Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1042
Regensburg

Regensburger Brunnen

Der erste hier vorgestellte Brunnen befindet sich im Großen Rathaushof, auch Justitia-Hof genannt, an der nördlichen Schmalseite des Hofes aufgestellt, mit Figur der Liebesgöttin Venus (1909 durch eine Kopie ersetzt), geschaffen 1661 von Leoprand Hilmer. das Becken ist sechseckig und mit Reichsadler, Schlüsselwappen und Genienköpfen verziert.

Als freie Reichsstadt finden wir in Regensburg Reichs-Heraldik: Unter dem Datum 1661 sehen wir den Reichsadler, doppelköpfig, zwischen den beiden Köpfen schwebend die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches, im rechten Fang das Schwert, der linke Fang ledig. Zu seinen Füßen befindet sich ein Füllhorn mit weiteren Herrschaftsinsignien, Szepter, Kronen. Das ist ein ungewöhnliches Arrangement, trägt aber der Tatsache Rechnung, daß dieser Herrscher als Kaiser und König von Ungarn und von Böhmen mehr Insignien hat als der Adler Klauen.

Der Adler ist auf der Brust belegt mit einem Schild, der von der Collane des am 10.1.1430 von Philipp dem Guten, Herzog von Burgund, aus Anlaß der Heirat mit Prinzessin Isabella von Portugal in Brügge gegründeten Ordens vom Goldenen Vlies umgeben ist. Er war der Hausorden der Burgunderherzöge, ging aber nach deren Aussterben 1477 an das Haus Habsburg über. Der Name des Ordens hat zwei mythologische Wurzeln, zum einen das alttestamentarische Begnadungswunder Gideons mit dem betauten Widderfell, zum anderen die altgriechische Argonautensage, in der Jason das Goldene Vlies aus Kolchis raubt, und in der ein Schafsfell, das zum Goldwaschen benutzt wurde und in dem sich die feinen Flußgoldflitter verfingen, der Hintergrund ist. Das Ordenszeichen ist ein goldenes Widderfell (Vlies), das an einem blau emaillierten, flammenspeienden Feuerstein hängt. Die Kette besteht aus zwei Typen Gliedern: 1.) je zwei Feuerstähle, mit den Schlagkanten nach außen zusammengestellt und mit den Griffen aneinanderstoßend oder miteinander verschränkt, 2.) ein nach oben und unten Flammen speiender Feuerstein.

Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4 sind jeweils gespalten, vorne siebenmal von Rot und Silber geteilt (Königreich Ungarn, Alt-Ungarn), hinten auf grünem Dreiberg aus einer goldenen Krone (die Krone ab dem 17. Jh.) wachsend in Rot ein silbernes Patriarchenkreuz (Königreich Ungarn, Neu-Ungarn), Feld 2 und 3 zeigen in Rot einen doppelschwänzigen silbernen Löwe, golden gekrönt, bewehrt und gezungt (Königreich Böhmen).

Dieses Wappen ist Kaiser Leopold I (geb. 9.6.1640, gest. 5.5.1705) zuzuordnen. Er wurde 1655 König von Ungarn, 1656 König von Böhmen, 1657 Erzherzog von Österreich, zuletzt Römisch-Deutscher König und Kaiser (1658–1705). Er war ein Kaiser, dessen Regierungszeit weitgehend durch kriegerische Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn bestimmt war: Holländischer Krieg 1672–1679, Pfälzischer Krieg 1688–1697, Türkenkriege (1664 Schlacht bei Mogersdorf, 1683 zweite Türkenbelagerung Wiens, Großer Türkenkrieg 1683-1699), zuletzt der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1713/14). Neben all dieser Weltpolitik ist uns Leopold I auch als der Bauherr des Schlosses Schönbrunn in Wien und als barocker Umgestalter der Stadt ein Begriff.

Auf einer anderen Fläche des sechseckigen Brunnentroges befindet sich das Regensburger Stadtwappen, welches in Rot zwei schräggekreuzte silberne Schlüssel zeigt, mit den Bärten nach oben und außen gelegt.

Der zweite Brunnen ist der Justitia-Brunnen auf dem Haidplatz: Er gilt als schönster Brunnen Regensburgs. Der Vorgänger der heutigen Brunnenanlage wurde 1551 erbaut, wahrscheinlich aus Holz. 1656 entstand der heutige Brunnen. Die namengebende Justitia-Figur auf dem Mittelpfeiler mit wasserspeienden Delphinen und darauf reitenden Putten schuf Leoprand Hilmer. Der achteckige Brunnentrog steht auf gestuftem Sockel. In jedem der Felder befindet sich eine Kartusche mit Stadtwappen, Reichswappen oder Genienköpfen. Das wunderschöne hohe Rautengitter aus Schmiedeeisen mit Rankenaufsatz stammt ursprünglich von 1592. 1910 wurde der Brunnen erneuert.

Auf dieser Fläche des achteckigen Brunnentroges befindet sich das Regensburger Stadtwappen, welches in Rot zwei schräggekreuzte silberne Schlüssel zeigt, mit den Bärten nach oben und außen gelegt. Man beachte die kleine Maske, die in den oberen Schildrand eingepaßt ist.

Ein dritter wappengeschmückter Brunnen befindet sich auf dem Neupfarrplatz (Neupfarrbrunnen): 1551 entstand hier ein erster Brunnen aus Holz, als die städtischen Wasserleitungen fertiggestellt waren. 1567 wurden diese "Röhrkästen" durch steinerne Brunnen ersetzt. In seinem Aufbau folgt der Neupfarrbrunnen dem typischen Konzept dieser Brunnen-Generation: Achteckiges Becken auf steinernem gestuften Sockel, außenherum um das Becken ein schmiedeeisernes Ziergitter, Mittelpfeiler. Der Mittelpfeiler aber wurde später wie alle anderen Teile auch erneuert, er stammt von 1721.

Auf der einen Seite zeigt die Bekrönung des Mittelpfeilers den doppelköpfigen Reichsadler mit zwischen den beiden Köpfen befindlicher Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches, im rechten Fang ein Schwert, im linken Fang ein Szepter, die Brust belegt mit einem Habsburger-Wappen, gespalten aus dem rot-silbernen Bindenschild Österreichs und den blau-goldenen Schrägstreifen Burgunds (ohne rote Bordierung). Der entsprechende und zum Baujahr 1721 passende Kaiser ist Karl VI, König von Spanien, König von Böhmen, König von Ungarn, Erzherzog von Österreich, 1711 bis 1740 römisch-deutscher König und Kaiser, Letzter des Hauses Habsburg im Mannesstamm.

Auf der anderen Seite befindet sich ein zweiter Reichsadler, aber mit drei Unterschieden: Im rechten Fang trägt er einen Reichsapfel, im linken Fang jetzt das Schwert, und die Brust ist belegt mit einem Stadtwappen, in Rot zwei schräggekreuzte silberne Schlüssel.

Literatur, Quellen und Links
Karl Bauer, Regensburg – Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Mittelbayerische Druck- und Verlagsanstalt, 5. Auflage 1997, ISBN 3-931904-19-9

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