Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1053
Burghausen an der Salzach

Tauffkirchen-Palais

Das Tauffkirchen-Palais war seit 1736 Wohnsitz des Vizedoms. Früher wohnten seine Vorgänger oben auf der Burg, aber Graf von Tauffkirchen verlegte seinen Wohnsitz hier in die Stadt. Das erste Palais stand nicht lange, sondern ist bereits 1742 im Österreichischen Erbfolgekrieg abgebrannt, worauf ein Rokoko-Neubau mit reicher Fassaden-Ornamentik an der selben Stelle durch den Graf von Tauffkirchen erfolgte. Es handelt sich bei diesem Vizedom um Adam Johann Joseph Anton Graf v. Tauffkirchen (24.12.1693 - 1758), Sohn von Franz Joseph Ignaz Graf v. Tauffkirchen (- 31.7.1726) und Eberhardina Sophia Juliana v. Oettingen-Oettingen (20.10.1656 - 23.3.1743), vermählt mit Maria Theresia Clara Freiin v. Lerchenfeld und Aham (geb. 30.12.1705) . Sie hatten eine gemeinsame Tochter, Maria Josepha Gräfin v. Tauffkirchen-Ybm. 1809 nahm hier Napoleon für ein paar Tage Quartier. Das Gebäude war königliches Landgericht / Amtsgericht bis Ende des 19. Jh., dann königliches Rentamt / Finanzamt, seit 1959 ist es wieder Amtsgericht.

Das prächtige Rokoko-Wappen im Giebel ist eine phantastische Stuckarbeit, heraldisch allerdings - naja, ein Produkt seiner Zeit. Die Farbgebung orientiert sich gänzlich am gelb/weiß der Fassade und berücksichtigt die tatsächliche Tingierung überhaupt nicht. Die Motive sind z. T. unrichtig wiedergegeben. Es handelt sich um ein Allianzwappen der Grafen von Tauffkirchen und der Grafen von Lerchenfeld.

Die Grafen von Tauffkirchen sind altbayerischer Adel, die über Jahrhunderte auch im Salzburgischen erscheinen und im Dienste des Erzstiftes standen sowie mit vielen salzburgischen Familien verbunden waren. Die in Bayern und Österreich begüterten von Tauffkirchen besassen früher das Erbtruchsessenamt im Hochstift Regensburg.

Das Stammwappen der Grafen von Tauffkirchen zeigt einen geteilten Schild, oben in Rot ein silberner Pfahl, unten blau. Helmzier ein sitzender silberner Fuchs auf gekröntem Helm mit rechts rot-silbernen und links blau-silbernen Decken.

Das vermehrte Wappen der Linie Kazenberg (Katzenberg) und Guttenburg-Engelburg (Englburg) ist mit einem gevierten Schwarzensteiner Schild und einem Tauffkirchener Herzschild, in Feld 1 und 4 in Silber sechs (1:2:3) auf- und aneinander gestellte schwarze Quadersteine (Schwarzenstein), in Feld 2 und 3 drei schrägbalkenweise gestellte silberne Rosen in rotem Feld (Mautner von Kazenberg/Katzenberg), Herzschild Stammwappen Tauffkirchen. Drei gekrönte Helme: Helm 1 (Mitte) Stammhelm Tauffkirchen wie oben. Helm 2 (vorne): Zwischen einem offenen silbernen Flug sechs (1:2:3) auf- und aneinander gestellte schwarze Quadersteine (Schwarzenstein). Helmdecken schwarz-silbern. Helm 3 (hinten): Ein geschlossener roter Flug, belegt mit drei schrägbalkenweise gestellten silbernen Rosen, Helmdecken rot-silbern (Mautner von Kazenberg). So nach der Beschreibung und Abbildung in dem Briefe Kaiser Rudolfs II vom 20.10.1602. Die Guttenburg-Engelburger Linie ist im Freiherrenstande seit 1639 und im Grafenstande seit 1684, dabei blieb dieser Wappenschild wie beschrieben unverändert. Die Linie Guttenburg-Kazenberg (Katzenberg) ist 1843 mit Graf Matthias im Mannesstamm erloschen.

