Bernhard Peter und Dominik Smasal
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1006
Heidelberg

Heidelberger Schloß (9): Karlsschanze

Karlsschanze
Die Nordostecke des Heidelberger Schlosses wurde durch das Zeughaus und die tiefer liegende Karlsschanze gesichert. Weit ragt diese Bastion in Richtung Tal. Beim Beschuß von der anderen Neckarseite aus im 30jährigen Krieg wurde das Zeughaus beschädigt, aber geflickt. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wird es von französischen Truppen 1693 gesprengt. Nach Wiederherstellung brannte es beim großen Brand von 1764 völlig aus, es wurde nicht mehr instand gesetzt. Die Karlsschanze wurde erst nach dem 30jährigen Krieg errichtet und hatte zusätzlich die Sicherung des neckarseitigen Weges zur Aufgabe, denn jeder Ankömmling mußte die Haarnadelkurve vor dem erhöhten Teil der Schanze passieren, ehe er in den Unterbau des Altanes gelangen konnte. Beide geraden Teile des Weges ließen sich so kontrollieren. Fuhrwerke mußten nun alle den Weg über die Brücke und durch den südlichen Torturm (Uhrturm) nehmen. Ein Geschützturm, der einst hier noch stand, wurde 1689 gesprengt, die Reste sind spurlos verschwunden. Karlsschanze und die Kasematten im Osten des Schlosses sind die jüngsten fortifikatorischen Anbauten. Der Name Karl erinnert an den Bauherrn, Karl II. Kurfürst v. der Pfalz (31.3.1651 - 26.5.1685).

Genealogie zum Bauwerk

Abb.: Weil der Besitzer dieses Wappens kinderlos blieb, kam es zum Pfälzischen Erbfolgekrieg.

Wappen (Wappen 19)
Durch die Jahreszahl 1683 und das um das Wappen gelegte Band der Ritter vom Hosenbandorden (HONI SOIT QUI MAL Y PENSE - ein Schelm, wer Böses dabei denkt) läßt sich dieses Wappen Karl II. Kurfürst v. der Pfalz (31.3.1651 - 26.5.1685) zuordnen.

Jetzt haben wir wieder ein Regalienfeld in der eingebogenen Spitze, keinen Reichsapfel! Die Pfalzgrafen hatten zwar anläßlich ihrer Rehabilitierung nach dem Westfälischen Frieden das Erzschatzmeisteramt bekommen, doch das Erztruchsessenamt war verloren. In Zeiten, in denen den Pfalzgrafen die Nutzung des Reichsapfelschildes versagt blieb, griffen sie ersatzweise auf den Regalienschild zurück. Somit wird der Regalienschild zum Warteschild auf die Wiedererlangung des Erztruchsessenamtes.

Der den Betrachter frontal anblickende und hinter dem Schild emporwachsende Löwe hält eine Krone über den Schild. Rechts und links des runden und vom Ordensband umschlungenen Schildes sind fächerförmig Fahnen, Kanonenrohre, Harnische, Helme und andere Trophäen aufgebaut, und den Übergang zum Rundbogen schaffen Kanonenkugelhaufen. Das entspricht der Begeisterung Karls für das Soldatenleben und dürfte seinem Geschmack gut entsprochen haben.

Mit Karl endet die Linie der Pfälzer Kurfürsten aus der protestantisch-reformierten Linie Pfalz-Simmern. Er heiratete zwar, die Ehe blieb aber kinderlos. Das war die Ursache für den pfälzischen Erbfolgekrieg, denn die Nachfolge ging zwar nun an die katholische Linie Pfalz-Neuburg, aber durch die Ehe der Schwester von Karl, Elisabeth Charlotte (Liselotte) Pfalzgräfin bei Rhein (27.5.1652 - 8.12.1722), mit Philipp I von Frankreich, Herzog von Orléans, Valois, Chartres, Nemours und Montpensier (21.9.1640 - 9.6.1701) meinte Frankreich, die Gelegenheit nutzen zu können, sich die Pfalz einzuverleiben. Denn jener Philipp war der Sohn von Ludwig XIII, König von Frankreich (27.9.1601 - 14.5.1643) und Anna Maria von Österreich (22.9.1601 - 1666). Und nun versank die Pfalz 1688-1697 in Chaos und Krieg, der letztlich zur Sprengung des Heidelberger Schlosses führte.

Die Zerstörung des Heidelberger Schlosses
Der letzte neugebaute Trakt ist der sog. Englische Bau (1612-1619) ganz im Westen in edlen und schlichten Formen, danach war das Schloß in Raten dem Untergang geweiht. 1622 wird das Schloß von Gerald Tilly erobert (30jähriger Krieg). 1623 wird die berühmte Bibliotheca Palatina von Maximilian I von Bayern geraubt und als Geschenk für Papst Gregor XV nach Rom verbracht. 1648 können Instandsetzungsarbeiten am Schloß beginnen. 1688-1697 wütet der Pfälzische Erbfolgekrieg, 1689 wird das Schloß zum ersten Mal durch französische Truppen zerstört, ein weiteres Mal 1693. 1697 plante man nach dem Friedensschluß den Abriß der Ruine und den Neubau eines gewaltigen Barockschlosses in der Ebene nach einem Entwurf des Palladioschülers Matteo Alberti. Statt dessen führte man nur einige Sicherungsmaßnahmen am Vorhandenen durch. 1720 wird die Residenz der Pfalzgrafen nach Mannheim verlegt, vor allem aus religiösen Gründen. 1764 kommt es durch zweifachen Blitzeinschlag zu einem verheerenden Großbrand des Schlosses. 1778 tritt Kurfürst Karl Theodor das Erbe in München an, und niemand interessiert sich mehr für das Schloß, bis es die Romantiker wiederentdecken.

Abb.: Position des besprochenen Wappens am Heidelberger Schloß

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Landesfürsten
Rudolf Haas, Hansjörg Probst: Die Pfalz am Rhein: 2000 Jahre Landes-, Kultur- u. Wirtschaftsgeschichte. Südwestdeutsche Verlagsanstalt, Mannheim 1984, ISBN 3-87804-159-4
Meinrad Schaab: Geschichte der Kurpfalz. Bd. 1: Mittelalter. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-015673-X, Bd. 2: Neuzeit. Kohlhammer, Stuttgart 1992, ISBN 3-17-009877-2
Alexander Schweickert: Kurpfalz. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-014038-8
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Schloßführer: Wolfgang Wiese, Karin Stober, Schloß Heidelberg, Deutscher Kunstverlag München Berlin, 2005, ISBN 3-422-03107-3
Adolf von Oechelhäuser: Das Heidelberger Schloss. Verlag Brigitte Guderjahn, Heidelberg, 9. Aufl. 1998 (unveränderter Nachdruck der 8. Aufl. von 1987, bearb. von Joachim Göricke).
Burkhard Pape: Die Befestigungen am Heidelberger Schloss. Bau, Architektur und Funktion der Fortifikationen und die Geschichte der Belagerungen. Verlag Stefan Wiltschko, Neckargemünd-Dilsberg 2006, ISBN 3-00-017727-2
Franz Schlechter, Hanns Hubach, Volker Sellin: Heidelberg: Das Schloß. Umschau Buchverlag, 2001, ISBN 3894661445
Schloß Heidelberg:
http://www.schloss-heidelberg.de/de/schloss-heidelberg/Schloss/238149.html

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