Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1068
Oppenheim am Rhein

Oppenheim, Katharinenkirche (8)
Epitaphien und Grabplatten, hauptsächlich im Westbereich

An das 1340 fertiggestellte Hauptschiff wurde in der Spätgotik ein 1439 eingeweihter Westchor angefügt, ein großer stilistischer Unterschied zum Hauptschiff. Auch hier sind bedeutende Bildhauerarbeiten zu finden.

Agnes von Helmstatt, geb. von Venningen
gestorben 22.4.1608, Witwe des Erasmus von Helmstatt. Die Inschrift lautet: "VFF FREYTAG DEN 22. APRILLIS ANNO 1608 STARB DIE EDLE VND TVGENTSAME FRAW AGNES ..... VENNINGEN DEREN (SEELE) GOTT GENADT AMEN". In der Mitte der Platte ist das Ehewappen Helmstatt/Venningen zu sehen, außen herum befinden sich in den vier Ecken vier Ahnenwappen, oben sind das Venningen und Landschad, unten Nothafft und Entzberg. Davon sind die drei ersteren gut erhalten, das letzte hinsichtlich des Schildbildes unkenntlich, nur die Helmzier läßt sich noch erkennen, ein Paar Widderhörner. Zur Beschreibung der anderen drei Eckwappen siehe unten.

Wappen Helmstatt: In Silber ein schwarzer auffliegender Rabe (bisweilen gekrönt, hier nicht). Das Wappen ist hier gewendet. Die von Helmstatt sind eines Stammes mit den Herren von Mentzingen und den Göler von Ravensburg, und sie führen alle drei den Raben im Wappen. Der gemeinsame Stammvater ist Raban von Wimpfen, staufischer Reichsministeriale. Hinsichtlich ihrer Helmzier unterscheiden sich die drei Geschlechter. So haben die Göler von Ravensburg als Kleinod Kopf und Hals des Raben, hinten am Hals ein goldener (oder silberner) Kamm mit 5 goldenen (oder silbernen) Spitzen, die meistens mit ebenso vielen Pfauenfedern (Pfauenspiegeln) besteckt sind, und die von Helmstatt ein schwarzes und ein silbernes Büffelhorn auf gekröntem Helm, die Herren von Mentzingen einen wachsenden silbernen Schwan mit goldenem Schnabel, häufig gekrönt, die Flügel mit goldenen Saxen, Schwungfedern des Schwanes schwarz und mit silbernen Sternen, Kreuzchen oder mit Lindenblättern belegt. Helmdecken schwarz-silbern. Hier ist eine Spielart der Göler-Helmzier abgebildet, Kopf und Hals des Raben, hinten am Hals ein Kamm mit 5 Kugeln, jede mit einem Hahnenfederbusch besteckt. Die Helmdecken sind in jedem Falle schwarz-silbern. Nachweis: Held S. 88.

Wappen Venningen: In Silber 2 rote, ins Andreaskreuz gesetzte Lilienstäbe (Glevenstäbe). Helmzier eine silberne Bischofsmütze, oft rot eingefaßt, die Mütze mit den gekreuzten zwei roten Lilienstäben belegt, oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Die Helmdecken sind rot-silbern. Nachweis: Held S. 198.

Wappen Landschad von Steinach: In Gold eine schwarze Harfe. Die Helmzier ist ein gekröntes Männerhaupt mit wild wucherndem Haupt- und Barthaar, auch als Davidshaupt bezeichnet, das Haar die Helmdecke ersetzend. Nachweis: Held S. 121.

Abb.: Aufnahme mit Seitenblitz, links das zentrale Allianzwappen Helmstatt/Venningen, rechts das Einzelwappen Venningen optisch links oben an der Platte.

