Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1076
Ronneburg (Main-Kinzig-Kreis, Hessen)

Die Ronneburg - Teil (1)

Die Ronneburg
Die Ronneburg ist eine heute museal genutzte und vom Ronneburg-Verein präsentierte spätmittelalterliche und später in der Renaissance unter Beibehaltung und Überformung aller mittelalterlichen Teile schloßartig um- und ausgebaute Höhenburg im Main-Kinzig-Kreis, die seit der Isenburgschen Erbteilung 1523 Sitz einer eigenen Linie der Grafen von Isenburg-Ronneburg war und nach deren Erlöschen heute immer noch im Besitz der Fürsten zu Ysenburg-Büdingen ist. Wir haben hier ein baugeschichtlich hochinteressantes Nebeneinander von mittelalterlichem Wehrbau mit Bergfried, Wehrmauern, Türmen und Zwingern einerseits und repräsentativen Elementen der Renaissance wie Erker, Turmbekrönung und anderen schmückenden Details aus der Ausbauphase zwischen 1525 und 1580 andererseits.

Abb.: Modell der Ronneburg, Blick von Südwesten (links) und Südsüdost (rechts)

Vor den Isenburgern
Die Anfänge der Ronneburg liegen zu Beginn des 13. Jh., als die Wetterau im Auftrag des Kaisers durch Burgen gesichert wurde. Die Burg wurde dann eine Mainzer Territorialburg, die der Sicherung der nordwestlichen Gebiete und Handelswege diente. Bevor die Grafen von Isenburg hier die Herrschaft über die Burg bekamen, waren andere Familien mit der Vogtei betraut, im 13. Jh. war sie in den Händen der Herren von Hohenlohe-Brauneck. Die Burg war mit dem Heiratsgut der Petrissa von Büdingen an die Herren von Hohenlohe gekommen. Konrad von Hohenlohe hält neben der Ronneburg auch Gelnhausen und Büdingen. Die Nachkommen Konrads, Gottfried I, Gottfried II und Gottfried III von Hohenlohe, versuchten die Ronneburg abzustoßen, zu weit lag sie außerhalb ihres eigentlichen Interessensbereiches. Danach fiel die Burg 1313 durch Verkauf an Mainz, die hier 163 Jahre die Oberherrschaft hatten und einen Burggrafen aus wechselnden Familien einsetzten. Eigentlich war er ein Amtmann, der den Titel Burggraf führte. Der erste urkundlich faßbare ist 1317 Ritter Wolfram von Praunheim. Andere Burggrafen waren z. B. Hermann von Selbold, Konrad von Trimberg, Ruprecht von Büdingen, Johann von Rüdigheim, Werner von Rockesberg, Johann von Ostheim etc. 1327 kaufte sich Johann von Rockenberg in dieses Amt ein. Hintergrund war die notorische finanzielle Knappheit des Erzstiftes. Im Grunde war es eine Art Verpfändung, und der neue Herr auf der Ronneburg baute die Burg, die wehrtechnisch nicht mehr auf dem Stand der Zeit war, aus. Er erbaute die äußere Wehrmauer mit den halbrunden Flankierungstürmen, erhöhte die innere Wehrmauer, erbaute den Wohnbau in seiner ersten Form und er erhöhte den Turm.

Im 14. Jh. wurde die Burg vom Erzstift sogar zweimal an die Herren von Cronberg verpfändet. Verpfändungen waren für den Besitzer ein Spiel mit dem Feuer, war doch Geldnot chronisch, und viele Pfänder wurden nie eingelöst, worauf häufig die Pfandnehmer spekulierten, um eine Burg ganz an sich zu bringen. Deshalb hatte dieser Pfandvertrag auch die Klausel, daß die Ronneburg nicht an weitere Adelsfamilien weitergegeben werden durfte. Nominell war der Erzbischof Burgherr, und er hatte selbstverständlich das Öffnungsrecht. Dennoch war die Ronneburg den reichen Cronbergern ein wichtiger Stützpunkt, insbesondere bei ihren diversen Streitereien mit der Reichsstadt Frankfurt. Unter den Brüdern Frank und Hartmut von Cronberg wurde die Burg erheblich ausgebaut. Der Saalbau wurde gegen Ende des 14. Jh. umgebaut, der Kapellenerker wurde an diesen angebaut. Das Brunnenhaus wurde umgestaltet, das riesige Tretrad wurde eingebaut. Ferner wurde der Bergfried weiter erhöht und erreichte 22 m Höhe.