Die Linien Ybm und Kleeberg führt einen anderen Hauptschild: Das vermehrte Wappen besteht aus einem Thumberger Hauptschild mit Herzschild Tauffkirchen und zeigt in Feld 1 und 4 in Schwarz über goldenem Fuße eine silberne Quadermauer, hinter welcher zwei silberne, rot gedeckte Türme hervorkommen (Diepoldskircher), in Feld 2 und 3 fünf (1:2:2) silberne Rosen in rotem Feld (Thumberg, Thumberger/Tumberger zu Klebing, Klebing), wobei diese fünf Rosen auch durch einen goldenen Faden zu einem Kranz verbunden sein können, "heidnisch gekrönter" Herzschild mit dem Stammwappen Tauffkirchen. Drei Helme: Helm 1 (Mitte): eine gekrönte Meerjungfrau zwischen einem Paar Büffelhörner, das rechte von Silber und Rot schräg einwärts umwunden, das linke von Schwarz und Gold (dieses Kleinod wurde übrigens weder von den Thumbergern noch von den Diepoldskircher geführt). Helmdecke vorne rot-silbern, hinten schwarz-golden. Helm 2 (vorne): auf gekröntem Helm ein sitzender silberner, nun gekrönter Fuchs, Decken rot-silbern (Stammhelm Tauffkirchen). Helm 3 (hinten): Auf ungekröntem Helm ein rotes, golden bequastetes Kissen, darauf ein sitzender, goldener Löwe (Thumberg). Helmdecken schwarz-golden. So nach dem Freiherrendiplom vom 16.10.1666. Im Grafenstand (20.3.1716 erlangt) blieb das Wappen unverändert.

Die von Tauffkirchen dürfen nicht mit den von Taufkirchen verwechselt werden, welche zwar auch ein altbayerisches Geschlecht waren, jedoch nicht verwandt sind und einen Löwen mit Schwert im Schilde führten.

Hier hat die Darstellung schwere heraldische Mängel wie Tingierung, fehlende Rosen (nur eine statt fünf), fehlende Struktur im Herzschild, unberechtigte Innenfadenborde etc., was aber im Rokoko offensichtlich ohne Gewicht war.

Die Familie der Grafen von Lerchenfeld ist ein Regensburger Patriziergeschlecht, das 1587 den Reichsadelsstand und 1653 den Reichsfreiherrenstand und in zwei Linien 1698 und 1770 den Reichsgrafenstand erhielt.

Das Wappen ist geviert mit Herzschild. Feld 1 und 2: in Rot ein silberner Sparren, in dessen Giebel eine flugbereite natürliche Lerche steht (Stammwappen Lerchenfeld). In älteren Darstellungen ist nur die Lerche zu sehen, so auch hier, in jüngeren Darstellungen steht sie bisweilen auf einem grünen Dreiberg. Feld 2 und 3: In Silber drei grüne, unten bogenförmig geöffnete Berge, aus jedem oben eine goldene Flamme schlagend (Wappen der ausgestorbenen v. Brennberg, ein äußerst redendes Wappen, kam 1587 bzw. 1616 an die Familie). Gekrönter Herzschild: In Silber in zwei Reihen 8 mit den Spitzen aneinander und an die Ränder anstoßende rote Rauten (Wecken). Der Herzschild steht für Alt-Lerchenfeld zu Brennberg, es handelt sich um eine Vermehrung von 1653.

Zu diesem Wappen gehören folgende drei gekrönte Helme, die hier nicht abgebildet sind: Rechts außen offener roter Flug, beiderseits mit einem silbernen Sparren bez., in dessen Giebel eine flugbereite natürliche Lerche steht (Stammwappen Lerchenfeld), Mitte: hoher, oben golden gekrönter, mit 6 schwarzen Hahnenfedern (Hahnenfederbusch) besteckter goldener Hut (Schaft, Säule), wenn als Hut geformt, ist der silberne Stulp mit drei goldenen Flammen belegt. Links außen: ein Busch Straußenfedern, abwechselnd silbern-rot tingiert (zum Herzschild, Alt-Lerchenfeld zu Brennberg). Helmdecken rot-silbern.

Literatur, Quellen und Links
Siebmachers Wappenbücher
Georg Miesgang, Wolfgang Schütz: Burghausen. Pannonia-Verlag 1979, ISBN 3-7897-0031-2
Hinweistafel des Heimatvereins am Gebäude
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Wilhelm Neu, Volker Liedke: Oberbayern, in: Michael Petzet: Denkmäler in Bayern, Regierungsbezirk Oberbayern, Bd. I.2, hrsg. vom Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Oldenbourg Verlag, München, 1986, ISBN 3-486-52392-9.
Baudenkmäler in Burghausen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Burghausen

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