Wappen Nothafft (Nothaft, Notthafft): Hier haben wir es mit den schwäbischen Nothafft von Hohenberg zu tun: In Rot ein offener silberner Flug. Helmzier ein roter Hut, der wiederum mit zwei silbernen Adlerschwingen besteckt ist. Helmdecken rot-silbern. Es gibt mehrere Sippen Nothafft: Das Wappen der bayrischen Nothafft ist in Gold ein blauer Balken. Auf dem Helm goldene Hörner mit blauen Balken belegt; dazwischen eine sitzende Bracke. Decken blau und gold. Das Wappen der schwäbischen Linie der Nothafft, die im Jahr 1300 mit Wernher Nothafft und dessen Söhnen Albrecht und Werner erstmals erwähnt wird, führt im Wappen einen roten Schild mit einem offenen silbernen Flug. Als Kleinod findet sich bei den Nothafft von Hohenberg ein roter Hut auf dem Helm, der wiederum mit zwei silbernen Adlerschwingen besteckt ist (wie hier), wohingegen die Nothafft von Frauenberg einen silbern geflügelten, rot bekleideten Mohrenrumpf führen. Nachweis: Held S. 148.

Abb.: Aufnahme mit Seitenblitz, links das Einzelwappen Landschad von Steinach optisch rechts oben, rechts das Einzelwappen Nothafft ("NOTTHAFFT") optisch unten links an der Platte.

Anna Schütz von Holtzhausen geborene von Sickingen
Witwe des Eberhard Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg, verheiratet in zweiter Ehe mit Reinhard Schütz von Holtzhausen. In der Mitte der Platte ist das Ehewappen Schütz von Holtzhausen/Sickingen zu sehen, außen herum befinden sich in den vier Ecken vier Ahnenwappen. Diese anderen vier Wappenschilde sind vom Zahn der Zeit erheblich mitgenommen worden, in der optisch linken oberen Ecke ist das Wappen Sickingen in Wiederholung zu sehen, in der optisch linken unteren Ecke befindet sich das Wappen von Andlau. Alle vier sind Ahnen aus der Familie von Anna.

Wappen Schütz von Holtzhausen: In Gold drei (2:1) schwarze Eisenhüte (Kesselhüte) mit herabhängender roter Riemenschleife. Die Helmzier ist ein golden mit schwarzem Kragen gekleideter (var. von Schwarz und Gold geteilter) Mannesrumpf ohne Arme, auf dem Haupte einen schwarzen Eisenhut wie im Schild tragend. Helmdecken schwarz-golden. Die Familie kommt aus dem Hessischen und Nassauischen, aus Merenberg bei Weilburg oder Heckholzhausen bei Runkel, stammend, weil die in den ältesten Urkunden vorkommenden Schütz den Beinamen "von Merenberg" führen, der sich später in "von Holzhausen" änderte. 1325 finden wir noch einen Giselbert Schütz von Merenburg, 1457 führt Heinrich Schütz zuerst den Beinamen von Holzhausen, und von da an blieb diese Variante bestehen. Die Familie war reichsritterschaftlich. Nachweis: Held S. 177.

Wappen Sickingen: In Schwarz 5 (2:1:2) silberne Kugeln (die Swicker-Linie hatte noch einen roten Bord.) Helmzier ein silberner (Gruber) oder goldener (Scheiblersches Wappenbuch) Schwanenrumpf, rückwärts mit hahnenfedergezierten roten Kugeln (auch als rote Äpfel mit drei schwarzen Blättern interpretiert) besteckt. Helmdecken rot-silbern (Gruber) bzw. schwarz-golden oder schwarz-silbern (Rahrbach) oder schwarz-golden (Scheiblersches Wappenbuch). Nachweis: Held S. 182.

Abb.: Aufnahme mit Seitenblitz

Eberhard Ludwig Schenk von Schmidtburg
"Reichsfreiherr Eberhard Ludwig Erbschenck von Schmittburg, Herr zu Weiler und Lienbach", gestorben 1783, Oberst in holländischen Diensten, vermählt mit Ernestine Elisabeth von Gemmingen zu Bürg.

