Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1040
Regensburg

sog. Residenz, Domplatz 6

Die ehemalige fürstprimatische Residenz am Domplatz 6 wurde 1795-1800 von Joseph Sorg als Dompropstei errichtet; wenige Jahre vor der Säkularisation wurde hier noch ein repräsentatives Palais als Ersatz für das bisherige Gebäude in Auftrag gegeben. Bauherr war der Dompropst Joseph Carl Ignatz Graf von Lerchenfeld, dessen Initialen JCL man im Balkongeländer wiederfindet. Die Fassade des zweiflügeligen Anwesens ist klassizistisch mit aufwendigen Stuckdekorationen, besonders im Giebel der Schaufront zum Domplatz hin. Am Dachansatz läuft eine Blendbalustrade um, sich in der Residenzstraße am Seitenflügel fortsetzend. Die Fenster im ersten Stock haben kleine, auf Konsolsteinen ruhende Verdachungen, auf denen die Balkongittern ähnelnden Brüstungen der Fenster des zweiten Stocks sitzen, die oben mit Segmentbogenverdachungen abgeschlossen werden. 1802-1810 war das Anwesen, das damals modernste Palais in der ganzen Stadt, in den schwierigen Jahren zwischen Reichsfreiheit und Anschluß an Bayern Residenz des Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg. Davon leitet sich auch der Name "Residenz" ab, desgleichen der Name "Residenzstraße" für die auf den Domplatz hinführende Straße an der Seite des Anwesens. Auch Napoleon schlug in diesem Gebäude am 24.-25.4.1809 sein Hauptquartier auf, und seine Soldaten wurden zu Einbrechern in den Gemächern des Dompropstes Graf Thurn. Beim Anschluß an Bayern 1810 wurde die Residenz, da geistlicher Besitz, Staatsbesitz, 1853 kam sie an die Stadt, schließlich wurde sie an Privat veräußert.

Seitlich eingemauert finden wir einen älteren Wappenstein eingemauert: Er gehört dem Dompropst Johann Christian Adam Graf von Königsfeld und ist auf 1729 datiert.

Das Stammwappen der Grafen von Königsfeld, einem altbayrischen Geschlecht mit Stammsitz an der Ilm in Oberbayern zeigt in Rot einen aus dem Schildfuß wachsenden, gekrönten, goldgekleideten bärtigen Mannesrumpf ohne Arme (Königsrumpf). Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken wachsend die Schildfigur.

Heinrich Kunigsfelder wird 1261 erwähnt. Den Reichsfreiherrenstand erhielten Johann Friedrich von Königsfeld, dessen Sohn Joseph Georg und dessen Vetter Franz Nicolaus am 1.3.1654. Johann Georg und sein Bruder Christian sowie deren Vetter Franz Niclas erhielten am 14.9.1685 den Reichsgrafenstand, in Bayern bestätigt am 2.3.1686. Das Geschlecht ist mittlerweile erloschen. Als Letzter im Mannesstamme verstarb Graf Adam Franz Philipp Joseph am 26.2.1808.

Das vermehrte Wappen der Grafen von Königsfeld, am 25.10.1531 dem Sigmund von Königsfeld von Kaiser Karl V in Augsburg verliehen, ist geviert: Feld 1 und 4: In Silber ein aus dem Schildfuß wachsender, gekrönter, golden gekleideter bärtiger Mannesrumpf ohne Arme (Königsrumpf). Feld 2 und 3: In Rot ein aus dem Schildfuß wachsender, golden gekleideter bärtiger Mannesrumpf ohne Arme mit kaiserlicher Krone auf dem Haupt (Kaiserrumpf). Zwei gekrönte Helme: Helm 1 der Königsrumpf, Helm 2 der Kaiserrumpf. Decken rechts golden-silbern (sic!) und links rot-golden. In anderen Quellen findet sich anstelle der Kaiserkrone fälschlicherweise die Angabe Bischofshut (Inful) - dies ist unrichtig und entspricht nicht dem Diplom. Genauso wird die Deckenfarbe links als rot-golden, nicht rot-silbern beschrieben.

