich v. Isenburg-Büdingen-Kelsterbach (13.9.1537 - 31.5.1601), in Silber zwei schwarze Balken, in blauem Herzschild ein goldener, rot gezungter und ebenso bewehrter doppelschwänziger Löwe, aus Courtoisie nach heraldisch links gewendet. Die hier fehlende Helmzier wäre auf ungekröntem Helm ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern (Herzchen) bestreuter schwarzer Flug, dazwischen ein goldener, rot gezungter und bewehrter sitzender Löwe, meist mit erhobenen Vorderpranken dargestellt. Die Helmdecken wären schwarz-silbern. Man beachte die ornamentale Ausformung des Wappenschildes mit vier Einkerbungen und asymmetrisch nach vorne bzw. nach hinten eingerollten drei Zipfeln.

Zur Rechten der Wappenschild der Gräfin Maria v. Rappoltstein (5.7.1551 - 15.10.1571). Der Schild ist geviert mit Herzschild.

Man beachte die ornamentale Ausformung des Wappenschildes mit vier Einkerbungen und asymmetrisch nach vorne bzw. nach hinten eingerollten fünf Zipfeln. Interessant ist, daß hier alle Elemente nach links gewendet sind. Für die Männerseite ist das aus Gründen der Courtoisie normal, aber warum auch die Frauenseite? Vielleicht erklärt sich das durch die Lage des Erkers. Er befindet sich hofseitig am Zinzendorfbau, durch den hindurch der Zugang in den Burghof erfolgt. Der Gast kommt also optisch rechts von diesem Wappen in den Hof, und wenn er sich umwendet, schauen ihn alle Elemente der beiden Wappenschilde an. Es ist also ein Fall von Courtoisie dem Eintretenden gegenüber.

Das Geschlecht stammt von der Burg Hohenrappoltstein im Elsaß. Zur Herrschaft gehörten auch die Burgen Giersberg und die bekannteste, die Ulrichsburg. Der Schild wird heute von der Ortschaft Rappoltstein genau so geführt. Ferner finden sich die Elemente des Rappoltsteiner Wappens im vermehrten Wappen des Fürstentums von Waldeck-Pyrmont wieder und in dem der Pfalz.

Der Vollständigkeit wegen seien die hier nicht abgebildeten drei Helmkleinode der Grafen von Rappoltstein erwähnt:

  • Ein silbern gewandeter Mannesrumpf ohne Arme, mit roten Kragenaufschlägen, das Gewand auf der Brust mit 3 (2:1) roten Schildchen belegt, auf dem Haupte eine silberne, rot aufgeschlagene Mütze, die vorne mit einer schwarzen Feder besteckt ist (Grafschaft Rappoltstein). Helmdecke silbern-rot.
  • Ein geschlossener schwarzer Flug, belegt mit drei silbernen, aus der Helmkrone sich erhebenden Pilgerstäben, die sich durch die Häkchen zum Aufhängen der Pilgerflaschen kenntlich machen (Herrschaft Hohenack). Helmdecken schwarz-silbern.
  • Ein dreireihiger Pfauenstoß, in eine rote Mütze mit silbernem Stulp gesteckt (Herrschaft Geroldseck). Helmdecken rot-silbern.
  • Detailausschnitte: Linke Abb. Wappenschild Isenburg, rechte Abb. Wappenschild Rappoltstein.

    Genealogie (5b): Die Frauen der Linie Isenburg-Ronneburg (Kelsterbach)
    Abstammung der Maria v. Rappoltstein (5.7.1551 - 15.10.1571)

    Abb.: Drei Steinmetzzeichen vom hofseitigen Erker des Zinzendorfbaus.

    Position der auf dieser Seite besprochenen Wappenauswahl:

    Literatur, Links und Quellen:
    Siebmachers Wappenbücher
    Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
    Klaus-Peter Decker, G. Ulrich Großmann: Die Ronneburg, 2. Auflage 2006, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, ISBN 978-3-7954-1879-3
    Klaus-Peter Decker: Die Burgen der Grafschaft Ysenburg-Büdingen im Spätmittelalter, in: Die Burg - ein kulturgeschichtliches Phänomen, hrsg. von H. Hofrichter, Stuttgart 1994, S. 86-96
    Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen, Marburg 1954
    Peter Niess: 700 Jahre Ronneburg, Sonderdruck aus den Büdinger Geschichtsblättern, Band III, Jahrgang 1959, Nachdruck 1987, hrsg. von der Fürstl. Ysenburg-Büdingischen Burg- und Museumsverwaltung Ronneburg
    Burkhard Kling: Die Ronneburg. Große Baudenkmäler 471, München/Berlin 1993
    Peter Niess: Die Ronneburg, eine fürstlich Ysenburgische Burg und ihre Baugeschichte, Braubach 1936
    Hessische Residenzen:
    http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/119_Ronneburg_Schloss.xml

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