Das Wappen der Schenk von Schmidtburg zeigt in Schwarz einen silbernen Rinck. Helmzier auf einem schwarzen Turnierhut mit silbernem Stulp eine grüne Eiche. Helmdecke schwarz-silbern. Zwei Pferde dienen als Schildhalter, ferner wird das Wappen unten begleitet von militärischen Attributen wie Fahnen und Trommeln. Ein Rink oder Rinck ist eine Gürtelschnalle, die in der Regel als breitrandiger rautenförmiger Schnallenkörper mit heraldisch links gelagertem und nach rechts spitz zulaufendem Dorn dargestellt wird. Die Art der Befestigung des Dornes ist variabel, sie kann an ein oder zwei Punkten erfolgen. Die Schnalle wird gerne in den Metalltinkturen dargestellt, also gold oder silber, sie kann mit farbigen Steinen belegt sein, was aber in der Regel beim Blasonieren angegeben wird. Mit dem Begriff "Rinck" eng verbunden ist auch die alte Berufsbezeichnung "Rincker, Rinker", der Spangenmacher, der Hersteller von Schnallen, Ringen etc. Nachweis: Held S. 168.

Abb.: Aufnahmen mit Seitenblitz

Theodor Friedrich Pletz
Theodor Friedrich Pletz, gestorben 1635, war Syndikus der Universität Heidelberg und Neffe des Jakob Pletz, gestorben 1609, in Oppenheim kurpfälzischer Landschreiber.

Die Schildbilder sind stark verwittert, doch ist zu erkennen, daß die Helmzier der heraldisch rechten Wappens, ein geschlossener Flug, das Schildbild wiederholt, und was im Schildbild wie Kugeln aussieht, hat in der Helmzier noch die Feinstruktur eines Balkens, der von drei (2:1) Muscheln begleitet wird. Nachweis: Held S. 155.

Hanns Wolff von Bettendorff
Hans Wolf von Bettendorff, gestorben 1584. Aus der Familie stammte übrigens auch der 1580 verstorbene Wormser Bischof Dietrich von Bettendorff. ANNO DOMINI 1584 DEN 26: TAG IVNY STARB DER EDEL VND ERNVEST HANNS WOLFF VON BETTENDORFF ZV OPPENHEIM VND ALDA ZVR ERDEN BESTHETIGET WORDEN DEM GOT EIN FRÖLICHE AUFFERSTEHVNG VERLEIHE AMEN." Hans Wolf von Bettendorff war der Sohn von Johannes von Bettendorff, kurpfälzischer Amtmann zu Falkenau, gest. 1597, und dessen erster Frau Catharina von Meisenbuch (Meisenbug). Nach ihr hatte Johannes von Bettendorff in zweiter Ehe Margaretha von Hüffel geheiratet. Hans Wolf von Bettendorff, um den es bei dieser Platte geht, hatte Margaretha von Venningen geheiratet.

Die Platte zeigt in der Mitte die beiden Vollwappen Bettendorf und Venningen sowie in den vier Ecken die Wappenschilde der Ahnenprobe (Abb. links natürliches Licht, Abb. rechts Seitenblitz auf das Venningen-Wappen).

Das Stammwappen der Freiherren von Bettendorf ist in Rot ein silberner Ring. Die zugehörige Helmzier ist auf rot-silbernem Wulst ein silberner Ring, oben besteckt mit einem schwarzen Hahnenfederbusch (auch als Reiherfedern angesprochen, auch in der Anzahl 7 einzeln um den Ring gesteckt vorkommend). Die Helmdecke ist rot und silbern. Nachweis: Held S. 25.

Wappen Venningen: In Silber 2 rote ins Andreaskreuz gesetzte Lilienstäbe (Glevenstäbe). Helmzier eine silberne Bischofsmütze, oft rot eingefaßt, die Mütze mit den gekreuzten zwei roten Lilienstäben belegt, oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Die Helmdecken sind rot-silbern. Das Wappen steht hier für die Frau des Verstorbenen, Margaretha von Venningen. Nachweis: Held S. 198.