Erst 1407 wurde das Pfand wieder eingelöst, wobei das Erzstift Mainz bei den Städten Miltenberg, Dieburg, Aschaffenburg und Seligenstadt Schulden machte. Der Erzbischof und seine Nachfolger nutzten die Burg wieder selbst, Amtmann 1410-1419 wurde der Ritter Ulrich von Bergheim, der für seine Fehden mit Frankfurt berühmt wurde. Unter der neuen Oberherrschaft kam es zu weiterem Ausbau der Anlage. Danach wurde Gottfried von Reiffenberg Amtmann. Die Ronneburg war zwar kein Raubnest, aber hart an der Grenze, und Übergriffe gegen Frankfurt waren normal.

Doch schon 1424 mußte die Burg wieder verpfändet werden, zum dritten Mal kam die Burg für länger in fremde Hände, diesmal kam der Graf Reinhard II von Hanau zum Zuge und übernahm das Pfand. Verwaltet wurde die Burg aber von einem Amtmann und einer Besatzung von Burgmannen. Die Grafen von Hanau waren genau wie die Grafen von Isenburg eine Aufsteigerfamilie dieser Zeit, regional benachbart, konkurrierend. Beide Häuser wurden in der selben Zeit Grafen, beide hatten territorial expansive Interessen. Und seit Diether Graf von Isenburg im Jahre 1418 Dreieich bekommen hatte aus der Falkensteiner Erbschaft, war sein Interesse an der Ronneburg ein sehr starkes, denn diese Burg würde die Südwestflanke seines Territoriums bewachen und einen "Ausblick" auf die wichtige Mainebene eröffnen. Die Geschichte hatte zwischen beiden Konkurrenten zu wählen, und das letztendliche entscheidende Ereignis war die Wahl des Diether von Isenburg, Sohn des oben genannten Diethers, 1459 zum Erzbischof und Kurfürsten von Mainz. Ein retardierendes Moment war die Mainzer Stiftsfehde, und als Diether von Isenburg 1475 zum zweiten Mal Erzbischof von Mainz wurde. Der Weg war frei für die Begünstigung eines Verwandten als neuem Herrn der Ronneburg und so geschah es 1476.

Abb.: Nordseite der Burg, von links Neue Kemenate, Alter Bau, Küchenbau, Backhaus. Das Backhaus ganz rechts im Winkel zwischen Saalbau und Altem Bau wurde im späten 16. Jh. im Stile der Renaissance aufgestockt, im Norden ist die schlanke Schmalseite des Westflügels mit einem kunstvollen Schmuckgiebel versehen, mit Pilastergliederungen und S-förmigen Volutenkanten außen. Der obere Abschluß ist ein Halbkreis mit Fächerrosette. Der Treppenturm rechts im Bild ruht auf einem spätmittelalterlichen Zwingerturm, der beim Ausbau als Unterbau verwendet wurde.

Ein erster Blick über die Burganlage
Klar umrissen können wir zwei Bauteile erkennen: Die Hauptburg und die Vorburg. Die Hauptburg hat einen spätmittelalterlichen Kern aus dem 2. Viertel des 14. Jh. und wurde später überformt und erweitert. Die Erweiterung fand im wesentlichen nach Norden statt. Typisch für die erste Burg ist der Wohnbau im Westen, der Bergfried im Osten, und der enge Hof wird nach Norden und nach Süden mit einer starken Wehrmauer begrenzt. Im späten 14. Jh. wurde der Palas (Saalbau) im Westen umgebaut, weiterhin wurde dort der Zwinger mit seinen drei Türmen angelegt, der auch im Süden um die Burg herumläuft und sich bis zum Torbau, dem heutigen dritten Tor, erstreckt. Bei der Erweiterung im 16. Jh. zum Wohnschloß wurden die neuen Gebäude jenseits der Wehrmauer außen dran gebaut, und die ehemalige Außenmauer wurde zur Innenmauer, durchbrochen von Fenstern, Türen und Erkern.

Abb.: Modell der Ronneburg, Blick von oben.

Die Vorburg von sehr unregelmäßigem Grundriß, die dreieckig nach Norden vorstößt und weit im Süden um die Burg herumgreift, entstand als geschlossene Einheit zwischen 1538 und 1550. Im Gegensatz zu den sorgfältig gefügten Bauten der Hauptburg wurde hier als Material verputzter Bruchstein verwendet. Eines der auffallendsten Gebäude der Vorburg ist der langgestreckte Marstall, datiert auf 1549-1551, ferner das Bandhaus, mittig im unteren Bereich der Vorburg stehend, datiert 1554-1555, mit Weinlager im Keller und Wagenremise, Pferdestall und Werkstätten im Hauptgeschoß. Es ist ein Glücksfall, daß an der Ronneburg viele wichtige Bauelemente durch Inschriften datiert sind, so lassen sich die einzelnen Bauphasen gut nachvollziehen.

