Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1077
Ronneburg (Main-Kinzig-Kreis, Hessen)

Die Ronneburg - Teil (2)

Ronneburg - Wappen am 1. Torhaus (Wappen 1)
Die Ronneburg wird gut gesichert, vier verschiedene Torhäuser in gerader Folge müssen passiert werden, bis man im inneren Burghof steht. Das erste Tor gibt Zugang zur Vorburg, das dritte zum Zwischenhof, das vierte zur Kernburg, und das zweite Tor ist eine vorgeschobene Sicherung in der Vorburg, ehe man zum dritten Tor gelangt. Die gesamte Vorburg in ihrer heutigen Ausdehnung mit ihren Mauern und Türmen entstammt einer Erweiterungsaktion in den Jahren 1538-1550 unter Anton Graf v. Isenburg-Kelsterbach (2.8.1501 - 25.10.1560). Die drei äußeren Tore selbst sind etwas früher unter Philipp Graf v. Isenburg-Ronneburg (20.3.1467 - 22.2.1526) gebaut worden. Das äußerste Tor ist ohne weitere Schutzbauten in die Bruchsteinmauer der östlichen Vorburg eingefügt, zwei spätere Flankierungstürme sichern die östlichen Ecken der Vorburg. Vor dem Tor befand sich der Graben, wobei aber weder ein Falz oder Anschlag noch Rollenlöcher vorhanden sind, was auf eine ehemalige Zugbrücke hingewiesen hätte, deshalb ist eine einfache Holzbohlenbrücke über den Graben anzunehmen, die bei Bedarf einfach abgeschlagen wurde. Rechts und links der Torgewände sichern breitrechteckige, aus riesigen Sandsteinquadern in einem Stück gearbeitete Schießscharten den Eingang, je eine Scharte nach außen und eine um 90 Grad gedrehte auf gleicher Höhe direkt auf das Tor gerichtete, jeweils von zwei kleinen Räumen im Winkel zu bedienen. Man kann gut erkennen, daß die Bruchsteinmauern der Vorburg nachträglich an die älteren Torbauten angesetzt wurden. Ursprünglich war der heute nicht mehr besonders hervortretende äußerste Eingang durch zwei 1870 abgebrochene Obergeschosse betont, wie auch ältere Zeichnungen und noch vorhandene Maueransätze belegen, so daß es eigentlich ein richtiger Torturm war. Der sich trapezförmig nach innen erweiternde Eingangstunnel ist mit einem zweijochigen Kreuzgratgewölbe gedeckt.

Im Schlußstein des spitzbogigen Portals des äußersten Tores mit der Jahreszahl 1538 befindet sich der Isenburger Wappenschild: In Silber zwei schwarze Balken. Helmzier fehlt, das wäre ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern (Herzchen) bestreuter schwarzer Flug. Helmdecken wären schwarz-silbern.

Details des äußeren (ersten) Torhauses. Linke Abb.: die in das größere Tor eingebaute Mannpforte (Schlupfpforte) für Einzelpersonen, im auf 1539 datierten linken Torflügel, rechte Abb.: Widerlager des rechten Torflügels.

Details des äußeren Tores. Linke Abb.: Blick auf die nördliche Flankierungsmauer der Vorburg mit dreieckig vorspringendem Erker. Der Wehrgang wurde 1999 restauriert und hat abwechselnd je eine abgedeckte Schießscharte zur Bekämpfung von Angreifern am Mauerfuß und eine offene Schießscharte zur Bekämpfung des Vorfeldes. Am Eckturm befinden sich breite Maulscharten für Hakenbüchsen und kleine Geschütze zwecks Bestreichung der Flanken. Rechte Abb.: Der kunstvoll mit Eisenbändern und Rosetten beschlagene hölzerne rechte Torflügel, aus schweren Bohlen gefertigt und kreuzverstrebt.