Abb.: Aufnahme mit natürlichem Licht

Abb.: Aufnahmen mit Seitenblitz

Das gleiche Wappen mit dem Ring der von Bettendorf wiederholt sich im heraldisch rechten oberen Eck der Platte. Das Wappen steht hier für den Vater Johannes von Bettendorff und für den Großvater väterlicherseits, Wolff von Bettendorff, kurpfälzischer Amtmann zu Otzberg, gest. 1555.

Das Wappen links oben zeigt ein Adlerbein oder Greifenbein, keine namentliche Zuordnung vorhanden. Nach der Genealogie nach Biedermann steht es für Catharina von Meisenbuch (Meisenbug), die Mutter des Verstobenen, bzw. den Großvater mütterlicherseits, Wilhelm von Meisenbuch (Meisenbug). Das Wappen wird im Aschaffenburger Wappenbuch unter der Schreibweise "von Meisenbug" geführt, und es zeigt in Gold eine schwarze Adlerklaue (ein schwarzes Adlerbein). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein goldener Flug, beiderseits belegt mit einer schwarzen Adlerklaue (einem schwarzen Adlerbein). Weiterer Nachweis: Held S. 135.

Heraldisch unten rechts Wappen befindet sich das Wappen Brack: Es ist ein redendes Wappen, denn es zeigt eine auf einem Joch sitzende, hier nach innen gewendete Bracke, eine der drei heraldischen Ausprägungsmöglichkeiten eines Hundes. Eine Bracke hat in der Regel Schlappohren und ein einfaches Halsband, ein Rüde besitzt spitze Stehohren und ein Stachelhalsband, und die dritte Ausprägung eines Hundes ist das Windspiel mit entsprechend schlankem Körper. Nach der Genealogie nach Biedermann steht dieser Wappenschild für Margarethe Brack von Klingen, die Großmutter väterlicherseits, Tochter von Conrad Brack von Klingen und dessen Ehefrau Maria von Cronberg. Nach dem Aschaffenburger Wappenbuch führen diese als Wappen in Blau auf einem goldenen Joch sitzend eine silberne Bracke, die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu blau-silbernen Decken sitzend eine silberne Bracke. Weiterer Nachweis: Held S. 38.

Das vierte Wappen in der heraldisch linken unteren Ecke zeigt einen Maueranker, keine namentliche Zuordnung vorhanden. Nach der Genealogie nach Biedermann steht es für Gertraud Eckbrecht von Dürckheim, die Großmutter mütterlicherseits und Ehefrau des zuvor erwähnten Wilhelm von Meisenbusch. Das Wappen wär damit definiert als ein schwarzer Maueranker in silbernem Feld; die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein silberner Flug, beiderseits mit dem schwarzen Maueranker belegt, die Decken wären schwarz-silbern (Siebmachers Wappenwerk, Band: Bad Seite: 33 Tafel: 20, Band: Band: Bay Seite: 9 Tafel: 3, Band: Band: Els Seite: 6 Tafel: 8, Band: Band: OÖ Seite: 33 Tafel: 15, Gruber, Held S. 54.

Abb.: Aufnahme mit natürlichem Licht

Abb.: Aufnahmen mit Seitenblitz

Johann Melchior Meyel
Johann Melchior Meyel, gestorben 1598, Schaffner von Mariacron. Er war zweimal verheiratet, wobei der Grabstein seiner ersten Frau Elisabeth Pletz verschollen ist, der seiner zweiten Ehefrau Anna Schuler sich ebenfalls in der Kirche befindet. "ANNO DOMINI 1598 QVINTA DIE MARTII IN CHRISTO PIE OBDORMIVNT....."

Diese Platte (oben Aufnahme mit natürlichem Licht) besitzt drei Wappen. Das mittlere ist das Wappen Meyel und zeigt drei (2:1) Vasen, auf dem Helme wiederholt sich eine mit Schmucknoppen versehene Vase zwischen einem Paar Büffelhörnern (unten Aufnahmen mit Seitenblitz). Nachweis: Held S. 139.

