Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1012
Rothenbuch (Spessart, Landkreis Aschaffenburg)

Schloß Rothenbuch im Spessart

Im tiefen Spessartwald finden wir Spuren Mainzer Kurfürsten in der kleinen unterfränkischen Gemeinde Rothenbuch. 1318 schon begegnet uns dieser Ort in der Geschichte, als Peter von Aspelt, Erzbischof von Mainz (1306-1320), und Gottfried III von Hohenlohe, Bischof von Würzburg (1314-1322), hier ("zùo der Rodenboychen") einen Vertrag "zur Abwendung von Untaten" schlossen, denn der Ort war günstig gelegen an der Grenze zwischen beiden Bistümern. "Abwendung von Untaten" heißt Verhinderung von Räuberei, Wilderei und Waldfrevel. Insgesamt sieben Amtmänner nahmen diese Aufgabe wahr. Eine erste Befestigung in Rothenbuch wurde im 14. Jh. begonnen, eine Burg an der Hafenlohrquelle (die Hafenlohr ist ein knapp 25 km langer rechter Nebenfluß des Mains), als Wasserburg mit umlaufenden Gräben und Zugbrücken konzipiert. Die Hafenlohr entspringt quasi im Schloßgraben. So hatte man auch im Belagerungsfall reinstes Quellwasser zur Verfügung.

Seit 1485 ist der Ort Sitz eines mainzischen Forstmeisters, der die Aufsicht über die erwähnten Amtmänner hatte und zeitweise auch die Aufgaben eines Gerichtsbeamten übernahm. Vor dem Umzug wurde der Forst von Aschaffenburg aus verwaltet. Der Spessart war immerhin das größte zusammenhängende Waldgebiet Süddeutschlands und von großem Interesse für die Mächtigen der Zeit. Wildbestand und Holzwirtschaft waren wichtige Einkommensquellen. Von der ersten Burg war nach dem Bauernkrieg 1525 nicht mehr viel übrig geblieben, ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Burgen der Gegend teilte. Und danach zog der Markgräflerkrieg das Land in erneutes Unglück und in erneute Zerstörung. Unter dem Mainzer Fürstbischof und Kurfürsten Daniel Brendel von Homburg (geb. 22.3.1523 in Aschaffenburg, 22.4.1555 Erzbischof von Mainz, 1561 Gründer des Jesuitenkollegs in Mainz, 1575 Gründer der Kollegs in Heiligenstadt, Durchführer der Gegenreformation im Bistum Mainz, gest. 22.3.1582 in Aschaffenburg, Grabmal im Mainzer Dom) als Bauherrn wurde Rothenbuch 1566-1567 als Schloß wiederhergestellt. Damals war es noch nicht die Vierflügelanlage, als die es sich heute darstellt. Nein, es war ein bescheidener Bau der Renaissance, einflügelig, mit polygonalem Treppenturm, dem heutigen Nordwestflügel entsprechend. Gleichzeitig erbaute Daniel Brendel von Homburg (reg. 1555-1582) auch die Schloßkapelle (Weihe 1575) in einem nachgotischen Stil, die spätere erste Pfarrkirche von Rothenbuch, heute profanisiert und als Wohnhaus genutzt. Früher verband einmal ein gedeckter Holzsteg Schloß und Kirche.

Abb.: Schloß Rothenbuch, Blick auf die Südecke und den ehemaligen Schloßgraben.

Aus dem Jahre 1586 stammt eine Abbildung des Schlosses, darauf ist es nur einflügelig. Das neue Schloß war nicht dazu gedacht, sich militärisch zu behaupten, sondern in erster Linie war es Demonstration kurfürstlich-mainzischer Präsenz und Jagdschloß, von wo aus der Kurfürst und sein Gefolge in die wildreichen Wälder des Spessarts zur Jagd gingen. Vor allem ist der Schloßbau auch vor dem Hintergrund territorialer Erweiterung von Kurmainz zu sehen: Rieneck, die angrenzende Grafschaft, war evangelisch geworden, sehr zum Verdruß des Kurfürsten, der aber die Übernahme weiter Teile der Grafschaft beim Aussterben der Grafen von Rienek 1559 zur Rekatholisierung nutzte. Der Schloßneubau setzte auch ein Zeichen des Interesses an den ehemals rieneckschen Gebieten, jetzt nicht mehr als Grenzposten, sondern als Zentralort des inneren Spessarts. Und die Verwaltung sollte auch die bessere Nutzung der Ressourcen des Innerspessarts vorantreiben, Holz, Glashütten etc.

Abb.: Schloß Rothenbuch, Blick auf die Südwestfassade und die wappengeschmückte Tordurchfahrt.