Ronneburg - Wappen am 2. Torhaus (Wappen 2)
Während man sich in der Vorburg nach links etwas hangabwärts zu den ehemaligen Werkstätten und zum Marstall wenden kann, oder heute zum Restaurant, führt der gerade Weg etwas hangaufwärts zum zweiten Tor, während man rechts den dreieckigen nördlichen Zipfel der Vorburg mit seinen restaurierten Wehrgängen sieht. An der Spitze steht der Zyngel, der Wehrturm, der die nördliche Seite, die die Hauptangriffsseite war, sicherte, wobei der Begriff Zyngel ursprünglich nicht nur den Turm, sondern die ganze Vorburg bezeichnete. Das zweite Tor ist heute nicht mehr, was es früher war. Ein modernes Dach deckt die Mauern und die ehemalige Wachstube, heute Kassenraum, ab. Von Bau- und Machart her entspricht das Tor dem ersten Tor, ein einfacher spitzbogig aus Sandsteinquadern gemauerter Bogen in einer Bruchsteinmauer.

Im Schlußstein des spitzbogigen Portals des zweitäußersten Tores befindet sich ein unten gekerbter, her. rechts oben etwas dynamisch spitz ausgezogener Wappenschild, der von Isenburg (in Silber zwei schwarze Balken) und Rieneck (7-9x von Gold und Rot geteilt, hier 9x) gespalten ist, also ein in gespaltenem Schild zusammengeschobenes Ehewappen für Philipp Graf v. Isenburg-Ronneburg (20.3.1467 - 22.2.1526) und seine Frau Amalia v. Rieneck (29.11.1478 - 1543) darstellt. Unter dem Wappenschild im Torbogenscheitel erkennt man die Jahreszahl 1527. Früher war die Auffahrt noch steiler, was man an dem eigentlichen Ansatz des Torbogens ca. 1 m über dem heutigen Niveau erkennt. Wenngleich die alten Torflügel nicht mehr existieren und durch ein schwächliches Lattentor ersetzt sind, so erkennt man noch die alten Widerlager, die Drehsteine.

Abb.: Blick auf den nördlich neben dem ersten Tor beginnenden Wehrgang, der den nördlichen Teil der Vorburg dreieckig umschließt, mit Blick auf den Eckturm (Zyngel) und die restaurierten Wehrgänge. Links neben dem Zyngel befindet sich eine spitzbogige Ausfallpforte von 1540 (durch den Unterstand etwas verdeckt im Photo).

Abb.: Blick auf den rechts neben dem dritten Tor beginnenden Wehrgang, der den nördlichen Teil der Vorburg dreieckig umschließt.

Genealogie (2): Aufteilung des Isenburger Besitzes unter Ludwigs Söhnen
Graf Ludwig II war eine fast fünfzigjährige Regierungszeit beschert. Er hatte drei Söhne, Philipp, der Erstgeborene, Diether und Johann. In seinem Testament sprach Ludwig II die Grafschaft Isenburg seinem Ältesten zu, mit der Auflage der standesgemäßen Versorgung seiner beiden jüngeren Brüder. Natürlich ergab sich darüber ein Streit, der erst 1517, 6 Jahre nach dem Tod des Vaters, durch Aufteilung in einem Erbbrüdervertrag beigelegt wurde. Diether, der Zweitgeborene, wohnte und starb in Wächtersbach, er starb kinderlos und begründete keine eigene Linie. Johann, der jüngste Sohn, begründete die Linie zu Birstein, von der auch die Linie zu Offenbach abstammt. Philipp aber, der Älteste, begründete die Linie zu Ronneburg alias Kelsterbach, die 1517-1601 währen sollte.

Aus dieser Genealogie finden wir an der Ronneburg das Allianzwappen Isenburg / Rieneck am zweiten und am dritten Tor, passend zu Philipp Graf v. Isenburg-Ronneburg (Kelsterbach) (20.3.1467 - 22.2.1526) und seiner Frau Amalia v. Rieneck (29.11.1478 - 1543).