Auf der heraldisch rechten Seite ist der Wappenschild für seine erste Frau (Elisabeth Pletz) zu sehen, ein von drei (2:1) Muscheln begleiteter Balken. Auf der heraldisch linken Seite zeigt der Wappenschild für seine zweite Frau (Anna Schuler) eine liegende, mit den Spitzen nach oben gekehrte Mondsichel zwischen oben und unten je einem achtstrahligen Stern (unten Aufnahmen mit Seitenblitz). Nachweis: Held S. 176.

Philipp Eckhart Schütz von Holzhausen
Philipp Eckhart Schütz von Holtzhausen, gestorben 1593, war kurpfälzischer Amtmann zu Otzberg um Umstadt.

Abb.: Aufnahme des zentralen Allianzwappens mit natürlichem Licht

Das heraldisch rechte Wappen ist das der Schütz von Holtzhausen: In Gold drei (2:1) schwarze Eisenhüte (Kesselhüte) mit herabhängender roter Riemenschleife. Die hier vom Zahn der Zeit erheblich mitgenommene Helmzier ist ein golden mit schwarzem Kragen gekleideter (var. von Schwarz und Gold geteilter) Mannesrumpf ohne Arme, auf dem Haupte einen schwarzen Eisenhut wie im Schild tragend. Helmdecken schwarz-golden. Nachweis: Held S. 177.

Abb.: Aufnahme des zentralen Allianzwappens mit Seitenblitz

Das heraldisch links Wappen zeigt einen aufspringenden Fuchs, der eine Gans am Hals in seinem Rachen trägt. Die Helmzier zeigt Kopf und Hals des wachsenden Fuchses mit der Gans im Rachen. Damit kann dieses Wappen den von Bobenhausen (in Rot ein goldener Fuchs, der eine silberne Gans im Maul hält, Helmzier der Fuchs mit Gans wachsend, Helmdecken rot-golden) zugeordnet werden, einem uradeligen fränkischen und schwäbischen Geschlecht. Nachweis: Held S. 31.

In den vier Ecken der Platte befinden sich vier einzelne Wappenschilde als Ahnenprobe: Optisch oben links die drei Eisenhüte der Schütz von Holtzhausen, oben rechts zwei Zickzackbalken mit mehrfach gespaltenem Zwischenraum (unbekannt), unten links der silberne Gürtel der von Bellersheim (Held S. 23) in rotem Feld, und unten rechts eine doppellagige Rose, vermutlich das Wappen der Familie Stein, welche in Gold eine rote Rose führte, als Kleinod einen silbern-schwarz geteilten Eselsrumpf zu schwarz-silbernen Decken (Held S. 189).

Heinrich zum Jungen
Heinrich zum Jungen, Burgmann und Schultheiß zu Oppenheim, und seine Ehefrau Gisela geb. v. Weikersheim, gest. 1437 und 1444. Interessanterweise befindet sich auf der Rückseite eine erste Version des Epitaphs, die dann offensichtlich verworfen wurde.

Beide Personen stehen nebeneinander und blicken den Betrachter frontal an, beide mit zum Gebet gefalteten Händen, mit Löwe und Hund zu Füßen. Ein gotischer Eselsrückenbogen mit einem zwischen beide Personendarstellungen ragendem Element läuft oben in eine Kreuzblume aus, die von zwei Wappenschilden, eines zu jeder Seite, begleitet wird und mit ihrem oberen Teil auf dem Inschriftenfeld zu liegen kommt. Ein dritter Wappenschild mit einem der im Mittelrheintal so häufig vorkommenden Schildchen ist dem linken unteren Rand aufgelegt.

