Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1041
Regensburg

Altes und neues Rathaus

Das Regensburger Rathaus ist ein gewachsenes Ensemble, welches aus verschiedensten Einheiten besteht. Ganz grob besteht es aus einem alten Teil im Westen und einem neuen Teil im Osten. Der alte Teil enthält den Reichssaal und das Fürstenzimmer. Der neue Teil enthält den berühmten Dollingersaal. Verbunden sind beide Komplexe durch diverse Bauteile, unter anderem den Rathausturm. Drei Höfe nennt der Komplex sein eigen, der kleine Hof im Altbau, der Große Rathaushof dazwischen und der Neptunhof im neuen Bau. Die einzelnen Bauteile stammen aus den verschiedensten Jahrhunderten und Stilepochen, und eine einheitliche Planung oder Gestaltung vermissen wir.

Im Bild oben sehen wir das Alte Rathaus, beherrschend der Reichssaalbau mit dem Erker, 1363 vollendet, rechts daneben der Portalbau. Der Reichssaal gilt als das bedeutendste gotische Profanbauwerk Regensburgs. Der Raum war immerhin Sitz des ersten deutschen Parlaments (seit 1663 Immerwährender Reichstag, Reichsversammlung tagte hier bis 1806), wodurch er nicht nur kunsthistorisch, sondern auch reichshistorisch von erstrangiger Bedeutung ist.

In die durchlaufende Fensterreihe der den Rathausplatz westlich abschließenden Schauseite des Alten Rathauses eingefügt ist dieser gotische Erker, der in Ausführung und Qualität den Einfluß der Dombauhütte spüren läßt. Ein flacher Wandpfeiler führt vom Boden aus nach oben und weitet sich zu einem kraftvoll ausladenden massiven Sims, über dem sich der Erker erhebt. Das Erkergehäuse hat auf seinen drei seiten spitze Giebel, eingerahmt jeweils von schlanken und spitzen Fialen. Über den Giebelspitzen sehen wir gedoppelte Kreuzblumen. Die Brüstung unterhalb der Fenster hat Maßwerkblenden. Am Fuß der Brüstung sehen wir kleine Menschenköpfe von ausgezeichnet feiner Arbeit. In der Giebelfläche des Erkers ist das Stadtwappen eingefügt, es stammt von ca. 1350-1360.

Das Regensburger Stadtwappen zeigt in Rot zwei schräggekreuzte silberne Schlüssel, mit den Bärten nach oben und außen gelegt. Die Schlüssel leiten sich vom Patron des Regensburger Domes ab, dem Hl. Petrus. Bereits 1211 zeigt das älteste Siegel der Stadt eine Petrusfigur mit Schlüssel und Buch in den Händen. Später steht auf den Siegeln Petrus inmitten der Domarchitektur mit der Stadtmauer zu Füßen. In dieser Form wird das Stadtsiegel 1248 bis ins 16. Jh. geführt.

Während also das Stadtsiegel die Schlüssel nur als Attribut von Petrus zeigt, tauchen die beiden gekreuzten Schlüssel alleine bereits in der Manessischen Liederhandschrift als Zeichen der Burggrafen von Regensburg auf. Dieses Amt war ein Reichslehen, welches bis 1184/85 die Grafen von Stevening und Rietenburg innehatten. Der in der Liederhandschrift dargestellte Minnesänger ist wohl Heinrich III. (1126-1177 bezeugt), der bedeutendste Vertreter seines Geschlechts. Er wird bei der Ausübung der Gerichtsbarkeit gezeigt. Die Schlüssel sind jedoch golden dargestellt, nicht silbern wie im Regensburger Stadtwappen. Als Helmzier trägt er die beiden schräggekreuzten Schlüssel.

Etwas später entstanden ist der Portalbau, der rechts neben dem Reichssaalbau anschließt und das Hauptzugangsportal trägt, eines der Wahrzeichen Regensburgs. Dieser Teil entstand während Umbauarbeiten, vermutlich 1408. Ursprünglich gab eine Freitreppe Zugang zum Reichssaal, diese überbaute man mit einem Stiegenhaus, das nun sehr geschickt Reichssaalbau und den Bauteil westlich des Rathausturmes verbindet. 1564 baute man die Vorhalle aus und führte die erst gerade verlaufende Treppe über ein Podest abknickend erst nach rechts in die Vorhalle, von der aus man nun in den Reichssaal gelangte. Das Portal zum Rathausplatz ist eine herausragende Arbeit der Spätgotik. Rechts und links des krabbenbesetzten Wimpergs befinden sich Schilde mit dem Stadtwappen. Der Wimperg gipfelt in einer riesigen und exquisit gearbeiteten Kreuzblume. Das Beste aber sind die beiden aus den Nischen blickenden Halbfiguren zweier Geharnischter darüber. Der linke Geharnischte hält einen zackenbesetzten Streithammer, der rechte hält einen Stein zum Wurfe bereit, um unbefugte Eindringlinge zu zerschmettern.

Abrupter baugeschichtlicher und kunsthistorischer Wechsel: Vom alten Rathaus zum Neuen Rathaus, von der Gotik zum Barock, nur ein paar Schritte weiter im Osten. Auch dieses ist ein Konglomerat aus verschiedenen Kompartimenten und Bauphasen. Nur die Südfassade scheint ein bißchen Einheitlichkeit auszustrahlen. Der Südflügel entstand 1721-1723 auf den Grundmauern einer ehemaligen Kirche und denen des 1706 abgebrannten Marktturmes und ist die letzte Bauphase des Ensembles. Das Südportal wird von toskanischen Säulen flankiert. Auf dem gesprengten Dreiecksgiebel ruhen die allegorischen Darstellungen von Sapientia und Justitia, Klugheit und Gerechtigkeit. Das Stadtwappen in der opulenten, wenn auch etwas gedrückten Kartusche ist auf 1722 datiert.

Literatur, Quellen und Links
Karl Bauer, Regensburg – Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Mittelbayerische Druck- und Verlagsanstalt, 5. Auflage 1997, ISBN 3-931904-19-9
Wappengeschichte:
http://www.hdbg.de/gemeinden2/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9362000
Joseph A. Endres: Die alten Siegel und das Wappen der Stadt Regensburg, in: Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte des mittelalterlichen Regensburgs, Regensburg 1925, S. 205-209.

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