Markant erhebt sich der Bergfried am Ostende des Burghofes, von rundem Grundriß und mit einem besonders interessanten und burgenhistorisch einzigartigen Aufsatz mit Turmhelm aus der Zeit eines Umbaus 1576 - 1581, bei dem über einer geschlossenen Etage ein offener Umgang mit Balustrade um die Turmachse verläuft, mit insgesamt vier kleinen, übergiebelten, den Umgang überbrückenden Vorbauten in den vier Hauptrichtungen versehen, im Zentrum überhöht von einer Kuppel mit Laterne. Diese architektonische Besonderheit verbindet Mittelalter mit Renaissance, überkappt einen alten Bergfried mit einer in Hessen einzigartigen, an italienischen Kuppellaternen orientierten Bekrönung. Im Innern führt eine Treppenspindel nach oben, deren Mittelachse auf einer abenteuerlichen Konstruktion auf drei freitragenden Stützbögen ruht.

Abb. links: Renaissance-Bekrönung des Bergfriedes. Abb. rechts: Unterbau der Treppenspindel im Bergfried.

Genealogie (1): Die Ronneburg kommt in der Besitz der Grafen von Isenburg:
Die Ronneburg ging am 4.6.1476 in den Besitz von Graf Ludwig II von Isenburg über. Dies war der Sohn von Diether I. Graf v. Isenburg-Büdingen (- 1461), der am 30.8.1442 Reichsgraf wurde, und Bruder des zweifachen Mainzer Erzbischofs Diether v. Isenburg-Büdingen. Hintergrund war die Mainzer Stiftsfehde, infolge deren Regelung Graf Ludwig als Entschädigung 28000 Gulden und einen Pfandbrief für Steinheim, Schloß und Stadt, bekommen hatte. Nachdem Diether v. Isenburg-Büdingen zum zweiten Mal Erzbischof wurde, gab er die Ronneburg seinem Bruder Ludwig zu Lehen im Tausch gegen die Steinheimer Rechte. Bisher hatte der Graf von Hanau das Pfand an der Burg inne, dieses mußte erst noch mit 8000 Gulden abgelöst werden. Der Lehnsbrief war so abgefaßt, daß das Lehensverhältnis bei jedem Regierungswechsel erneuert werden mußte, ein Zeichen für die Nervosität der Mainzer Regierung, was diesen wichtigen Straßensicherungspunkt betraf.

Abstammung:

Graf Ludwig baute ab 1477 seine neue Burg um, denn während der Hanauer Pfandschaft war sie baufällig geworden, wobei sich gewisse wehrtechnische Parallelitäten mit seiner anderen Hauptburg in Büdingen feststellen lassen. Dabei wurde der Alte Bau im Norden der Kernburg errichtet, ferner die beiden Treppentürme am Bergfried und am Palas. Das Brunnenhaus wurde aufgestockt und das dritte Tor bekam einen Flankierungsturm. An die ältere Wehrmauer, die aus dem 14. Jh. stammte, wurden dreieckig vorspringende Wehrerker angebaut, um von da aus die Mauer bestreichen zu können und Feinde am Fuß der Mauer seitlich ins Visier nehmen zu können. Unterhalb der Wehrmauer aus dem 14. Jh. wurde eine tiefergelegene Sturmmauer mit radialen Mauern zur Aufteilung in Segmente angelegt. Von der selbigen haben sich nur die Teile im Westen erhalten, die anderen Segmente sind dem Ausbau der Vorburg gewichen.

Die Wappen der Ronneburg
An 12 verschiedenen Stellen finden wir Wappen auf der Ronneburg aus der Zeit des 16.-18. Jh. Die meisten und schönsten Darstellungen stammen aus dem 16. Jh.

Im Detail sind das:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Herrn Dr. Oswald Peter ein herzliches Dankeschön für die Zurverfügungstellung des Modells der Ronneburg.
Klaus-Peter Decker, G. Ulrich Großmann: Die Ronneburg, 2. Auflage 2006, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, ISBN 978-3-7954-1879-3
Klaus-Peter Decker: Die Burgen der Grafschaft Ysenburg-Büdingen im Spätmittelalter, in: Die Burg - ein kulturgeschichtliches Phänomen, hrsg. von H. Hofrichter, Stuttgart 1994, S. 86-96
Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen, Marburg 1954
Peter Niess: 700 Jahre Ronneburg, Sonderdruck aus den Büdinger Geschichtsblättern, Band III, Jahrgang 1959, Nachdruck 1987, hrsg. von der Fürstl. Ysenburg-Büdingischen Burg- und Museumsverwaltung Ronneburg
Burkhard Kling: Die Ronneburg. Große Baudenkmäler 471, München/Berlin 1993
Peter Niess: Die Ronneburg, eine fürstlich Ysenburgische Burg und ihre Baugeschichte, Braubach 1936
Hessische Residenzen:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/119_Ronneburg_Schloss.xml

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