Der linke Wappenschild ist dem Geschlecht zum Jungen zuzuorden, in Rot drei silberne, golden beschlagene Jagdhörner (Hifthörner) mit verschlungenen Bändern pfahlweise übereinander. Die Mündungslöcher zeigen hier nach innen, weil der Wappenschild aus Courtoisie gewendet ist. Die nicht abgebildete Helmzier wäre ein roter, hermelingestulpter Turnierhut, auf dem zwei gegeneinandergekehrte, nach außen gekrümmte, mit den Mündungsöffnungen nach unten gestellte Jagdhörner wie im Schilde befestigt sind. Helmdecken rot-silbern (nach Siebmacher Nassau). Es handelt sich um ein Mainzer Patriziergeschlecht, das auch in Frankfurt ansässig war und Anfang des 18. Jh. erlosch. Nachweis: Held S. 213, Alten-Limpurger Wappenbuch von 1558 im Besitz der "Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg zu Frankfurt am Main" bei der Cronstetten-Stiftung, Zobel Tafel 167.

Der Wappenschild der Ehefrau zeigt ein Adlerbein oder Greifenbein.

Hans von Wolfskehl
Hans von Wolfskehl und Ehefrau Anna geb. von Gemmingen, gestorben 1505 bzw. 1504. Das schlanke, kräftig durchmodellierte, den Ritter fast vollrund ausgearbeitet in einer konkaven Rundbogennische zeigend, aber stark beschädigte (es fehlen Kopf, Hände, Teile der Helmzier, beide Fußspitzen, große Teile des Schwertes, Dolch) Epitaph aus Sandstein von 3,04 m Höhe und 1,19 m Breite stammt aus dem Jahre 1519 und kommt aus der Meisterwerkstatt des Heidelberger Bildhauers Lienhart Seyffer, wie die Inschrift auf dem Sockel mit Meisterzeichen und Datum verrät (AN(N)O DIM(INI) 1519 M(EISTER) L(IENHARD) Z(EYFER) P(ILDHAVER) V(ON) H(EIDELBERG) S(CULPSIT) - Im Jahre des Herrn 1519 hat es der Bildhauer Lienhart Seyffer aus Heidelberg angefertigt).

Die Inschrift rings um die Nische lautet: AN(N)O DIM (DOMINI) 1505 SA(M)STAG NACH VALENTIN(I) STARB T(ER) ERNVEST HANS VA(N) WOLFSKEL DE(M) GOT(T) GENA(D)T AN(N)O D(OMI)NI 1504 SA(M)STAG NACH VALE(N)TI(NI) STARB FA FRAW ANNA GEBOR(ENE) VA(N) GEMINGE(N) HANS(E)N VA(N) WOLFSKEL HA(V)SFRA(W) T(ER) GOT(T) GENA(D)T.

Die Inschrift nennt zwar des Ritters Frau Anna von Gemmingen beim Namen, dargestellt ist aber nur der in einen deutschen Riefelharnisch gekleidete Hans von Wolfskehl alleine. Man beachte die detailverliebte Ausarbeitung, die Scharniere, Schrauben, gedrehte Schmuckränder der Platten etc. erkennen läßt.

Der Stein mit der mittlerweile des Kopfes und der Hände beraubten Figur des Verstorbenen zeigt ein großes Wolfskehl-Vollwappen in der Mitte und vier Wappenschilde der Ahnenprobe außenherum. Diese Familie der von Wolfskehl darf nicht mit der gleichnamigen Familie in Franken mit dem Mohren als Schildbild verwechselt werden. Diese von Wolfkehl gehören zu einer hochinteressanten Wappengruppe des moselländischen und auch mittelrheinischen Gebietes mit dem Frauenarm, dessen Ärmel sackartig herunterhängt. Die von Wolfskehl zu Vetzberg (auch Voitzberg) sind eine weitverzweigte hessische Familie, sie führen den Frauenarm silbern in blauem Feld. Die Helmzier sind zwei silberne Arme mit sackartig herabhängendem Hängeärmel, die eine Rose emporhalten. Hier sind die Oberteile abgebrochen. Helmdecken blau-silbern. Die Burg Vetzberg liegt bei Gießen. Sie kommen im Nassauischen seit dem 14. Jh. vor und erloschen 1609. Im Gruber sind sie unter dem Namern von Kaltenborn gt. Vaitzberg zu finden, mit Fingerring in der Hand. Bei einer Linie der Wolfskehl zu Vetzberg, den von Wolfskehl zur Wolkenburg, hält der Arm eine rote Rose (Blume), wie auch hier zu sehen, mit vier Blütenblättern. Zu der Wappengruppe mit dem Frauenarm gehören ferner die Familien von Lössnich (Lösnich), von der Leyen, von Lieser (Lysur), Haller von Esch, von Wolmerath (Walmerath), von Arras, von Wyss gen. zu Guntreben, von Kröv, von Malberg, Vrais von Neuerburg. Das Wappen wird beschrieben bei Held S. 208-209.