Ronneburg - Wappen am 3. Torhaus (Wappen 3)
In gerader Abfolge befindet man sich nach Passieren des zweiten Tores vor einem erheblich massiveren Tor, dahinter ein langer dunkler Tunnel, durch einen sich in Nord-Südrichtung erstreckenden Gebäuderiegel ziehend, flankiert von zwei Rundtürmen. Die Rampe, die hoch über dem Niveau der tiefer liegenden Vorburg zu diesem dritten Torbau hochführt, wurde 1565 erneuert. Das letzte Stück der heutigen Zufahrt ist neu, ursprünglich brach die gemauerte Rampe ein paar Meter vor dem Tor senkrecht ab bis auf Vorburgniveau, und das letzte Stück, ca. 2,50 m lang, war durch eine Zugbrücke gesichert - das dritte Tor war das einzige Tor der Burg mit Zugbrückenvorrichtung. Das Tor war eng, und früher hatte man auch so seine Schwierigkeiten mit Pferden, die keuchend die Wagen die steile Rampe bis in die Kernburg zogen, so daß die vorstehenden Radnaben im Laufe der Zeit die bauchigen Auskehlungen in die Torgewände aus Sandstein gefräst haben.

Der linke Flankierungsturm ist älter als das Tor und wurde später mit einem dreieckigen Erker versehen (im rechten Bild links neben der Tordurchfahrt). rechts neben dem Tor ist eigentlich kein vollständiger Turm, sondern ein runder Erker auf einem im Querschnitt dreieckigem Stützpfeiler. Er stammt aus dem späten 15. Jh.

Rechts des Tores ist die große Brunnenstube der Burg mit einem mächtigen hölzernen Tretrad neben einem 96 m tiefen Brunnen, der in der Mitte des 16. Jh. anläßlich eines Umbaus in die ehemalige Wachstube nachträglich eingebaut wurde.

Über dem äußeren Eingang zum dritten Torhaus begegnet uns wieder das Ehewappen Isenburg und Rieneck. Diesmal ist es jeweils als Vollwappen dargestellt, und daher paßt es auch nicht einfach auf einen Schlußstein wie bei den beiden äußeren Toren, sondern ist als separate, auf 1523 datierte Prunktafel über dem rechteckigen Tor, an dem man deutlich den Falz bzw. Anschlag für die einst vorhandene Zugbrücke erkennt, in die Wand eingelassen. Damit ist die Tafel jünger als der eigentliche Torbogen, der dem späten 15. Jh. entstammt. Die Tafel ersetzte ein früher hier vorhandenes Fenster. Das Spitzbogentor ist einfach profiliert. Der Torweg ist heute mit zwei Jochen Kreuzgratgewölbe nach oben verschlossen. Dies entspricht nicht dem Urzustand, es wurde später eingebaut.

Wappen Isenburg: In Silber zwei schwarze Balken. Helmzier ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern bestreuter schwarzer Flug. Helmdecken schwarz-silbern. Das Wappen der Grafen von Rieneck ist 7-9x von Gold und Rot geteilt, hier 9x. Helmzier ist auf gekröntem Helm ein wachsender, silberner Schwan. Die Helmdecken sind rot-golden.

Genealogie (3): Genealogie der Burgherrin
Abstammung der Amalia v. Rieneck (29.11.1478 - 1543):

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Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Klaus-Peter Decker, G. Ulrich Großmann: Die Ronneburg, 2. Auflage 2006, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, ISBN 978-3-7954-1879-3
Klaus-Peter Decker: Die Burgen der Grafschaft Ysenburg-Büdingen im Spätmittelalter, in: Die Burg - ein kulturgeschichtliches Phänomen, hrsg. von H. Hofrichter, Stuttgart 1994, S. 86-96
Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen, Marburg 1954
Peter Niess: 700 Jahre Ronneburg, Sonderdruck aus den Büdinger Geschichtsblättern, Band III, Jahrgang 1959, Nachdruck 1987, hrsg. von der Fürstl. Ysenburg-Büdingischen Burg- und Museumsverwaltung Ronneburg
Burkhard Kling: Die Ronneburg. Große Baudenkmäler 471, München/Berlin 1993
Peter Niess: Die Ronneburg, eine fürstlich Ysenburgische Burg und ihre Baugeschichte, Braubach 1936
Hessische Residenzen:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/119_Ronneburg_Schloss.xml

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