Das reichsgräfliche Wappen von 1686 hat noch einen Herzschild zusätzlich, ferner sind die Kopfbedeckungen vertauscht: Feld 1 und 4: In Silber ein aus dem Schildfuß wachsender, mit einer rot gefütterten Königskrone gekrönter, golden gekleideter bärtiger Mannesrumpf ohne Arme (Königsrumpf). Feld 2 und 3: In Rot ein aus dem Schildfuß wachsender, golden gekleideter, mit einer Laubkrone gekrönter bärtiger Mannesrumpf ohne Arme (Stammwappen, Königsrumpf). Herzschild: in Gold ein schwarzer Doppeladler, überhöht von einer Reichskrone. Zwei gekrönte Helme: Helm 1 (optisch links) der Königsrumpf mit Königskrone aus Feld 1, Helm 2 (Mitte) der schwarze Reichsadler mit Reichskrone über den Köpfen, Helm 3 (optisch rechts) der Königsrumpf mit Laubkrone aus Feld 2. Decken rechts golden-silbern (sic!), in der Mitte schwarz-golden und links rot-silbern.

Hier finden wir eine weitere Variante mit vier Helmen, denn zwischen Helm 1 und Helm 2 ist noch ein Puttenkopf mit Inful und Krummstab auf dem Haupt eingeschoben worden für den Dompropst:

Im Dreiecksgiebel befindet sich das Wappen des Bauherrn, des Dompropstes Joseph Carl Ignatz Graf von Lerchenfeld, flankiert von Füllhörnern und Laubdekoration. Das ist ein Regensburger Patriziergeschlecht, das 1587 den Reichsadelsstand und 1653 den Reichsfreiherrenstand und in zwei Linien 1698 und 1770 den Reichsgrafenstand erhielt.

Das Wappen ist geviert mit Herzschild. Feld 1 und 2: in Rot ein silberner Sparren, in dessen Giebel eine flugbereite natürliche Lerche steht (Stammwappen Lerchenfeld). In älteren Darstellungen ist nur die Lerche zu sehen, in jüngeren Darstellungen steht sie bisweilen auf einem grünen Dreiberg. Feld 2 und 3: In Silber drei grüne, unten bogenförmig geöffnete Berge, aus jedem oben eine goldene Flamme schlagend (Wappen der ausgestorbenen v. Brennberg, ein sehr redendes Wappen, kam 1587 bzw. 1616 an die Familie). Gekrönter Herzschild: In Silber in zwei Reihen 8 mit den Spitzen aneinander und an die Ränder anstoßende rote Rauten (Wecken). Der Herzschild steht für Alt-Lerchenfeld zu Brennberg, es handelt sich um eine Vermehrung von 1653.

Auf dem Schild stehen folgende drei gekrönte Helme: Rechts außen offener roter Flug, beiderseits mit einem silbernen Sparren bez., in dessen Giebel eine flugbereite natürliche Lerche steht (Stammwappen Lerchenfeld), Mitte: hoher, oben golden gekrönter, mit 6 schwarzen Hahnenfedern (Hahnenfederbusch) besteckter goldener Hut (Schaft, Säule), wenn als Hut geformt, ist der silberne Stulp mit drei goldenen Flammen belegt - hier kein Stulp vorhanden. Links außen: ein Busch Straußenfedern, abwechselnd silbern-rot tingiert (zum Herzschild, Alt-Lerchenfeld zu Brennberg). Helmdecken rot-silbern.

Dieses Wappen ist im vorliegenden Fall durch zwei weitere Helme ergänzt worden: Zwischen Lerchenfeld und Brennberg eine Inful mit Krummstab, zwischen Brennberg und Alt-Lerchenfeld zu Brennberg ein Deckelkelch mit Kreuz, beide auf einem bequasteten Kissen. Diese beiden Helme beziehen sich auf das Amt als Dompropst.

Literatur, Quellen und Links
Karl Bauer, Regensburg – Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Mittelbayerische Druck- und Verlagsanstalt, 5. Auflage 1997, ISBN 3-931904-19-9
Siebmachers Wappenbücher

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