Die vier Wappenschilde der Ahnenprobe zeigen heraldisch oben rechts das Wolfskehl-Wappen wiederholt, oben links einen hängenden Flügel (Marschalck von Iben, auch: Marschall von Ueben, Marschall von Waldeck gen. Iben, in Schwarz ein gesenkter goldener Flügel, Helmzier ein schwarzer Turnierhut, in dessen goldenem Stulp zwei schwarz-golden übereck geteilte Federstöße stecken, Helmdecken schwarz-golden, Held S. 132), unten rechts das Axteisen der von Frankenstein (Held S. 71), unten links ein schrägrechtsgelegtes Saiteninstrument (Fiedel), von Lilien begleitet (Wilch von Alzey, Wilche von Alzey, in Blau eine schräggestellte Laute, begleitet von goldenen Lilien, Helmzier eine wachsende blau gewandete Mohrin, in jeder Hand eine Pfauenfeder. Helmdecken blau-silbern, Held S. 205). Es gibt noch andere Versionen des Wappens, Gruber zeigt die Laute schräglinks gestellt; die Truchseß von Alzey 1173-1360 und die Winter von Alzey 1291 zeigen die Laute von Schindeln begleitet.

Abb.: Aufnahme der beiden unteren Einzelschilde Franckenstein und Wilch von Alzey mit Seitenblitz.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Evangelische Kirchengemeinde, Katharinenkirche Oppenheim
http://www.katharinen-kirche.de
Dr. Dagmar Gilcher: Ein Denkmal und seine Pflege: Die Katharinenkirche in Oppenheim, aus: Die Rheinpfalz vom 08.09.07,
http://www.katharinen-kirche.de/pdf/katharinenkirche.pdf
Oppenheim am Rhein, Rheinische Kunststätten Heft 3-4 / 1972, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.).
Martin Held, Die Katharinenkirche in Oppenheim:
http://www.katharinen-kirche.de/pdf/diekatharinenkircheinoppenheimmitbildern.pdf
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Förderverein Katharinenkirche:
http://www.foerderverein-sankt-katharinen.de/
Oppenheimer Geschichtsverein:
http://www.oppenheimer-geschichtsverein.de/
Ursula B. Thiel, Figürliche Epitaphien des Adels und der Geistlichkeit - Wege in die frühe Neuzeit. In: Traditionen, Zäsuren, Umbrüche, Beiträge zur 11. Internationalen Fachtagung für Epigraphik 2007 in Greifswald, Hrsg. von Christine Magin, Ulrich Schindel, Christine Wulf, Reichert Verlag Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-89500-597-8
Biedermann, Geschlechts-Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken Löblichen Orts Ottenwald (Odenwald)
http://books.google.de/books?id=g9JDAAAAcAAJ
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Sébastien Günther für wertvolle Hinweise
Wappen Meisenbug: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 53 Seite 64
Wappen Brack von Klingen: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 50 Seite 65
Martin Held: Oppenheimer Wappenbuch, Eigenverlag, Oppenheim 2011
Alten-Limpurger Wappenbuch von 1558 im Besitz der "Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg zu Frankfurt am Main" bei der Cronstetten-Stiftung

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