Gegen Ende des 17. Jh. wurde das Schloß erweitert und umgebaut. Aus dieser Zeit stammt im wesentlichen der heute erhaltene Baukörper mit seinen vier Flügeln. Das alte einflügelige Schloß wurde als Nordwestflügel integriert. Das neue Schloß ist eine Vierflügelanlage um einen zentralen Innenhof, in den eine asymmetrisch gelegene Zufahrt führt. Im Innenhof finden wir den polygonalen Treppenturm des älteren Schlosses am Nordwestflügel wieder, der einen Wappenstein des Bauherrn Daniel Brendel von Homburg (reg. 1555-1582) trägt, fast überwuchert von den Kletterpflanzen. Dennoch zeigen die umlaufenden Gräben mit darüber führenden Brücken, daß es früher eine Wasserburg war. Rothenbuch ist außerdem ein wichtiger und zentraler Ort für die Verwaltung der Mainzer Besitzungen im Spessart, und die Amtskellerei Rothenbuch ist Verwaltungsbehörde für neunzehn Orte des Spessarts im Mainzer Herrschaftsbereich. Die Amtsvogtei bekommt 1782 ihren Sitz in Rothenbuch.

Abb.: Schloß Rothenbuch, Wappenstein über der Tordurchfahrt.

Der Wappenstein des Bauherrn, des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz Daniel Brendel von Homburg, datiert auf 1567, über der Tordurchfahrt ist ein einfacher Renaissanceschild mit gebuchteten Rändern und oben nach hinten eingerollten Ecken, ohne Oberwappen oder Amtsinsignien. Der Schild ist geviert:

Abb.: Schloß Rothenbuch, Blick in den idyllischen Innenhof nach Norden, der Wappenstein befindet sich linkerhand am überwachsenen Treppenturm.

Abb.: Schloß Rothenbuch, Wappenstein am polygonalen Treppenturm des Nordwestflügels.

Das ungleich prunkvollere Wappen des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz, Daniel Brendel von Homburg, datiert auf 1567, befindet sich am polygonalen Treppenturm im Innenhof. Der Schild, hinter dem sich die Insignien der Macht, Vortragekreuz, Schwert rechts und Krummstab links, kreuzen, liegt einem Rahmen aus Beschlagwerk auf. Der Schild ist geviert:

Mit dem Reichsdeputationshauptschluß 1803 wurde die Mainzer Herrschaft beendet. Erst fiel Rothenbuch 1803-1810 an das Fürstentum Aschaffenburg, dann 1810-1814 an das Großherzogtum Frankfurt, 1814 an Bayern, worauf es sogar Sitz eines Kgl. Bayerischen Landgerichts wird. Heute gehört Rothenbuch zum Landkreis Aschaffenburg. Das Schloß war Hauswirtschaftsschule und ca. ein Jahrhundert Ort eines von Franziskanerinnen geleiteten Kinderheimes, bis 1987. Danach war es frei von Nutzung, stand leer und war dem Verfall preisgegeben. 1994 wurde das Schloß durch Herrn Peter B. Lehnardt gekauft, aufwendig saniert und gerettet, seitdem wird Schloß Rothenbuch als stilvolles Hotel mit angrenzendem Tagungszentrum genutzt (Mitglied in ECHOR, European Castle Hotels & Restaurants). So konnte das Kleinod im Spessart erhalten werden und im Rahmen des Spessart-Fremdenverkehrs aus seinem Dornröschenschlaf erwachen.

Aus der Zeit der kurfürstlich-mainzischen Herrschaft sind noch weitere historische Gebäude erhalten: Nordöstlich des Schlosses befindet sich das ehemalige Zeughaus von 1566, wo auch die Ausrüstung für die Jagdgesellschaften gelagert wurde, heute als Gasthaus "Zum Löwen" genutzt. Westlich davon befindet sich das schmucke kleine barocke sog. Ritterhäuschen, mit Wappenstein an der Südwestecke. Gegenüber dem Hauptzugang zum Schloß befindet sich eine alte Zehntscheune aus dem Jahre 1576, wo die von den Rothenbucher Bürgern zu leistenden Naturalabgaben (der Zehnte) angenommen und gelagert wurde. Heute wird das Gebäude als Sitz des Staatlichen Forstamtes Rothenbuch genutzt. Auch hier ist ein Wappenstein angebracht.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbes. Band Bistümer
Schloßhotel Rothenbuch: http://www.schloss-rothenbuch.de/
Gemeinde Rothenbuch:
http://www.rothenbuch.de/rothenbuch/schlossrothenbu/
Heinz Rötter, Schlösser in Unterfranken, Coburg 1991
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X

Schloß - Forstamt - sog. "Ritterhäuschen"

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